In dieser Serie nehmen wir Wohnviertel und Stadtteile genauer unter die Lupe. Dieses Mal ist die Innenstadt dran. Vorerst zur Definition: Wir haben diese hier im Wesentlichen auf den Kern der Stadt rund um den Dom bis zum inneren Grabenring begrenzt. Die Innenstadt ist stark studentisch geprägt, im Stadtgebiet weist sie mit Abstand den höchsten Anteil von 18- bis 29-Jährigen auf. Gleichzeitig leben hier kaum Kinder, die Quote von Kindern bis 17 Jahre liegt deutlich unter dem städtischen Durchschnitt. Ist die Innenstadt nur ein Ort für Studenten, Touristen oder zum Shoppen oder können hier auch Familien gut leben? Gibt es überhaupt Spielplätze und was gibt es sonst für Familien zu tun? Wir sind diesen Fragen auf den Grund gegangen und haben dabei auch interessante Neuigkeiten in Aachens Stadtentwicklung festgehalten.
Der Weg durch die Stadt beginnt für uns am Theaterplatz. Die Theaterstraße führt von hinten an das 1825 errichtete Stadttheater und den Platz mit dem „fröhlichen Hengst“, der Bronzeplastik, die auf Aachens Bedeutung als Reiterstadt mit dem CHIO hinweist. Im Rahmen der Umgestaltungsprozesse in der Innenstadt soll der Theaterplatz vom Durchgangsverkehr befreit werden und dem Zusammenleben in der Stadt eine Bühne geben. Durch den entsprechenden Entscheid der Politik soll die Möglichkeit entstehen, städtische Flächen zum Aufenthalt zurückzugewinnen und den Stadtraum neu aufzuteilen. Inzwischen konnten die Cafés und Restaurants links vom Theater schon etwas von der Straße für ihre Außengastronomie ergattern, Busse und Zulieferer fahren nur noch einspurig. Ganz verkehrsfrei soll der Theaterplatz auch nicht werden, da er für ebenjene eine wichtige Liefer- und Verkehrsachse bleibt. Die Umgestaltung des Theaterplatzes ist Teil des Innenstadtkonzepts 2022, das 2015 beschlossen wurde und Maßnahmen zur Umgestaltung der Innenstadt festhält. Das Theater Aachen verschiedene Aufführungen für Familien an, von Krabbelkonzerten über Kinderstücke im Mörgens bis zum großen Familienstück.
Im Elisengarten die Sonne genießen oder in der Mayerschen das Kindercafé besuchen
Von hier aus sind es nur einige Meter bis zu einem weiteren Aachener Wahrzeichen, dem Elisenbrunnen. Um den Elisenbrunnen herum befinden sich die Einkaufsstraßen der Innenstadt, wenngleich die Adalbertstraße und die umliegenden Einkaufsstraßen immer mehr von Leerstand geprägt sind. In der Elisengalerie kann man in einem Restaurant einkehren oder bei „Aachen unverpackt“, wie der Name verrät, Lebensmittel ohne Verpackung kaufen. Hinter dem Elisenbrunnen befindet man sich sofort im Herzen der Aachener Altstadt und blickt auf den Aachener Dom. Der Elisengarten, im 19. Jahrhundert für Aachens Bürger eröffnet und 2009 erneuert, bietet hier auf einer Wiese etwas Platz zum Verweilen und Entspannen mitten in der Innenstadt. Jetzt, wo der Frühling kommt und die Sonne sich mal wieder in Aachen blicken lässt, füllt sich dieser Platz mit Touristen, Studierenden, Schülern oder Familien. Auf den flachen Stufen der Wiese lässt es sich angenehm sitzen und ein Eis der umliegenden Eisdielen genießen, immer wieder spielen Kinder an heißen Tagen im Wasser hinter dem Elisenbrunnen oder an dem kleinen Springbrunnen. Historisch Interessierte können hier Aachens Stadtgeschichte anhand von offengelegten Ausgrabungen begutachten und herausfinden, auf wann sich die ältesten Ausgrabungen hier datieren lassen.
Direkt am Elisengarten liegt außerdem die Mayersche Buchhandlung, 1817 in Aachen gegründet von Jacob Anton Mayer. Nach langer Tradition wurde die Buchhandlung 2019 Teil des deutschen Büchergiganten Thalia. Trotzdem wird weiterhin Wert darauf gelegt, dass die Mayersche nicht nur ein Ort zum Bücherkaufen ist, sondern zum Verweilen und Schmökern einlädt, dabei rücken Familien auch immer mehr in den Fokus. Auf vier Etagen erstreckt sich die Bücher- und seit einigen Jahren auch die Spielewelt im Haus in der Buchkremerstraße 1-7. Der große Spielwarenladen von nebenan, Teddy und Co., ist 2014 auf die erste Etage in der Mayerschen gezogen, damit ist der Spielwarenbereich deutlich abgespeckt, die Rutsche, mit der man bei Teddy & Co. über mehrere Etagen rutschen konnte, gibt es leider auch nicht mehr. Dort ist jetzt ein Karnevalsgeschäft eingezogen. Dass bei der Mayerschen Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt steht, merkt man bei einem Besuch der Buchhandlung sofort. Auf jeder Etage gibt es ein eigenes Café oder Restaurant, von traditioneller Hausmannskost bis zum hippen Studentensnack soll hier für jeden etwas dabei sein. Auf der ersten Etage befindet sich das liebevoll gestaltete Kindercafé. In einem kleinen Spielhäuschen im skandinavischen Stil treiben sich die Kinder herum. Mittwochs nachmittags finden hier Vorlesestunden auf einer kleinen Bühne statt, wer will, kann sogar seinen Geburtstag hier feiern. Einen Artikel zum neuen Café in der Mayerschen findet sich hier: Link zum Kindercafé der Mayerschen. Neben den Cafés hat die Mayersche an vielen Stellen gemütliche Sitzgelegenheiten eingerichtet. So kann man in den oberen Etagen vor dem Fenster in Kinosesseln in einem Buch blättern und dabei auf den Elisengarten oder den Dom blicken. So lässt sich ein regnerischer Tag in Aachens Innenstadt angenehm mit einem guten Buch verbringen. Sollte die Sonne scheinen und es warm genug sein, kann man sogar im dritten Stockwerk auf der Literaturterrasse Platz nehmen und draußen ein Buch genießen.

Eine Zwischen-Mahl-Zeit, wo früher noch ein Parkhaus am Büchel war?
Wer Bücher lieber leiht, statt sie zu kaufen, wird hinter dem Bushof in Aachens Stadtbibliothek fündig. Auch hier lässt es sich angenehm aufhalten, es gibt sogar einen Bereich für Jugendliche mit Playstation und Sitzsäcken. Neben Büchern können Filme, CDs oder eben auch (Playstation-)Spiele ausgeliehen werden. Im Erdgeschoss befindet sich eine große Abteilung für Kinder und Familien. Den Weg zwischen Stadtbibliothek und Büchel kann man bald über eine neue Wieso abkürzen. Nachdem hier das marode Parkhaus abgerissen wurde, hat man sich für eine Wiese als Zwischenlösung, genannt „ZwischenZeit am Büchel“, entschieden. Bis 2027 soll hier die Wiese als Übergang den Menschen in der Stadt etwas mehr Grünfläche und Platz zum Aufenthalt bieten. Die städtische Entwicklungsgesellschaft SEGA hat die Fläche zu diesem Zweck freigegeben. Unter dem Titel „Zwischen-Mahl-Zeit“ findet auf dem neuen Platz zweiwöchentlich freitags ein Foodmarkt statt, dort verkaufen lokale Gastronomen am Nachmittag vorwiegend vegetarische Speisen zu fairen Preisen. Der Platz bietet zudem eine Bühne, die vielfältig genutzt werden soll. Mehr zum Büchel und zur ZwischenZeit online unter zzab.de und zwischen-mahl-zeit.de.

Am Büchel befindet man sich mitten in Aachens historischem Stadtkern, hier sind immer viele Touristen unterwegs. Die Kaiserstadt zählte vor Corona 2019 550.000 Gäste, die mindestens eine Nacht in der Stadt verbrachten, davon 176.000 internationale Gäste. 2022 hat sich die Situation noch nicht ganz wieder eingependelt, insgesamt waren es im letzten Jahr 440.000 Gäste. Viele Besucher kommen natürlich auch für Tagesbesuche, beispielsweise um den Dom und die historische Altstadt zu besichtigen. Andere kommen wegen des beliebten Weihnachtsmarkts und der winterlichen Atmosphäre, die der Stadtkern in der kalten Jahreszeit ausstrahlt. Im Frühling sieht man fast immer Touristen vor dem Dom, die die blühenden Magnolien und den Dom im Hintergrund fotografieren. Der Katschhof ist bei gutem Wetter abends oft gut besucht von jungen Leuten, die auf den Stufen hinter dem Rathaus sitzen und auf den Dom blicken. Der große Hof bietet für Familien Platz zum Spielen, in den Sommerferien ist hier seit einigen Jahren regelmäßig der große Archimedische Sandkasten aufgebaut. In dem Sandkasten mitten auf dem Katschhof tummeln sich dann haufenweise Kinder, die Eltern können in Liegestühlen am Rand sitzen. Sonnenschirme bieten Schatten, da es im Sommer sehr heiß auf dem Katschhof wird. Der Sandkasten wird in diesem Jahr vom 1. Juli bis zum 6. August auf dem Katschhof stehen.

Ansonsten sind Spielmöglichkeiten und Sandkästen auf den ersten Blick in der Innenstadt eher rar gesät, ein paar kleine Spielplätze, teils versteckt, gibt es aber. Gleich in der Nähe des Doms führt im unteren Teil der Jakobstraße, kurz vor dem Wehrhaften Schmied, ein kleiner, unscheinbarer Durchgang zum Spielplatz Judengasse. Ein kleiner Platz, ein vor Regen schützendes Dach, eine Schaukel, eine Rutsche und ein kleiner Sandkasten sollen hier zum Spielen einladen. Der Spielplatz an sich ist gut in Schuss, die Graffitis an den Wänden deuten jedoch darauf hin, dass er mehr als Rückzugsort für Jugendliche als bei Familien beliebt ist. Die Betonfläche lädt zum Ballspielen ein, dies ist aber leider auf diesem Platz nicht gestattet.
Überschaubare Anzahl an attraktiven Spielplätzen
Am Lindenplatz, nur eine Straße weiter, befindet sich ein weiterer kleiner Spielplatz, der noch eine Baustelle war, als wir den Beitrag für’s Heft geschrieben haben und der inzwischen eröffnet wurde. Hier können die Kinder ein bisschen am Johannisbach spielen. Die Bürgerbeteiligung rund um das Innenstadtkonzept hatte ergeben, dass den Aachener Bürgern eine Offenlegung der Aachener Bäche in der Innenstadt wichtig sei, um diese an die Oberfläche und somit ins Bewusstsein zurückzuholen.
Wir waren bei der Spielplatzeröffnung dabei: Link.

Zwischen Löhergraben, Annastraße und Bendelstraße findet man in einem Innenhof noch eine Schaukel, eingebettet in Sand. Die Stufen mit Wasserlauf laden dennoch ein, hier etwas Zeit zu verbringen. Die Innenhöfe sind ruhig und schaffen eine angenehme Atmosphäre, bei der man glatt vergessen könnte, sich gerade in der Innenstadt aufzuhalten. Zudem gibt es noch einen kleinen Spielplatz zwischen Elisengalerie und Aquis Plaza, den Spielplatz Wespienstraße. Auch hier nur eine Schaukel, eine alte Wippe und ziemlich viel Graffiti. Dieser „Spielplatz“ wirkt ziemlich heruntergekommen und wenig einladend. Insgesamt ist die Spielplatzsituation in der Aachener Innenstadt überschaubar, eine Schaukel, Rutsche und Sandkasten lassen sich finden, mehr aber auch nicht unbedingt. Wer mit einem Ball spielen möchte, hat es in der Innenstadt eher schwer, dafür muss dann der Weg zu einem der umliegenden Parks angetreten werden.
Einem Ausflug ins Grüne soll nichts im Weg stehen
Doch auch wenn es direkt in der Altstadt keinen gibt, ist es nicht weit bis zum nächsten Park, und die Auswahl ist recht groß. Unter dem Titel „Premiumwege – 10 Wege ins Aachener Grün“ ist die Stadt im Moment außerdem dabei, zehn Strecken auszubauen, auf denen fußläufig Aachener Grünflächen wie der Westpark, das Johannisbachtal, der Hangeweiher oder der Lousberg angenehm erreicht werden können. Die Fußwege dahin sollen genügend Platz bieten, zu den Parks und in die Natur zu schlendern, außerdem sollen Bäume genügend Schatten spenden und gefährliche Kreuzungen sicherer gemacht werden. Die Wege ins Grün sollen außerdem an weiterführende Wandernetze der Region angeschlossen sein, sodass auch einer größeren Wanderung, ausgehend von der Stadt, nichts im Wege steht. Der Ausbau der Wege läuft im Moment noch und wird sich auch noch einige Jahre hinziehen, an einigen Ecken sieht man jedoch schon Fortschritte. Der Fußweg zum Stadtpark dauert aus der Innenstadt nur wenige Minuten, dort kann man auf einer der großen Wiesen spielen, die Sonne genießen, den Spielplatz an der Monheimsallee nutzen oder auf dem Fußball- und Basketballplatz aus Schotter spielen. Außerdem gibt es Tischtennisplatten, einen Ententeich, einen kleinen Grillplatz und sogar eine (wenn auch kleine) Minigolfanlage – diese wird gerade saniert. Auch wenn es in der Innenstadt keine großen Grünflächen gibt, die zehn Wege ins Grün zeigen: Wer ins Grüne will, hat ausreichend Optionen, die auch schnell zu erreichen sind. Auf dem Lousberg kann man den Tag gut ausklingen lassen und nach dem steilen Anstieg die Aussicht über die Stadt und in den Wald genießen, im Westpark grillen oder am Hangeweiher das Freibad besuchen.
Sollte das Wetter mal nicht so gut oder der Weg in einen der Parks zu weit sein, gibt es in der Innenstadt trotzdem einiges zu tun. Beispielsweise ist ein Schwimmausflug in die Elisabethhalle, eine Schwimmhalle im Jugendstil direkt in der Innenstadt, oder ein Kinobesuch im Cineplex neben dem Theater möglich. Oder man stattet einem der Museen einen Besuch ab, die Innenstadt hat hier einiges zu bieten: das Centre Charlemagne, das Internationale Zeitungsmuseum, die Domschatzkammer, das Couven-Museum.

Natürlich lässt sich in der Innenstadt eher schwer das klassische Einfamilienhaus mit Garten finden, hier wohnt man in Wohnungen. Der Wohnungsmarkt ist recht angespannt, die Nachfrage ist aufgrund der vielen Studierenden hoch. Die Mietpreise sind wie in vielen Innenstädten ebenfalls hoch. Am Stadtrand lässt es sich zweifelsfrei günstiger wohnen. Der Anteil an jungen Erwachsenen (18-29 Jahre) ist nirgendwo in der Stadt so hoch wie hier, nicht verwunderlich, erstreckt sich doch hier, vor allem ab Pontviertel und Templergraben, die RWTH mit ihrem Campus bis zum Uniklinikum. Der innenstädtische Trubel ist nicht für jede Familie etwas, dennoch gibt es hier auch einige familienfreundliche Orte, an denen sich in Ruhe Zeit verbringen lässt.
Und die öffentlichen Verkehrsmittel, mit denen man schnell überall hinkommt, sind vor der Tür und führen in alle Richtungen. Einen weiten Schulweg muss in der Innenstadt fast niemand antreten. Grundschulen in der Innenstadt sind die städtische evangelische Annaschule, die Schule am Fischmarkt und die Domsingschule, eine ehemalige Jungenschule, in der seit 2008 Jungen und Mädchen parallel und seit letztem Jahr auch gemeinsam lernen. Das Kaiser-Karls-Gymnasium, das Sankt-Leonhard-Gymnasium, das Sankt-Ursula-Gymnasium und die 4. Aachener Gesamtschule sind für die weiterführende Bildung in der Stadt zuständig. Insgesamt zeigt sich: Auch wenn die Innenstadt studentisch und von Tourismus geprägt ist, hat sie auch so einiges für Familien zu bieten.
Hinterlasse einen Kommentar