Zwischen Spielzeug und Espressotassen: Ein Blick ins Müttercafé Aachen

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Müttercafé – der Name scheint selbsterklärend zu sein. Ein Ort, an dem Mütter zusammenkommen und Kaffee trinken. Fertig! Doch das Müttercafé des Kinderschutzbundes Aachen ist sehr viel mehr als nur ein Ort, an dem werdende Mütter und Frauen mit kleinen Kindern auf ein kostenloses Heißgetränk vorbeikommen und sich austauschen können. Es bietet einen Schutzraum und eine multikulturelle Begegnungsstätte, die Frauen mit den verschiedensten Anliegen aufsuchen können.

Das Konzept „Müttercafé“

Warum eigentlich „Müttercafé“ und nicht „Mütter-und-Väter-Café“? Der Fokus des Cafés liegt so klar auf Frauen, weil die Besucherinnen in den Räumlichkeiten das Gefühl haben sollen, frei und offen über alles sprechen können, was ihnen auf der Seele liegt. Da es vielen Frauen schwerfällt, schambehaftete Themen wie zum Beispiel Sexualität anzusprechen, insbesondere in Anwesenheit von Männern, richtet sich das Café explizit an Frauen. Aus diesem Grund sollte sich auch niemand, der dem Café einen Besuch abstatten möchte, davon abhalten lassen, dass man an der Tür klingeln muss. So soll verhindert werden, dass jemand unvermittelt hereinplatzt.

Als neue Besucherin des Müttercafés kann man damit rechnen, zunächst ein Getränk und dann eine kleine Führung durch die Räumlichkeiten zu erhalten. Darum, dass man keinen Anschluss findet, muss man sich keine Gedanken machen. Die Mitarbeiterinnen machen Neuankömmlinge mit anderen Besucherinnen bekannt und binden jede offen und freundlich in die Gespräche ein. Das vierköpfige Team unter der Leitung der Sozialpädagogin Rebecca Braun arbeitet in seiner derzeitigen Konstellation bereits seit zwölf Jahren zusammen und stellt eine beständige Konstante des Vertrauens für die Besucherinnen dar. Abgesehen von Frau Braun setzt sich das Team aus einer weiteren Sozialpädagogin, einer ehemaligen Arzthelferin und einer Diplom-Pädagogin zusammen. Ergänzt wird es durch Studentinnen, die Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule Aachen studieren und das Team während ihres Praxissemesters unterstützen.

Warum lohnt sich ein Besuch?

Foto: Maike Wintgens

Bei meinem Besuch im Café ist der lange Tisch in der Mitte des Raums in Erwartung der nach und nach eintreffenden Mütter und Kinder liebevoll gedeckt. In der Spielecke auf dem bunten Krabbelteppich werden bereits fröhlich Fahrzeuge und Kinderwagen durch die Gegend geschoben, während sich über den Köpfen der Kinder eine Stoffschlange durch die zinnenartigen Gebilde einer Trennwand schlängelt. In einer gemütlichen Sofaecke sind die ersten Frauen in einen lockeren Plausch vertieft. Zusätzlich zu diesen Räumlichkeiten umfasst das Müttercafé einen ruhigen Wickel- und Stillraum, einen kleinen Garten und einen Raum mit Spenden, in dem sowohl Kleidung für Mutter und Kind als auch Spielsachen und Bücher zur Verfügung gestellt werden.

Auf die Frage, warum sie herkommen, antworten die meisten ganz klar: Wegen der Kinder! „Es ist super, hierherzukommen, wenn man noch keinen Kitaplatz hat. Man hat selbst etwas Zeit zum Durchatmen, während das Kind mit anderen spielen kann. Zuhause hat mein Sohn es meistens mit Erwachsenen zu tun“, erzählt mir eine Mutter. Direkt als zweiten Grund sagen die meisten: „Um Freundschaften und Kontakte zu knüpfen!“ Abgesehen davon, dass das Müttercafé einen Ort darstellt, den Mütter mit ihren Kindern gemeinsam besuchen können, bietet das Café viele weitere Unterstützungsmöglichkeiten. Zum Beispiel werden von den Mitarbeiterinnen immer wieder Anregungen für die Freizeitgestaltung eingebracht und wie man die Kinder mit einfachen Mitteln wie Haushaltsgegenständen beschäftigen kann. Einmal im Monat findet für regelmäßige Besucherinnen ein gemeinsames Frühstück statt, zu dem auch ich eingeladen war. Während die Mütter normalerweise jeweils selbst für ihre Verpflegung sorgen, bringt an solchen Tagen jede etwas für alle mit. Auf diese Weise füllt sich der Tisch nach und nach mit Brot, hartgekochten Eiern, Süßspeisen, Tellern voller Gemüse und sogar Sushi, bevor fröhlich losgeschlemmt wird.

Angebote des Müttercafés

Oft werden an Freitagen kostenlose Kurse und Vorträge zu Themen wie Gesundheit, Kinderentwicklung und Erziehung angeboten, die sich an den aktuellen Bedürfnissen der Mütter orientieren. Daher gibt es beispielsweise auch Vorträge zu Familienplanung oder Verhütung. Welche Kurse anstehen, erfährt man nur im Müttercafé selbst, da das Team darauf setzt, seine Besucherinnen langfristig auf ihrem Weg zu begleiten. Sich an den Bedürfnissen, Fragen und Anliegen der Mütter zu orientieren, steht an erster Stelle.

Eine Frage, mit der sich das Team häufig konfrontiert sieht: Wie finde ich einen Kitaplatz? Die Anmeldung über das Kita-Portal stellt für viele eine Herausforderung dar, weshalb die Mitarbeiterinnen sich oft gemeinsam mit den Frauen an die Bewerbungen setzen. Auch dabei, Anträge auf staatliche Leistungen zu stellen, unterstützt das Müttercafé oft – ebenso wie beim Verstehen der bürokratisch formulierten Anträge. Was für deutsche Muttersprachler oft schon ein Hindernis bedeutet, gleicht für viele Nichtmuttersprachler einer unüberwindbaren Hürde. Auch Einzelgespräche können jederzeit mit den Mitarbeiterinnen vereinbart werden. In einem gemütlichen Raum etwas abseits vom Trubel des Cafés oder auch außerhalb der Öffnungszeiten können Frauen ihre Probleme offen ansprechen – egal welcher Art.

Durch die Nähe zum Kinderschutzbund kann das Team auf umfangreiche Ressourcen für unterschiedlichste Anliegen zurückgreifen. Egal ob mit dem ersten oder dem vierten Kind, ob aus der Umgebung des Cafés oder von weiter her – hier ist jede Mutter willkommen.

Das Müttercafé Aachen-Ost haben wir übrigens nur exemplarisch herausgepickt. In unserem Kalender findet ihr noch mehr in Aachen und auch in der Umgebung.

Foto: Maike Wintgens

Müttercafé Aachen-Ost

Düppelstraße 25, 52068 Aachen
0241 99799744
MC@kinderschutzbund-aachen.de
kinderschutzbund-aachen.de/muettercafe

Öffnungszeiten
Mo 09:00-13:00 Uhr
Di 10:00-13:00 Uhr
Mi 09:00-13:00 Uhr
Do 09:00-13:00 Uhr
Dienstags und mittwochs können Mütter auch ohne ihre Kinder vorbeikommen.

Der Beitrag ist in KingKalli 128 April/Mai 2025 erschienen.

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