Seit dem letzten Japanbericht gab es wieder viele Erlebnisse, die ich gerne mit euch teilen möchte. Mittlerweile ist hier tiefer Winter mit aktuell circa 60 Zentimetern Schnee und bis zu minus zehn Grad Celsius. Die Chance haben wir auch genutzt und mit den Schülern einen großen Schneemann gebaut, wir sind Schlitten gefahren und haben Schneeballschlachten gemacht. Jahreszeitbedingt verändern sich die alltäglichen Arbeiten. Unsere Tätigkeiten verlagern sich größtenteils ins Haus, das Gemüse ist geerntet und eingelagert. Kurz vor Wintereinbruch konnte auch noch der Rohbau des neuen Gästehauses abgeschlossen werden. Mitte Dezember waren Gäste bei uns zu Besuch. Zu diesem Anlass haben wir unter anderem auch traditionelles Mochi zubereitet.
Mochi ist eine Speise aus Klebreis, die eine jahrhundertealte Tradition hat. Wir haben Mochi aufwendig in Handarbeit hergestellt, dabei wird der Reis mit einem Holzhammer geschlagen und von Hand zu kleinen Talern geformt.
Außerdem haben wir selbst Brot gebacken und zusammen gekocht. Dabei wurde auch Honig der eigenen Bienen geerntet.
An Weihnachten wurde Heiligabend als Filmabend mit Popcorn gestaltet. Am ersten Weihnachtstag gab es ein großartiges Buffet, gemeinsame Spiele, bei denen man kleine Geschenke gewonnen hat, Weihnachtsmusik und auch einen geschmückten Weihnachtsbaum.
Am 28. war es endlich so weit: Ich hatte eine Woche Urlaub und konnte mit meinem deutschen Mitfreiwilligen Mateo die Zeit in Tokio verbringen. Wir wollten uns mit mehreren Freiwilligen treffen und gemeinsam den Jahreswechsel verbringen. Die Distanz von meiner Einsatzstelle bis zum Zielort betrug mehr als 900 Kilometer, die wir per Bus und Shinkansenschnellzug überbrückt haben.
Pokémon-Videospiel gegen Sprachbarriere
Ein Mitfreiwilliger konnte private Unterkünfte organisieren. Auf diese Weise mussten wir zwar öfter den Übernachtungsplatz wechseln, konnten aber so japanischen Lebensstil hautnah erleben. Besonders spannend fand ich unsere Übernachtung bei einer Familie (zwei Kinder, 7 und 12 Jahre). Die Kinder und der Vater waren sehr musikalisch, der Siebenjährige spielte schon echt gut Schlagzeug und der Zwölfjährige spielte bereits fortgeschritten Klavier, der Vater war Gitarrist. Eine besondere Herausforderung war es, dass keine Verständigung auf Englisch möglich war. Zwar konnte ich mich ein wenig mit der Familie auf Japanisch unterhalten, doch fand ich mit dem gemeinsamen Spaß am Pokémon-Videospiel eine weitere Möglichkeit, mich über die Sprachbarriere hinweg mit der Familie zu verstehen.
Die letzte Unterkunft war bei einer Kindergartenkollegin eines Freiwilligen aus Tokio. Wir trafen sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Tochter, die in unserem Alter war. Auch mit ihnen hatten wir eine gute Zeit, ein besonderes Highlight war dabei die Möglichkeit, mit ihnen an einer traditionellen Teezeremonie teilzunehmen. Besonders beeindruckt haben mich die ritualisierten Abläufe und die ruhige Atmosphäre der zweistündigen Zeremonie.
Mit den anderen Freiwilligen unternahmen wir Ausflüge zu verschiedenen Tempeln und Parks, besuchten bekannte Stadtviertel und verbrachten Silvester zusammen. Dabei nutzten wir außerdem die Chance, in eine Karaokebar zu gehen, eine bei Japanern sehr beliebte Freizeitaktivität.
Als Kontrast zum Alltag in meiner eher abgelegenen Einsatzstelle waren die Tage ein beeindruckendes Erlebnis mit vielen neuen und besonderen Eindrücken.
Bis zum nächsten Mal!
Jean Marck Omari
Der Text ist in KingKalli 127 (Febraur/März 2025) erschienen.
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