Die Gestaltung der eigenen Wohnsituation ist für jeden Menschen ein Thema. Ganz nach dem Tenor des Werbeslogans vom bekanntesten schwedischen Möbelhaus geht mit einer Wohnform auch eine Entscheidung für ein Lebensmodell einher. Verbunden damit sind wiederum Fragen, die politisch, soziologisch, ökonomisch und ökologisch aufgeladen sind.
Wie wohnt man, wenn man älter wird? Wie wohnt man angesichts ökologischer Herausforderungen? Vielleicht in einer Selbstversorgungsgemeinschaft abseits des Konsums? Oder wie wohnt man angesichts mangelnden Wohnraums und teurer Mieten? Wie wäre es mit einem Hausboot? Oder ganz minimalistisch mit einem Tiny House?
Sicherer Job, eine Familie gründen, eine Wohnung oder ein Haus mieten oder kaufen – dieses traditionelle Modell ist nicht für jeden etwas. Die Dokumentation „Die Konsum-Aussteiger: Mit Kindern im Mini-Haus“ hat drei Jahre lang zwei junge Paare begleitet, die aus dem „Rädchen von Arbeit, Erschöpfung und Konsum“ rauskommen wollten. Katharina und Kolja ziehen zusammen mit ihrer kleinen Tochter Klara in ein selbstgebautes Tiny House, das sie sich von ihrem Ersparten finanziert haben. Ihr Ziel: raus aus dem Hamsterrad, nicht nur arbeiten, um die Miete zu bezahlen, sondern viel Zeit mit der Familie verbringen und flexibel leben – mit so wenig Geld wie möglich. Alina und Flo verfolgen eine ähnliche Vision, nur ihre Unterkunftswahl ist noch etwas ausgefallener. Sie leben mit ihren Töchtern in einer Jurte, einem großen Zelt samt Ofen und Plumpsklo. Damit finden sie an verschiedenen Orten immer neue Heimaten und wollen gemeinsam als Familie Abenteuer erleben. Natürlich ergeben sich auch Hürden und die Familien müssen ihre Ideale und Vorstellungen immer wieder prüfen und mit der Realität abgleichen.

Ein alternatives Lebensmodell abseits des Konsums leben Benjamin und Jasmine auf einem drei Hektar großen Grundstück in Cronat, zweieinhalb Stunden von Lyon entfernt, vor. Hier wollen sie einen Ort schaffen, in dem man nicht mehr an Geld denken muss, in dem stattdessen eine Kultur des Schenkens ohne Zwang der Rückgabe herrscht. In der arte-Dokumentation „Re: Leben ohne Konsum“ wird gezeigt, wie das Paar gemeinsam mit weiteren Freunden das verfügbare Land als ökonomisches und ökologisches Experimentierfeld namens Eotopia nutzen, um so ein Beispiel für ein nachhaltiges Selbstversorgungszusammenleben in Frankreich zu schaffen. Im Dialog mit dem Bürgermeister von Cronat und im Austausch mit den weiteren Anwohnern zeigt sich, dass die Bewohner von Eotopia keine weltfremden Weltverbesserer sind, sie sind pragmatische Idealisten. Sie leben in dem kapitalistischen System, das sie kritisieren, nutzen aber zum Beispiel die Krankenversicherung für ihre kleine Tochter oder kaufen im lokalen Supermarkt Bio-Lebensmittel ein, um die Selbstversorgung zu ergänzen. Veränderung funktioniere nur im Dialog mit der Gesellschaft, so Benjamin. Losgelöst in der eigenen kleinen Blase ohne Geld zu leben, bringe langfristig keinen Wandel. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch Lisa Pfleger, die in Selbstversorgung im Burgenland, Österreich, lebt und sich dort ein Stück Land von ihrem Ersparten gekauft hat. Dies müsse nicht für jeden die Lösung sein, so Lisa, aber Menschen, die sich für ihren Lebensstil interessieren, können bis zu 6 Monate lang mit ihr zusammenleben und es austesten. Auf ihrem Blog „Experiment Selbstversorgung“ hält sie alle Erfahrungen fest.

Eine wohl in Deutschland einzigartige Gemeinschaft wird in der Nordstory „Ein Dorf voller Zirkuswagen“ porträtiert. Der kleine Ort Bokel in Schleswig-Holstein beherbergt 560 Menschen und 50 Zirkuswagen. Vor über 30 Jahren haben sich in dem Ort Hippies niedergelassen, die Zirkuswagen renoviert und wohnfertig gemacht haben. Der Bildhauer Thomas Jaspert, der damals noch Biologiestudent war, legte den Grundstein für das erste Zirkuswagendorf und zog damit weitere Alternative und Künstler in den Norden. Inzwischen kann man in Bokel auch als Feriengast in den Zirkuswagen übernachten und so einen außergewöhnlichen Urlaub in der Natur verbringen. In dem Ort werden die Welten des Landlebens und der Kunst vereint. Waren die alteingesessenen Bewohner anfangs skeptisch gegenüber den alternativen Künstlern, hat sich das gemeinsame Dorfleben harmonisch entwickelt. Die Zirkuswagen stehen legal an ihren Standorten und die Anwohner zahlen für drei Zirkuswagen die Grundsteuer, die sie auch für ein Einfamilienhaus zahlen würden. Auch Themen wie Umweltschutz werden durch die Zirkuswagenbewohner verstärkt auf die Tagesordnung der Gemeinde gesetzt.

In größeren Städten stellen sich ganz andere Herausforderungen als auf dem Land: mangelnder Wohnraum und steigende Mietpreise fordern alternative Wohnideen. Warum also nicht dort, wo es möglich ist, aufs Wasser ausweichen? Hausboote liegen seit geraumer Zeit voll im Trend und vereinen Wohnen und konstantes Urlaubsgefühl. Doch wie lebt es sich auf einem Hausboot? Was fasziniert die Menschen daran, auf dem Wasser zu leben? Barbara Hahlweg begleitet in der Dokumentation „Alles im Fluss – Leben auf dem Hausboot“ zunächst eine Familie bei ihren Hausbootferien auf der Müritz, wo in der Hauptsaison bis zu 400 Boote unterwegs sind. Dann begibt sie sich nach Amsterdam und London, zwei Metropolen, in denen Hausbootsiedlungen längst zum normalen Stadtbild gehören.
In der WDR-Dokumentation „Einsam im Alter: Wie wollen wir leben? Das Experiment“ geht es um den letzten Abschnitt im Leben und wie man ihn verbringen möchte. Eine Familie macht den Test. Im Alterssimulationsanzug testen sie verschiedene Wohnformen aus – vom Mehrgenerationenhaus bis hin zum Seniorenheim im Ausland.
Dokumentationen:
Die Konsum-Aussteiger: Mit Kindern im Mini-Haus (WDR 2019)
Re: Leben ohne Konsum (ARTE 2017)
https://www.youtube.com/watch?v=9ssw6q4aVkg
Die Nordstory: Ein Dorf voller Zirkuswagen (NDR 2019)
Alles im Fluss – Leben auf dem Hausboot (ZDF 2016)
https://www.youtube.com/watch?v=ptg6iidJLEw
Einsam im Alter: Wie wollen wir leben? Das Experiment (WDR 2019)
https://www.youtube.com/watch?v=gtwQ2xC2bZ4
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