Waldmeisters Naturkolumne: Wer war das? Wo kommen die vielen Nussbäume in meinem Garten her?

Gar nicht mehr lange bis Weihnachten, schon wieder geht ein Jahr zu Ende. Während ich das hier schreibe, haben wir noch den „goldenen“ Herbst, oft Sonnenschein, Herbstlaub mit unglaublich vielen Farben, Unmengen von Früchten. Ich habe noch nie so viel Apfelkuchen gebacken, so viel Kompott gekocht wie in diesem Jahr. Alle Gartenbesitzer wissen, was ich meine. Jeden Tag staune ich über die Fülle, die uns der Sommer und der Herbst geschenkt haben.

Und jedes Jahr das Gleiche. Ich muss wieder ganz vielen Kindern erklären, und die müssen es mir glauben, nein, ich halte auch im kommenden Winter keinen Winterschlaf. Zumindest habe ich das nicht geplant, mein Waldmeister-Dasein geht weiter, vielleicht ein wenig auf Sparflamme. Ich habe hier schon oft beschrieben, wie schön es in der Natur auch im Herbst und im Winter sein kann, auch dann gibt es viel zu entdecken.
In unserem Garten gibt es um diese Jahreszeit viel zu tun. Im Hochbeet ist immer noch viel zu ernten: Salat, Kräuter, Rosenkohl. Aufgeräumt werden muss auch noch so einiges, haufenweise Blätter, noch einmal Rasen mähen, Blumenzwiebeln in die Erde. Ich freue mich schon jetzt auf all die Tulpen, Krokusse und Narzissen im Frühling.

Manchmal wundere ich mich bei all der Arbeit sehr. An vielen Stellen im Garten wachsen kleine Bäume. Obwohl ich doch gar keine gepflanzt habe. Wenn ich sie dann ausgrabe, sehe ich genau, um welche Bäumchen es sich handelt. Walnussbäume und Triebe von Haselnusssträuchern. Ganz schön viele. Wo kommen die denn her? Wir haben in unserem Garten doch gar keine Nussbäume. Heruntergefallen und dann gekeimt, das kann nicht sein.
Doch das Rätsel ist schnell gelöst. Wir freuen uns nicht nur alleine über unseren Garten. Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir ganz viele Mitbewohner. Ganz oft kommt ein Tier vorbei, das ihr alle kennt. Rotbraunes Fell, buschiger Schwanz, puschelige Ohren. Klettern kann dieses Tier, da können wir Menschen ziemlich neidisch werden. Richtig geraten, es ist Sciurus vulgaris, wenn es lateinisch klingen soll, Eichhörnchen oder Rothörnchen auf Deutsch.

Wenn ich mit Kindern im Wald unterwegs bin und frage, was das denn für ein Tier ist, dann kommt oft die Antwort „Einhörnchen“. Auch schön, aber das sind wieder andere Tiere, die Kinder erstaunlich oft sehen und hören können.
Eichhörnchen sind Nagetiere, die eigentlich in Wäldern leben, aber oft auch die Nähe von uns Menschen suchen. Der buschige Schwanz ist fast so lang wie der Körper, der eine Größe von 20 bis 25 Zentimetern erreichen kann. Die 300 bis 500 Gramm schweren Eichhörnchen sind auf dem Bauch und auf der Brust weiß. Der Rücken ist meist mit rotem Fell bedeckt; das Fell kann aber auch alle anderen Farben von Schwarz bis Hellgelb haben. Von ein paar Inseln im Mittelmeer abgesehen, gibt es Eichhörnchen in jeder bewaldeten Region Europas und Asiens.
Das Leben der Eichhörnchen spielt sich meist hoch oben in den Bäumen ab: Dort klettern und turnen sie blitzschnell über die Äste. Der Schwanz dient dabei als Balancierstange und bei ihren waghalsigen Sprüngen von Baum zu Baum als Steuer. Läuft ein Eichhörnchen auf dem Boden, ist es besonders vorsichtig: Es richtet sich immer wieder auf und hält aufmerksam nach Gefahren Ausschau.

Eichhörnchen sind tagaktiv. Morgens verlassen sie ihre Schlafnester und machen sich auf Nahrungssuche. Am Abend kehren sie in ihre Nester, die man auch Kobel nennt, zurück. Dort verkriechen sie sich auch gerne für ein paar Tage, wenn es draußen zu sehr regnet und stürmt.
Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf. Selbst bei Kälte und Schnee kann man sie manchmal bei der Futtersuche beobachten. Was sie um diese Jahreszeit machen, nennt man Winterruhe. Sie schlafen ganz viel, bei großer Kälte schlafen manchmal mehrere Eichhörnchen zusammen in einem Nest – eng aneinandergekuschelt und warm zugedeckt mit ihren buschigen Schwänzen.
Für magere Zeiten legen die Eichhörnchen mehrere Vorratslager mit Nahrung an. Dazu vergraben oder verstecken sie hauptsächlich Nüsse und Eicheln. Bevorzugte Plätze sind Baumhöhlen, Astgabeln und Erdlöcher an Baumwurzeln. Die Eichhörnchen merken sich die Verstecke aber nicht. Wenn sie Hunger haben und keine Nahrung finden, suchen sie, bis sie eine Vorratskammer entdecken. Auf diese Weise tragen Eichhörnchen dazu bei, dass die Samen von Bäumen und Sträuchern an viele neue Plätze gebracht werden: Werden sie vom Eichhörnchen nicht gefressen, können sie hier im nächsten Frühjahr keimen und zu einem neuen Baum heranwachsen.
Und damit ist auch das Baumrätsel in meinem Garten gelöst, die neuen Bäumchen kommen aus nicht gefundenen Eichhörnchen-Vorratslagern.

Zum Schluss noch ein schönes Spiel zum Thema: Nehmt doch auf euren nächsten Waldspaziergang ein paar Hasel- oder Walnüsse mit. Zu Beginn der Runde suchen alle, die dabei sind, Kinder, Eltern, Freunde ein gutes Nussversteck im Wald. Wenn ihr dann wieder zurückkommt, am Ende der Waldexpedition, versucht mal, die Nüsse wiederzufinden. Das ist gar nicht so einfach. Bitte nicht traurig sein, solltet ihr die Nüsse nicht wiederfinden, vielleicht habt ihr so einen oder mehrere Bäume gepflanzt.
Das war’s für heute, ich wünsche euch einen schönen Jahresausklang, kommt gut ins neue Jahr, dann lest ihr wieder von mir.

Liebe Grüße vom Waldmeister Michael Zobel

Der Beitrag ist zuerst in KingKalli Dezember 2025 / Januar 2026 erschienen. Am besten ihr holt euch immer direkt die ganze Ausgabe :)

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2 responses to “Waldmeisters Naturkolumne: Wer war das? Wo kommen die vielen Nussbäume in meinem Garten her?

  1. Hallo Michael,
    dir Danke zu sagen ist mir ein besonderes Anliegen.
    Ich wünsche dir, deiner Familie und Partnerin geruhsame und angenehme Feiertage.
    Der Winter scheint noch nicht zu kommen. Uns bringt es schöne , oft sonnige Tage, die ich sehr gerne auf meinem EBike genieße, da ich nicht mehr gut zu Fuß bin.
    Herzliche Grüße

    Bernd Hillebrecht
    bernd.hillebrecht@outlook.de

  2. Ganz wunder-voller Artikel Zobelosi!
    Hoffe auf ein baldiges Widersehen mit Mr. Woodruff!
    Liebste Grüße & auf ein positiveres Jahr 2026
    Andreas