Wenn es langsam dunkel wird – unterwegs in der Dämmerung
Sommerzeit, Ferienzeit … Der Familien-Tagesablauf ist im Ferienmodus. Heute vielleicht mal nicht so früh ins Bett, stattdessen eine Wanderung, ein Spaziergang nach dem Abendbrot? Es dämmert, bald wird es dunkel in der Natur. Jetzt noch raus in den Wald? Tiere beobachten? Die schlafen doch jetzt. Und wir sehen und hören gar nichts. Oder vielleicht doch?
Lasst es uns ausprobieren. Rucksack gepackt, eine passende Strecke ausgesucht, Taschenlampe, etwas zu essen und zu trinken, dem Wetter angepasste Kleidung angezogen, auf geht’s. Mir fallen gleich mehrere Strecken ein, die für eine solche Dämmerungswanderung gut geeignet sind. Oft bin ich zum Beispiel am Grenzübergang Köpfchen unterwegs, im Wald beiderseits der Grenze, an den Zyklopensteinen. Oder im Klauser Wäldchen bei Kornelimünster. Besonders gut geeignet zum Fledermausbeobachten ist auch der Kaiser-Friedrich-Park, die meisten kennen ihn als Hangeweiher-Park. Dort kann man oft Fledermäuse über dem Wasser sehen.
Schon mal was von der Nachteule gehört? So nennt man manchmal Menschen, die lange wach bleiben. Die Eulen gehören zu den nachtaktiven Tieren. Wenn wir normalerweise schlafen und nicht mehr im Wald unterwegs sind, dann werden diese Tiere wach und gehen auf die Jagd. Die häufigsten heimischen nachtaktiven Tiere sind Eulen, Nachtfalter, Fledermäuse, Füchse, Igel, Waschbären und der Dachs.
Wo auch immer, wir begleiten den Wald und die Natur in die Nacht. Langsam gewöhnen sich unsere Sinne an die Dunkelheit. Besonders spannend ist es, wenn wir die mitgebrachte Taschenlampe so lange wie möglich ausgeschaltet lassen. Wir sehen immer noch erstaunlich viel, meist ist noch ein wenig Licht da. Sogar im Wald spenden Mond oder Sterne ein bisschen Helligkeit. Die Nacht hat im Wald viele Gesichter. Sie ist dunkel, ein bisschen gruselig. Doch sie ist auch wunderschön, intensiv duftend und voller leiser Geräusche.
Nachts im Wald raschelt, schnauft und piepst es im Unterholz. Wenn der Igel einen Käfer oder Regenwurm gefunden hat, dann schmatzt und knackt es. Die Belllaute von Rehwild sind eines der stärksten und furchterregendsten Geräusche im Wald. Es wird sehr weit getragen und ist oft zu hören. Huhuuu, das kann nur eine Eule gewesen sein, vielleicht der Waldkauz? Zehn Arten von Eulen gibt es bei uns, der Uhu, die Waldohreule und die Schleiereule sind sicherlich die bekanntesten.
Da flattert plötzlich etwas am Waldrand
Auch im Schein der Straßenlaterne. Oder über der Wasseroberfläche an der Inde oder am Hangeweiher. Ein Vogel? Aber um diese Zeit? Nein, es sind Fledermäuse auf der Jagd. Fledermäuse können hervorragend fliegen und sind zu erstaunlichen Flugmanövern in der Lage. Die heimliche Lebensweise, Fledermäuse fliegen ja erst nach Sonnenuntergang auf die Beutejagd aus, ihr lautloser Flug und ihr lange Zeit unbekannter Orientierungssinn haben die Fledermäuse in den Ruf gebracht, mit dem Teufel im Bunde zu sein. Sie sind faszinierende Tiere, die mit den Ohren sehen, mit den Händen fliegen und mit bis zu 880 Herzschlägen pro Minute durch die Dunkelheit sausen.
Fledermäuse können nicht oder nur sehr schlecht sehen, sie haben eine andere Methode der Orientierung. Sie stoßen ein für die meisten Menschen unhörbares Geräusch aus, empfangen unmittelbar das entsprechende Echo und erfassen so Hindernisse und Beutetiere. Am Tag hängen die Tiere ganz entspannt ab, und zwar kopfüber. Fledermäuse sind für uns Menschen sehr nützlich, denn die europäischen Arten fressen ausschließlich Insekten, darunter Stechmücken, Fliegen und schädliche Käfer, die unsere Bäume bedrohen.
Doch das Leben der Fledermäuse hat seit einiger Zeit eine dunkle Seite: Sie sind vom Aussterben bedroht. Hauptursache für die Gefährdung der heimischen Fledermausarten ist der Verlust von geeigneten Lebensräumen. Alte Baumbestände, die in ihren Höhlen und Ritzen vielfältigen Unterschlupf gewähren, verschwinden zunehmend. Ebenso gehen Ritzen, Fugen und Spalten durch die Modernisierung von Fassaden und Dächern verloren.
Wenn ich auf Führungen danach frage, was Kinder und Erwachsene über Fledermäuse wissen, dann gibt es oft erstaunliche Antworten: Sie fressen sie am liebsten Mäuse, krallen sich in unsere Haare und saugen Blut. Das alles stimmt nicht, niemand muss Angst vor diesen faszinierenden Tieren haben. Übrigens habe ich auf meinen Wanderungen immer eine kleine Fledermaus dabei, selbstverständlich keine echte. Mein Begleiter ist die Plüschfledermaus Flederik.
Viele Menschen glaubten früher an magische Kräfte bei den Fledermäusen und bis heute halten sich vielerlei Gerüchte. Obwohl die meisten Menschen noch nie eine Fledermaus gesehen haben, fürchten oder ekeln sie sich vor ihnen. Die Tiere wurden an Stalltüren genagelt, um böse Geister abzuwehren, und man braute aus ihren Körperteilen merkwürdige Zaubertränke. Sie wurden in flüssiges Blei geworfen, um daraus gefertigte Kugeln treffsicher zu machen. Die Menschen im Mittelalter fürchteten sich vor ihnen und dichteten ihnen Zauberkräfte an. Das hat dazu geführt, dass die Fledermäuse verfolgt und vernichtet wurden, wo immer man sie fand. Doch wer die Tiere einmal aus der Nähe gesehen hat, wird zugeben, dass Fledermäuse recht niedlich aussehen. In manchen Kulturen werden Fledermäuse als Glücksbringer angesehen. Das chinesische Wort „Fu“ ist gleichbedeutend mit Fledermaus und Glück.
Besonders groß sind die Fledermäuse nicht. Die größte heimische Art ist gerade mal acht Zentimeter lang. Die Fledermäuse bringen lebende Junge zur Welt und säugen diese mit Milch, bis sie selber fliegen können. Fledermäuse sind also Säugetiere wie wir Menschen auch. Fledermäuse sind, obwohl es der Name fälschlicherweise andeutet, nicht mit den Mäusen verwandt. Sie bilden in der Klasse der Säugetiere eine eigene Ordnung. Deshalb wäre der Name Fledertiere passender. Die Fledermäuse übernehmen die Aufgabe der Vögel in der Nacht, wenn sie in rasantem Jagdflug allerlei Nachtfalter, Käfer und Mücken erbeuten. Jede Fledermausart mag bestimmte Insekten und besitzt eine für sie typische Art zu jagen. So vermeiden die Arten Konkurrenz um die Nahrung. Manche Fledermäuse jagen frei in der Luft, andere sammeln Insekten von Blättern oder sogar vom Boden auf. Besonders Mücken, Schnaken, Fliegen und Nachtschmetterlinge stehen auf dem Speisezettel.
Unsere heimischen Fledermäuse nehmen je Nacht etwa ein Drittel des eigenen Körpergewichts an Nahrung zu sich. Theoretisch bedeutet das bei unserer kleinsten Fledermaus, der Zwergfledermaus, die etwa sechs Gramm wiegt, je Nacht 1,5 Gramm an Insekten. Eine Stechmücke beispielsweise wiegt etwa 0,00225 Gramm, das entspricht dann 667 Stechmücken pro Nacht und in einer Saison (sieben Monate) über 140.000 Stechmücken! Durch ihren großen Hunger und ihre Anpassung an die nächtliche Insektenjagd helfen uns die Fledermäuse sehr bei der ökologischen Schädlingsbekämpfung. Fledermäuse gehören zu den Säugetieren, die einen Winterschlaf halten. So überdauern sie die insektenarme Zeit des Jahres. Und was heißt wohl Fledermaus auf Englisch? Bat. Batman, den Fledermausmann aus dem Comic, kennen sicherlich die meisten von euch.
Wer mehr über Fledermäuse wissen möchte, es gibt sehr informative Webseiten, hier zwei davon:
fledermausschutz.de/biologie
naturdetektive.bfn.de/lexikon/tiere/saeugetiere/fledermaeuse.html
Oft werden Führungen angeboten, zum Beispiel vom Nabu. Dann ist auch immer ein Bat-Detektor dabei, damit werden die Rufe der Fledermaus hörbar gemacht. Und ein Fledermausexperte kann euch dann erklären, was ihr gerade hört, Glattnasen oder Hufeisennasen, Großes Mausohr, Fransenfledermaus oder Kleine Bartfledermaus, Zwergfledermaus oder Mopsfledermaus …
Das für heute, viel Spaß bei der Entdeckungsreise in die Dämmerung wünscht
Der Waldmeister Michael Zobel
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