Als ich das hier schreibe, ist der Mai schon lange gekommen. Auf meiner Fahrt mit dem Rad in die Stadt sehe ich viele Maibäume, die bunten Kreppbänder sind von reichlich Regen schon ziemlich verwaschen. Hauptsache, die Botschaft kommt bei den Beschenkten an. Ich hab selber auch einen kleinen Ast von unserer viel zu großen Birke abgesägt und entsprechend geschmückt, ich mag diesen Brauch, der vor allem hier im Rheinland zelebriert wird. Und ich freue mich auf 2028, das ist ein Schaltjahr, und da sind bekanntlich die Frauen dran. Hoffentlich klettert meine Freundin nicht wieder ganz nach oben in die Riesenbirke …
Mai, wie gesagt, es regnet, der Frühling ist mit Macht ausgebrochen, alles grünt und blüht und wächst. Die Landwirte mag es freuen, eine alte Weisheit sagt: Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass. Nun denn, das gilt sicherlich so oder ähnlich auch für uns Hobbygärtner.
Auch die Tiere sind verstärkt aktiv, Nester bauen, Eier legen, Nahrung heranschaffen, es gibt viel zu tun. Wie schon gesagt, ich bin viel mit dem Fahrrad unterwegs, sowohl privat als auch auf dem Weg zu den meisten meiner Waldtermine. Und wenn ich es nicht eilig habe, kann ich auf meiner Fahrt in die Stadt tolle Entdeckungen machen und vielerlei Tiere beobachten. Vor allem klappt das gut im Kaiser-Friedrich-Park, besser bekannt als Hangeweiher-Park.

Rund um den Teich ist ganz schön viel los. Jede Menge Enten und Gänse. Sehen sehr klein aus neben den Tretbooten in Schwanenform. Vor ein paar Tagen waren es fünf Kinder, auch Gössel genannt, der Kanadagänse, die gerade mit ihren wachsamen und aufmerksamen Eltern die Umgebung entdecken und fleißig Gras fressen. Hab ich fünf geschrieben? Heute Morgen war ich wieder unterwegs, jetzt haben sich wohl drei Gänsefamilien zu einer Gänse-Kita zusammengeschlossen,
13 (!) junge Gänse habe ich gesehen. Jetzt wäre noch ein Gänse-Klo angebracht, damit die Wiesen im Park nicht so vollgesch… werden. Viel kleiner sind die jungen Blässhühnchen, man muss genau hinschauen, um die kleinen schwarzen Küken zu sehen, ich bin gespannt, ob es auch bei diesen Teichbewohnern bald Nachwuchs gibt.
Weitere tierische Nachbarn sitzen auf den Bäumen rund um den Teich oder auf einem größeren Ast, der aus dem Wasser ragt. Schwarze Vögel, langer Schnabel, die Flügel oft ausgebreitet zum Trocknen. Es sind die Kormorane, die hier rasten. Und sicherlich auf ihren Tauchgängen den ein oder anderen Fisch erbeuten. Erstaunlich, wie lange sie unter Wasser bleiben können. Und Spaß macht es, zu raten, wo sie wieder auftauchen. Oft legen sie unter Wasser erstaunliche Strecken zurück. Manchmal ist auch der Grau- oder Fischreiher zu Gast, ebenfalls ein Fischliebhaber.
Mein persönliches Highlight hier im Park war einmal der Eisvogel, der fliegende Edelstein, wie er wegen seines hell leuchtenden Gefieders genannt wird. Jetzt haben mir Freunde erzählt, dass er in der Kaiser-Friedrich-Allee am dortigen Bach, der Pau, ein neues Revier gefunden hat. Dort habe ich ihn noch nicht gesehen, aber ich freue mich umso mehr auf unsere nächste Begegnung.
Noch eine Überraschung könnt ihr manchmal auf dem Kormoran-Ast erleben. Zum Sonnenbaden sitzen dort gelegentlich Schildkröten. Keine einheimischen Exemplare, sondern Rotwangen-Schildkröten. Diese hat sicherlich jemand ausgesetzt, und jetzt haben sie hier und an anderen Teichen, zum Beispiel im Westpark, ein neues Zuhause gefunden. Nicht unbedingt gut für alle bisherigen Bewohner, denn die Schildkröten fressen zum Beispiel Laich und Kaulquappen, auch kleine Fische. Abends ist der Hangeweiher-Park ein wunderbarer Platz, um Fledermäuse zu beobachten, sie jagen Insekten über dem Wasser und sind auch im Licht der Straßenlaternen rund um den Park gut zu sehen.
Als ich heute unterwegs war, habe ich mehrfach angehalten und Fotos gemacht. Und wieder einmal festgestellt, wie sehr sich Ausflüge in die nähere Umgebung lohnen. Wenn wir uns Zeit nehmen und aufmerksam sind, dann gibt es viel zu entdecken, ohne dass dafür weite Reisen nötig sind. Ein paar der Fotos findet ihr auf dieser Seite. Auch von meinem Lieblingsbaum im Park, dem Taschentuchbaum, der im Mai blüht. Warum er so heißt, seht ihr auf dem Foto.

Zum Schluss noch mein persönliches Highlight in diesem Frühling. Auf dem Balkon meiner Tochter, zweite Etage in einem verkehrsreichen Teil von Aachen, hatten Eichhörnchen zwischen diversen Blumenkübeln ein Nest gebaut, einen echten Kobel. Das allein war schon eine Sensation. Als sich dann aber herausstellte, dass vier junge Eichhörnchen in diesem Kobel auf die Welt gekommen waren, war das Naturerlebnis perfekt. Meine Tochter wollte schon gar nicht mehr zur Arbeit gehen, so viel Spaß machte es, den jungen Hörnchen beim Entdecken des Balkons zuzusehen. Aber auch Eichhörnchen werden größer, schnell reichte der Platz in diesem Kobel nicht mehr, und so haben sie sich nach einigen Woche einen neuen Platz im Viertel gesucht, wo es zum Glück auch die ein oder andere Grünfläche und einige große Bäume gibt. Meine Tochter und ich wünschen den jungen Eichhörnchen alles Gute!

Für heute war’s das mal wieder, schaut euch mal in der näheren Umgebung um, überall warten tolle Erlebnisse und Begegnungen in der Natur auf euch.
Ganz viele Grüße vom
Waldmeister Michael Zobel
Der Beitrag ist zuerst in KingKalli 135, Juni/Juli erschienen.
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