Waldmeisters Naturkolumne 28: Zapfen, Federn, Fährten – Tiere und ihre Spuren

Frühling, meine Naturführer-Saison läuft auf Hochtouren. Eine beliebte Wanderung für Groß und Klein ist die Tierspurenwanderung. Kurz nachdem sie beginnt, stelle ich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen im Kreis auf. Jeder aus dem Kreis soll dann ein Tier nennen, das bei uns im Wald lebt. Und wenn jemandem gar nichts einfällt, es gibt alle Tiere auch mehrfach, es können auch Arten wiederholt werden. Was kommt alles vor? Eine lange Liste. Eichhörnchen, Reh, Fuchs, Ameise, diverse Vögel, Dachs, Wildschwein, Fledermaus, Kellerassel, Käfer, Frosch, Kröte … Wenn wir mehr Zeit hätten, gäbe es sicherlich auch eine zweite und dritte Runde. Irgendwann werden auch der Bär und der Wolf genannt.

Da kann ich beruhigen, es gibt vielleicht Brom- und Himbeeren ohne ä, ab und zu auch einen Gummibären. Echte Bären, das ist lange her. Stimmt aber auch nicht ganz, recht neu in unseren Wäldern ist der Waschbär. Und der Wolf, was ist damit? Es leben Wölfe gar nicht so richtig weit weg, im Hohen Venn zum Beispiel. Und es kann sein, dass ein Wolf von dort mal Richtung Aachen, Roetgen oder Vaals kommt und nachschaut, in welchem Zustand der Zaun bei den Schafen ist. Aber hierbleiben, das tut er nicht. Hier sind ihm viel zu viele Menschen unterwegs, Naturführer, Fahrradfahrer, Reiter, Wanderer, Schulklassen, Hunde. Da zieht der Wolf sich lieber wieder ins Venn zurück. Was mir im-mer ganz wichtig bei dieser Tierrunde ist, es gibt hier bei uns im Öcher Bösch KEINE gefährlichen Tiere. Lästige Tiere sehr wohl, Mücken oder Zecken zum Beispiel, aber gefährliche nicht, egal zu welcher Tageszeit.

Wie gesagt, der Wald ist voller Tiere. Aber wieso sehen wir eigentlich so wenige, wenn wir in der Natur unterwegs sind? Das hat viele Gründe. Manche Tiere sind sehr klein, verstecken sich, sind erst am Abend aktiv. Und ganz wichtig, die meisten Tiere haben uns schon längst gesehen, gehört, gerochen, wenn wir in ihre Nähe kommen. Sie flüchten, fliegen weg oder verstecken sich noch besser. Schade, wir würden doch gerne mehr von unseren tierischen Nachbarn entdecken. Aber wenn wir sie schon nicht sehen, wie wäre es denn, nach ihren Spuren zu suchen? Ich habe das in den letzten Tagen öfter mal gemacht. Und ein paar dieser Tierspuren fotografiert.

Verwandte des Borkenkäfers haben hier geknabbert | Foto: Michael Zobel

Schaut mal. Da gibt es abgeknabberte Zapfen, verschiedene Federn, ein Gehörn vom Rehbock, rätselhafte Muster im Baumstamm, gegraben von Verwandten des Borkenkäfers. Spannende Tierspuren können auch Fährten, Eierschalen, Knochen, Nester oder geknackte Nüsse sein. Und wenn ihr dann vielleicht ein Bestimmungsbuch dabeihabt, in dem diese Spuren gezeigt und erklärt werden, dann er-fahrt ihr viel über die Lebensweise der Tiere. Ihr entdeckt Details, die ihr vielleicht nie zuvor beachtet habt, und jeder Spaziergang wird spannender. Ein paar Beispiele seht ihr auf den Fotos, alles im Frühling im Öcher Bösch gefunden.

Ganz schön viele spannende Entdeckungen, ich bin gespannt, was in diesem Jahr so alles dazukommt. Euch wünsche ich viele tolle Erlebnisse und Begegnungen in der Natur.

Ganz viele Grüße vom Waldmeister Michael Zobel

(Der Beitrag ist zuerst in KingKalli 134 April/Mai 2026 erschienen.)

Hundespuren gibt es viele im Wald. | Foto: Michael Zobel
Spur einer Zwergmottenraupe | Foto: Michael Zobel
Der Biber hat einen Baum gefällt. | Foto: Michael Zobe.
Laich der Erdkröte | Foto: Michael Zobel
Der Specht hat einen Fichtenzapfen eingeklemmt, um besser an die samen zu kommen. | Foto: Michael Zobel

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