Dreikönigstag 2024, das neue Jahr ist fast eine Woche alt. Der Tag, an dem die heiligen Könige Gold, Weihrauch und Möhren zur Krippe brachten. So jedenfalls berichteten es mir meine Kinder, wenn sie am 6. Januar aus dem Kindergarten kamen … Welches Kind kann schon was mit dem Begriff Myrrhe anfangen?
Anfang Januar, das bedeutet auch, in wenigen Tagen ist schon wieder Redaktionsschluss bei KingKalli, die 15. Kolumne steht an. Was schreibe ich denn diesmal? Ich sitze am großen Fenster Richtung Garten und grübele. Kurzer Blick in die Wildnis, da draußen ist so viel los, ich brauche nicht lange zu überlegen. Vögel sind im Garten, jede Menge Vögel. Wir wohnen hier im Aachener Süden, große Gärten, Kleingartenanlagen, eine riesige Wiese mit alten Obstbäumen und Esskastanien, der nahe Waldrand, beste Voraussetzungen für ein wahres Vogelparadies. Einen Fernseher besitzen wir nicht, aber was sich hier draußen abspielt, ist spannender als jedes Fernsehprogramm.
Specht | Foto: iStock, Antagain
Da trifft es sich gut, dass an diesem Wochenende die „Stunde der Wintervögel“ stattfindet. Und eine „Stunde der Gartenvögel“ gibt es auch noch, immer im Mai. Was sind denn das für Stunden?
Bei Wikipedia finde ich: „Die Stunde der Gartenvögel ist eine Aktion zur Vogelbeobachtung. Sie findet seit 2005 in Deutschland und seit 2014 in der Schweiz statt.“ Bei diesen jährlich im Januar und im Mai stattfindenden Aktionen werden Bürger aufgerufen, „eine Stunde lang die Art und die Zahl der Vögel in einem Garten, vom Balkon aus oder in einem Park zu notieren“.
In Deutschland wird die Stunde vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) und vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern veranstaltet, in der Schweiz von der Organisation Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz. Ziel der Aktion ist es, ein „deutschlandweites und möglichst genaues Bild von der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu erhalten“. Dabei geht es nicht um den Anspruch einer wissenschaftlich exakten Erfassung des realen Bestands an Vögeln, wie sie beispielsweise eine genaue Rasterkartierung erbringen würde. Ziel ist die Erhebung der längerfristigen Entwicklung von Bestandszahlen der Vögel in Gärten und Parks, um Anteile und Trends von Populationen zu ermitteln. Natürlich steckt auch dahinter, mit Hilfe der Aktion Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, um den Vogelschutzgedanken in Deutschland weiter zu verbreiten.
Drossel | Foto: iStock, bazilfoto
Die Rahmendaten sind:
- Termin: drei Tage im Januar und im Mai (früher ein Tag)
- Dauer: eine Stunde
- Zählung: Gezählt und aufgeschrieben wird die größte Anzahl an Beobachtungen einer Art zum gleichen Zeitpunkt während des Beobachtungszeitraums von einer Stunde (nicht die Gesamtzahl der während einer Stunde beobachteten Tiere)
- Teilnehmende: eine oder mehrere Personen in einem Garten oder Park, Familien, Schulklassen …
Genug der Theorie, zurück in unseren Garten, in unser Vogelparadies. Seit dem späten Herbst hängt auf der Terrasse ein Vogelhaus, an der Birke noch eins. Und an drei weiteren Stellen hängen die Knödel-Boys, was für ein schöner Name. So heißen sie wirklich, die Halter für Meisenknödel zum Aufhängen. Der Knödel-Boy eignet sich viel besser zum Füttern der Meisenknödel als die herkömmlichen Kunststoffnetze. Vögel bleiben nicht mit ihren Füßen im Netz hängen. Und weniger Plastikmüll haben wir am Ende auch. Ach ja, ein Futtersilo aus Plexiglas mit vier Öffnungen und vier Sitzstäben haben wir noch aufgehängt, da können bis zu vier Vögel gleichzeitig die begehrten Samen, Körner und Haferflocken fressen.
So, ich habe mich in einen gemütlichen Sessel gesetzt, Blick auf den Garten, dann auf die Uhr, eine Stunde Vogelbeobachtung ist angesagt. Vor ein paar Minuten war ich noch draußen, habe alle Futterstellen nachgefüllt. Und kaum bin ich wieder in der gemütlichen Wohnung, geht es auch schon los. Viele Vögel sind gleichzeitig unterwegs, wo fange ich denn mit dem Zählen an?
Blaumeise | Foto: iStock, Andrew_HoweIch lese noch mal auf der NABU-Webseite: „Selbst wenn Sie noch nie Vögel gezählt haben: Es ist wirklich nicht schwer und macht großen Spaß. Suchen Sie sich einfach ein Plätzchen am Fenster, im Garten, auf dem Balkon oder im Park und beobachten Sie dort eine Stunde lang, was umherflattert. […] Notieren Sie dabei von jeder Vogelart die höchste Anzahl, die Sie während dieser Stunde gleichzeitig sehen konnten. Das ist wichtig, damit Vögel, die zwischendurch ja auch wieder wegfliegen, nicht doppelt gezählt werden. Sehen sie zum Beispiel zuerst zwei Haussperlinge, die zur gleichen Zeit an der Futtersäule sind, zehn Minuten später aber auf einmal vier Sperlinge, dann werden vier Sperlinge gemeldet.“
Genau so werde ich es machen. Meisen sind zuerst da. Mit schwarzer Kappe, mit blauer Kappe, mit langem Schwanz. Zum Glück kenne ich mich ein wenig aus, die ersten Striche sind gemacht, bei Kohl-, Blau- und Schwanzmeise. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Stare, Amseln, Buchfinken, das Rotkehlchen. Jetzt ist auch der Kleiber da, kopfüber hängt er am Knödel-Boy.
An unserem Kirschbaum hängt ein kleines Körbchen, das wir jeden Morgen mit diversen Nüssen befüllen. Und da wechseln sich die Eichelhäher mit den Eichhörnchen ab. Viele Nüsse fressen sie gleich dort, aber noch mehr scheinen sie an allen denkbaren Stellen in unserem Garten zu verstecken. Wenn der Frühling beginnt, können wir eine eigene Baumschule eröffnen. Überall wachsen dann neue Haselnusssträucher, Walnussbäume, Esskastanien …
Zurück zu den Vögeln. Der Buntspecht ist da, turnt artistisch an den Futterstellen. Und unter ihm warten die Ringeltaube, die Heckenbraunelle, jede Menge Buchfinken. Sie picken alles auf, was da so runterfällt. Unser Garten ist nicht so perfekt aufgeräumt wie mancher der Nachbargärten. Das lieben die Vögel, die Samenstände vieler Sommerblumen sind noch da. Und darüber freuen sich jetzt die Futter-Feinschmecker. Zum Beispiel der Stieglitz, besser bekannt als Distelfink. Er ist anscheinend völlig verrückt nach den Samen der Nachtkerze und turnt ausdauernd in den langen trockenen Stielen herum und frisst sich satt. Der Stieglitz trägt ein auffällig farbenfrohes Gefieder und gehört zu den buntesten Singvögeln. Auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf leuchtet eine rote Gesichtsmaske. Auffällig ist auch das laute Zwitschern. Diesem „Stiglit“ verdankt der Stieglitz seinen deutschen Namen.
Eh ich mich versehe, ist eine Stunde um. Meine Strichliste ist gut gefüllt, die Buchfinken liegen vorne mit fünf Strichen, mit jeweils vier folgen Blau- und Kohlmeisen. 16 Vogelarten waren während der Stunde unterwegs.
Es hat Spaß gemacht, sie alle zu beobachten. Ich kann nur empfehlen, mit oder ohne Zählaktion auf Vogelexpedition zu gehen, im Garten, im nahen Park, am Waldrand. Es gibt so viel zu entdecken, die Vielfalt der Vogelwelt in unserer näheren Umgebung.
Am Nachmittag mache ich noch einen Spaziergang im nahen Hangeweiher-Park. Erlen rund um den Teich. Und was entdecken wir dort? Ein großer Schwarm Erlenzeisige ist unterwegs, erst zu hören, dann zu sehen, als sie in großer Formation weiterfliegen. Oder waren es vielleicht Bergfinken? Hätte ich doch mein Fernglas dabeigehabt.
Ich freue mich schon auf den Mai, dann werden die Gartenvögel gezählt.
Weiterführende Links:
Von der Amsel bis zum Zaunkönig. Die 35 häufigsten Wintervögel auf einen Blick
(nabu.de/tiere-und-pflanzen/vogelportraets)
Steckbriefe und Bilder von 314 Vogelarten in Deutschland (nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel)
Termine für die nächsten Vogel-Zählaktionen:
10. bis 12. Mai 2024: Stunde der Gartenvögel
13. bis 17. Mai 2024: Schulstunde der Gartenvögel
10. bis 12. Januar 2025: Stunde der Wintervögel
Das war’s für heute, ich wünsche uns allen ein erfreuliches Jahr mit vielen schönen Entdeckungen und Begegnungen in der Natur.
Euer Waldmeister
Michael Zobel
Hinterlasse einen Kommentar