Vor Urzeiten streiften Wesen durch unsere Länder und Meere, die wir uns heute kaum noch vorstellen können. Reptiliengleiche Giganten, neben denen Jahrmillionen lang kaum ein Säugetier die Chance hatte, zu überleben oder sich weiterzuentwickeln. Und plötzlich wandern wir Menschen über den Planeten, bauen Häuser, rasen über Autobahnen und reisen in den Weltraum. Was geschah auf unserem Blauen Planeten in diesen Jahrmillionen vor unserer Zeit? Um einmal einen Blick in vergangene Zeiten werfen zu können, bietet das Natuurhistorisch Museum Maastricht für Klein und Groß eine Zeitreise vom frühen Zeitalter des Devon, in dem kaum ein Lebewesen jemals die Ozeane verlassen hatte, bis in die Gegenwart.

Bereits die Türen des Museums wirken wie ein Portal in eine andere Zeit. Über dem schweren doppelflügeligen Tor thronen drei Vogelskelette, die neugierig auf eintretende Besucher herabblicken, während dutzende von Fischen ihre Köpfe vorwitzig aus dem Metall der Tür herausrecken. Kleine Vorboten für die vielen Fossilien, die man bei seinem Rundgang durch das Museum noch zu Gesicht bekommen wird.
Die Zeitreise beginnt für Klein und Groß zunächst im Auditorium. Hier wird mit einem kurzen Film erst einmal erklärt, wie Fossilien überhaupt entstehen, was sie ausmacht und wie ihre Ausgrabungen vonstattengehen. Nach dieser Einführung auf der großen Leinwand kann es auch schon losgehen.
Ein großer Globus nimmt die Besucherinnen und Besucher im nächsten Ausstellungsraum in Empfang. Durch das Drehen der Kugel durchläuft der Planet innerhalb kürzester Zeit die Veränderungen von Jahrmillionen. Vom Superkontinent Pangäa bis zu der uns heute bekannten Weltkarte können die Bewegungen der Erdmassen verfolgt werden. Nicht nur die Kinder sind begeistert von der interaktiven Einführung. Hier schließt man auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem bunten Zeitstrahl, welcher die verschiedenen Zeitalter darstellt, denen die Museumsgäste bei ihrem Rundgang einen Besuch abstatten werden. Damit man in den Milliarden von Jahren nicht den Überblick verliert, ist der Zeitstrahl ein stetiger Begleiter. An ihm kann man erkennen, zu welcher Epoche die jeweiligen Ausstellungsstücke gehören.
Die folgenden Ausstellungsräume sind gefüllt mit Relikten aus längst vergangenen Zeitaltern. Mit steinernen Abdrücken von Pflanzen und Lebewesen, die vor Urzeiten den Planeten füllten, mit Knochen, Überresten und natürlich einem der bekanntesten Ausstellungsstücke des Museums: dem Skelett eines Mosasauriers. Der Meeressaurier stammt aus der Zeit, als die Region Limburg und somit auch Maastricht noch vollkommen unter Wasser lag. Der rund 13 Meter lange Saurier wurde 1998 im Kalksteinbruch einer Zementfabrik bei Maastricht gefunden. Der spektakuläre Anblick des Meeressauriers lässt die Wesen aus längst vergangenen Zeiten auf einen Schlag sehr viel realer und greifbarer erscheinen. Seinen Fundort teilt sich der liebevoll Bér genannte Saurier mit den meisten der Ausstellungsstücke im Museum. Die Region Limburg war und ist aufgrund der vielen Jahrmillionen, die sie unter Wasser lag, eine wahre Fundgrube für Fossilien. Daher bezieht sich das Museum mit seiner Reise durch die Zeit insbesondere auf diese Region und ihre Veränderung im Laufe der Jahrmillionen.
Lass uns Paläontologen sein
So faszinierend der Meeressaurier, umgeben von den Überresten ehemaliger Artgenossen, oder die Knochen einer jahrtausendealten Meeresschildkröte auch sein mögen, lange würden die vielen unbeweglichen Überreste die Aufmerksamkeit der Kinder wohl nicht auf sich ziehen können. Darum hat sich das Museum einige Tricks und Kniffe überlegt, um die Ausstellung auch für die jüngsten Besucher interessant zu gestalten. Direkt am Eingang werden die Kinder in das Mysterium der „Wunderkästen“ eingeweiht und ihnen wird ein bunter Laufzettel übergeben. Schaffen sie es, alle Rätsel der Wunderkästen zu lösen, werden sie dem Geheimnis auf die Spur kommen, wo der Meeressaurier Bér sein Zuhause hat. Die Wunderkästen stehen zu diesem Zweck quer durch das Museum verteilt und enthalten Knochen, Schädel und andere faszinierende Gegenstände. Jeder Wunderkasten stellt die Kinder vor ein neues Rätsel, das es zu lösen gilt. Zu diesem Zweck dürfen die Gegenstände in den Schränken natürlich auch herausgeholt und ausführlich unter die Lupe genommen werden. Mit Zettel und Bleistift bewaffnet durchstreifen die Kinder wie kleine Detektive und Paläontologen das Museum, um Bérs Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Außerdem finden sich immer wieder Gucklöcher und Luken auf Augenhöhe der Kinder sowie kleine Tunnel und Abkürzungen, die sie benutzen können, um die Ausstellung aus ihrer Perspektive erkunden zu können.
Willkommen in der Gegenwart
Doch nicht nur über urzeitliche Titanen kann man im Museum mehr erfahren. Als die Meere sich aus Limburg zurückzogen, schufen sie Platz für Säugetiere wie das Wollhaarmammut oder den riesigen europäischen Biber. Dessen Nachbildung mit ihren gigantischen Flossen und der schieren Größe hinterlässt einen fast ebenso bleibenden Eindruck wie der Mosasaurier Bér.
Und dann findet man sich auch schon im Zeitalter des Neogens wieder und die ersten Vorfahren der Menschen fangen an, das Land zu durchstreifen. Durch die Jagd, das Einschleppen von Arten oder das Mystifizieren von Tieren wie dem Wolf beginnt der Mensch, die Welt um sich herum zu verändern. Diese Veränderungen und die derzeitige Artenvielfalt in Limburg machen ebenfalls einen großen Teil der Ausstellung aus. Mittels präparierter Tiere können Insekten, Säugetiere, Vögel und Reptilien hier so intensiv betrachtet werden, wie es in freier Natur oder selbst in einem Zoo nur sehr selten möglich ist.
Die Sache mit der Sprachbarriere – Tipp für den Ausstellungsbesuch
So eindrucksvoll die Ausstellung auch sein mag, ob sie nun die Gegenwart oder die Vergangenheit darstellt, für deutsche Besucher hält sie ein kleines Hindernis bereit. Die Texte in der Ausstellung sind ausschließlich auf Niederländisch verfasst. Obwohl die Ausstellung natürlich auch so viel Spannendes zu bieten hat, stellen die Informationstexte oft eine Bereicherung dar.
Unser Tipp für wissbegierige Besucherinnen und Besucher, die sich auf Niederländisch nicht ganz sicher fühlen: Ladet euch vor dem Besuch eine Übersetzungsapp herunter! Apps wie Google Translate können mit aktivierter Kamera direkt auf die Texte gerichtet werden und übersetzen zeitgleich ohne lästiges Abtippen oder dass ein Foto geschossen werden muss. So entgeht euch keine noch so kleine Information zur Ausstellung.
Wer ein wenig in der Vergangenheit stöbern und auch sein Wissen über die Natur der Gegenwart erweitern möchte, für den lohnt sich ein Abstecher ins Natuurhistorisch Museum Maastricht auf jeden Fall. Auch für Schulklassen ist das Museum ein passendes Ausflugsziel – mit Laboren, der Möglichkeit, bei der Restauration von Fossilien zuzuschauen, und der Option, den Museumsbesuch konkret an die aktuelle Unterrichtseinheit anzupassen.
Natuurhistorisch Museum Maastricht
De Sosquetplein 7, 6211 KJ Maastricht
nhmmaastricht.nl
Geöffnet:
Di-Fr 11:00-17:00 Uhr, Sa-So 13:00-17:00 Uhr
Öffnungszeiten an den Feiertagen:
24.12.2023, 13:00-16:00 Uhr
25.12.2023 geschlossen
26.12.2023, 13:00-17:00 Uhr
31.12.2023, 13:00-16:00 Uhr
01.01.2023 geschlossen

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