Vor-Ort-Bericht: Künstliche Intelligenz zum Anfassen – die neue Ausstellung des Deutschen Museums Bonn

Die ersten selbstfahrenden Autos rollen über unsere Straßen, wir können das technische Inventar unserer Häuser per Sprachbefehl steuern, Roboter unterstützen Polizei und Feuerwehr bei ihrer Arbeit und für die Marktforschung müssen keine Fragebögen mehr ausgefüllt werden, die Reaktion in den Gehirnen der Probanden auszuwerten reicht vollkommen aus.

Das, was wir uns einmal als Zukunft vorgestellt haben, ist längst zur Gegenwart geworden. Verständnis zu schaffen, Begegnungsräume zu bieten und neue Technologien, besonders Künstliche Intelligenz (KI), auch für die jüngsten Besucher begreifbar zu machen, das ist das Ziel der neuen Ausstellung „Mission KI“ im Deutschen Museum Bonn.

Warum KI?

Dass ChatGPT und viele weitere Programme das Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu einem alltäglichen Phänomen gemacht haben, hat bei vielen ein Gefühl der Unsicherheit ausgelöst. Wir werden überflutet mit einer Welle an Informationen, was alles möglich sein wird, bereits möglich ist oder sein könnte. In Talkshows geben sich die Experten gegenseitig die Klinke in die Hand, um über ein Thema zu sprechen, das unsere Gesellschaft so drastisch verändern könnte und es bereits tut – Künstliche Intelligenz, kurz KI. Manche sprechen gar von einer neuen industriellen Revolution, die durch KI ausgelöst werden könnte. Da verliert man schnell den Überblick, was eigentlich tatsächlich noch hinter dem neuen Buzzword KI steckt und wie sie sich in das allgegenwärtige Thema der Digitalisierung einfügt.

Spielerisch lernt der Mensch am besten

Foto: Anna Schwartz

Wo einstmals ein Teilchenbeschleuniger und viele weitere Exponate der alten Ausstellung des Museums rund um Nobelpreisträger standen, ziehen nun Roboter, Simulatoren und bunt leuchtende Bildschirme die Blicke der Besucher auf sich. Anfassen und ausprobieren und werden hier großgeschrieben. Das hier ist kein Museum, wo nur betrachtet und gelesen wird – das hier ist ein Museum zum Erleben.
So kann man direkt im ersten Bereich der Ausstellung im Inneren eines futuristisch anmutenden Autos einen Fahrsimulator ausprobieren. Es geht darum, selbst verschiedene brenzlige Situationen im Straßenverkehr zu bewältigen und im Anschluss abzugleichen, wie eine autofahrende KI sich in derselben Situation verhalten hätte.
Im Simulator kann man anschaulich erleben, wie eine autofahrende KI funktioniert und was für Schwierigkeiten es bei ihrer Entwicklung immer noch gibt. Wie erkennt sie Straßenschilder? Was passiert, wenn diese durch Aufkleber oder Ähnliches verändert werden? Wie erkennt die KI zurzeit die Bewegungsabläufe eines Menschen und zu welchen Komplikationen kann es dabei kommen? Viele Grenzen, aber auch die Funktionsweise von autonomem Fahren wird man nach dieser Erfahrung nicht so schnell vergessen.

Der Bereich rund um autonomes Fahren ist jedoch nur ein kleiner Teil der Ausstellung. Einen  Einblick in die Funktionsweise einer KI können Besucher in einem weiteren Areal der Ausstellung gewinnen. Auf einer beeindruckenden Installation, bestehend aus elf Bildschirmen, kann zum Beispiel verfolgt werden, wie die Bild- und Gegenstandserkennung einer KI abläuft. Durch das Platzieren verschiedener Plastikgegenstände vor einer kleinen Kamera kann auf den Bildschirmen verfolgt werden, wie die KI arbeitet und filtert, um den Besuchern schließlich die Antwort zu präsentieren, was sich vor der Kamera befindet. Ein Einblick in das Gehirn einer KI, wenn man so will. Einer KI, die bereits im medizinischen Bereich angewendet wird, um Krebs zu diagnostizieren und Tumore zu erkennen, die ein Arzt vielleicht übersehen hätte.
Auch verschiedene Roboter kann man in der Ausstellung live erleben. So haben Besucher zum Beispiel immer wieder die Möglichkeit, mit dem kleinen humanoiden Roboter NAO eine Runde Tai-Chi durchzuführen oder mit ihm eine Runde Schere, Stein, Papier zu spielen. Voll in Aktion kann man auch den Laufroboter Spot erleben. Draußen unterstützt er die Polizei bei der Arbeit, im Museum begeistert er die Besucher durch Tricks wie Männchenmachen oder Rolle. Die freundlichen Roboter aus der Nachbarschaft nehmen hier Kinder und Erwachsenen die Berührungsängste mit neuen Technologien.
Als interaktiv und spielerisch kann in dieser Ausstellung wirklich alles bezeichnet werden, ob man sich nun mit einer KI einer Partie Montagsmaler hingibt, sich bei einer Runde PowerPoint-Karaoke Präsentationen zu den verrücktesten Themen vortragen lässt oder Künstliche Intelligenz verwendet, um aus ein paar Sätzen endlich das kunstvolle Bild entstehen zu lassen, das man selber so nie hinbekommen hätte. Selbst der größte Museums-Muffel wird vermutlich Spaß an der Ausstellung haben und auch die Kleinsten kommen hier auf ihre Kosten. Zusammen mit dem Museumsmaskottchen, der kleinen Eule Pfiffikus, unternehmen die Kinder eine abenteuerliche Reise durch die Tiefen des DigiTal. Direkt auf Augenhöhe der Kinder können sie an fünf Stationen in kurzen Filmen, verbunden mit kleinen Rätseln, die Irrfahrt von Pfiffikus zum Thema Digitalisierung verfolgen. So muss sich die kleine Eule zum Beispiel wortwörtlich aus den Tiefen des Datensumpfs befreien, vor dem gefährlichen Trojaner flüchten und einen sicheren Weg aus dem Datenstrom finden. Mit den vielen Andeutungen und Wortspielen in der augenzwinkernd erzählten Odyssee werden mit Sicherheit nicht nur Kinder ihren Spaß haben.

Der Mensch im Vordergrund

Auch wenn Maschinen und innovative Technik die Museumsräume füllen, wichtig sind in dieser Ausstellung vor allem die Menschen. Hier soll ihnen ein Raum geboten werden, Fragen und Sorgen bei einem direkten Ansprechpartner äußern zu können. Dafür sorgen die KI:ckstarts. Besucherinnen und Besucher werden direkt zu Beginn der Ausstellung von den Museotrainern und -trainerinnen zu einer Einführungsrunde eingeladen und danach in kleinen Gruppen durch die Ausstellung begleitet. Mit den Trainern eröffnet sich eine besondere Fülle an interessanten Informationen und verborgenen, amüsanten Eigenarten der Ausstellungsstücke, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Die Ausstellung bietet außerdem die Möglichkeit, sich ganz individuell noch einmal mit dem Menschsein auseinanderzusetzen. Schülergruppen, die eine Führung durch die Ausstellung machen, werden zu Beginn gerne gefragt, was oder wer für sie eigentlich intelligent ist. Eine häufige Antwort darauf sei inzwischen ChatGPT, erzählt Tanja Löschner, verantwortlich für den Bereich Bildung und Vermittlung des Museums. Ist die Technik uns inzwischen tatsächlich so sehr voraus? Was macht uns noch aus? Und sind wir tatsächlich ersetzbar? Fragen, die sich vermutlich nicht nur Kinder stellen, und Fragen, auf die nur mit weiteren Fragen geantwortet werden kann. Antworten, die jeder für sich selbst finden muss. Was macht meine Art zu denken aus und was macht sie so besonders? Warum macht diese Art zu denken mich genau so, wenn nicht sogar intelligenter als ChatGPT, obwohl ich nicht so gut in Mathe bin? „Wenn die Kinder das Museum mit dem Gedanken ,Ich bin ein Mensch und das ist großartig‘ verlassen können, dann hat die Ausstellung ihren Zweck erfüllt“, sagt Löschner.
Da Künstliche Intelligenz sich zurzeit so schnell entwickelt, dass es manchmal schwerfällt, mit den Neuerungen Schritt zu halten, bevor sie schon wieder veraltet sind, wird die Ausstellung laufend aktualisiert. Mindestens halbjährlich werden neue Exponate in die Räumlichkeiten Einzug halten.
Wer dem Museum also bereits einen Besuch abgestattet hat, wird bei einem weiteren Besuch immer wieder Neues entdecken können, und wer noch nicht da war, kann sich auf spannende Stunden mit aktueller Technologie zum Ausprobieren, Lernen und Verstehen freuen.

 

Angebot

Unter dem Motto „Raus aus der Schule – rein ins Museum“ hat das Deutsche Museum Bonn außerdem ein großes Angebot an Workshops zu den Themen Physik, Chemie, Informatik und natürlich auch Künstliche Intelligenz. Ob man nun programmiert oder Gummibärchen herstellt, das Museum wird jeder um eine Erfahrung reicher verlassen.

Deutsches Museum Bonn
Ahrstraße 45, 53175 Bonn
deutsches-museum.de/bonn

Geöffnet:
Di-Fr 10:00-17:00 Uhr
Sa 12:00-17:00 Uhr
So/Feiertag 10:00-17:00 Uhr
Geschlossen:
24./25./31.12.2023 und 01.01.2024

Für Kinder bis 5 Jahre ist der Eintritt frei. Informationen zu Workshops und weiteren Bildungsangeboten des Museums unter: deutsches-museum.de/bonn/programm/bildungsangebote

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