Ausprobieren, selber machen, kreativ werden! Diese Begriffe stehen im Fokus der neuen aktuellen Ausstellung im LVR-Indus-triemuseum Tuchfabrik Müller. Kreativ, aber auch interaktiv werden Themen aus den verschiedenen ehemaligen Fabriken aus dem Industriezeitalter und jetzigen Museen aufgegriffen. Alles verständlich, einfach und zum Anfassen aufbereitet. Herzstück der Ausstellung ist aber der variierbare Parcours, in dem die Besucher ihre eigene Kettenreaktion auf die Beine stellen können.
Die Wechselausstellung
Wie funktioniert eigentlich ein Flaschenzug und warum war und ist er immer noch so wichtig? Was sind Transmissionsriemen und brauchen wir sowas heute überhaupt noch? Und wie kommen die verschiedenen Muster in den Stoff? All diese Fragen werden in der aktuellen Wechselausstellung „Probiert? Kapiert!“ im Industriemuseum Tuchfabrik Müller nicht nur erklärt, sondern auch erlebbar gemacht. So kann man zum Beispiel ausprobieren, welchen Unterschied ein Flaschenzug beim Bewegen von Gewichten macht oder welche Kraft Transmissionsriemen übertragen können. An einem überdimensionalen Webrahmen können die verschiedenen Effekte von unterschiedlichen Webtechniken ausprobiert werden, und mit riesigen bunten Bauklötzen kann man sich daran versuchen, möglichst viel Inhalt auf möglichst kleinem Raum zu platzieren. Probleme, denen sich auch die ehemaligen Mitarbeiter in den Industriestätten gegenübersahen. Prozesswege mussten möglichst effektiv und zusammenhängend gestaltet werden, Verpackungsmaterial effizient und kostensparend genutzt werden. Für uns inzwischen selbstverständliche Phänomene, denen wir eigentlich kaum noch Beachtung schenken, werden hier genauer beleuchtet und ermöglichen es, auch diese scheinbar so kleinen Erfindungen zu wertschätzen und noch einmal einen genaueren Blick auf Dinge zu werfen, die man in unserem durchtechnisierten Alltag schnell aus dem Blick verliert.
Für die großen Museumsgäste gibt es dazu viele Zusatzinformationen, wenn man sich richtig reinfuchsen möchte, während die Kleinen nach Herzenslust experimentieren können. Obwohl das mit Sicherheit den älteren Besuchern ebenfalls viel Spaß machen wird.
Das in der Ausstellung erworbene Wissen kann man sich im Anschluss noch zunutze machen, wenn man den zentralen Punkt der Ausstellung erreicht: den Parcours der Kettenreaktion.
Kettenreaktion selbst erschaffen
Kippen, rollen, fallen, schwingen – Videos von Kettenreaktionen sind im Internet schon seit langem ein beliebtes Phänomen. Über ganze Etagen und Häuser können sich die Abfolgen von Reaktionen ziehen. Wem hat es da nicht schon mal in den Fingern gejuckt, das Ganze auch einmal selbst auszuprobieren? Das Museum stellt Besucherinnen und Besuchern im Anschluss an die Ausstellung die Herausforderung, eine Kettenreaktion zusammenzubauen, die mit dem Anstoß einer Kugel beginnt und mit dem klangvollen „Peng“ eines platzenden Ballons enden soll. Was dazwischen geschieht, entscheidet die Fingerfertigkeit. Über mehrere Ebenen hinweg muss die Reaktion immer weiter fortgeführt werden, ohne abzureißen.
Verwendet werden kann dabei jegliches Material. Murmeln, Legosteine, Pappe, Holzklötze und -platten und vor allem gaaaaanz viel Klebeband. „Das ist wohl der Rohstoff, der hier am meisten verbraucht wird“, verrät Christiane Lamberty, als sie uns die Materiealien zeigt, die auf die fleißigen Tüftler warten.
Den Anfang der Herausforderung bildet eine Kugelbahn, die an einer Magnetwand entlanggeführt werden soll. Erstes Hindernis: die Kugel ins Rollen bringen! Einfach von Hand anstoßen wäre ja zu leicht. Durch das Drehen an einer Kurbel und eine Verkettung mehrerer Zahnräder soll die Reaktion ausgelöst werden. Bereits an dieser Stelle scheinen die Möglichkeiten grenzenlos zu sein.
Auch wir verfallen bei unserem Besuch schnell in ein Tüftel- und Ausprobierfieber. Manchmal vergisst man, wie schön es sein kann, etwas zu bauen und zu basteln. Das Museum bietet ausreichend Fläche, um sich nach Herzenslust auszutoben. Während sich der eine besonders darum bemüht, dass die optischen Elemente stimmen, knobelt der andere besonders lange an diesem einen Mechanismus, der auf jeden Fall funktionieren muss.
Das Museumspersonal ist immer wieder fasziniert von den vielen Lösungswegen, die die Besucher finden, um die Hindernisse und Hürden des Parcours zu überwinden. Vor allem die ansteckende Wirkung der Kreativität und des Ausprobierens über Generationen hinweg lässt sich hier beobachten. Besucht werden kann die Ausstellung während der Öffnungszeiten des Museums. Gemeinsam kann man dann so lange tüfteln, wie die Türen der Ausstellung geöffnet sind.
Immer wieder anders
Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich auch im Kontext der zahlreichen Workshopangebote, da es besonders in der Gruppe Spaß macht, zu grübeln, sich abzustimmen und Probleme gemeinsam anzugehen und zu überwinden. Der Fokus der Workshops liegt dabei meistens auf verschiedenen Materialien, die für den Bau der Kettenreaktion verwendet werden können, wie zum Beispiel Legosteine oder Holz, mit dem zunächst große Elemente der Kettenreaktion aufwendig hergestellt werden können, bevor sie eingebaut werden. Aber auch unter Oberthemen wie Müll oder Elektrizität kann die Herausforderung im Rahmen der meist circa zweistündigen Kurse immer wieder neu erlebt werden. Verbunden werden die Workshops immer mit einer Führung durch die Ausstellung. Die meiste Zeit können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber mit Tüfteln und Ausprobieren verbringen. Auch der Schwierigkeitsgrad wird je nach Alter angepasst.
Groß ist die Fläche nicht, auf der die Ausstellung aufgebaut ist. Wer sich sputet, kann die Räumlichkeiten vermutlich innerhalb von gut 15 Minuten durchqueren. Wer sich aber darauf einlässt, kann hier so einiges, vielleicht auch Altbekanntes neu entdecken. Egal in welchem Alter oder mit welchem Material man sich den Herausforderungen des Parcours stellen mag, Spaß bringt das Tüfteln auf jeden Fall. Vielleicht nimmt man etwas von der hier angeregten Kreativität auch mit nach Hause und erweckt dort seine eigene Kettenreaktion zum Leben.
Die Ausstellung „Probiert? Kapiert!“ kann unabhängig von einer Führung durch die Räumlichkeiten der ehemaligen Tuchfabrik besucht werden. Sie befindet sich auch nicht direkt in den Hallen der alten Industriefabrik. Wer möchte, kann seine Erkundung der Ausstellung aber durch eine Führung in der Tuchfabrik ergänzen.
Die Ausstellung wurde bis zum 2. November 2025 verlängert. Ein Blick auf die Website des Museums lohnt sich immer wieder, da das Workshopangebot stetig wechselt. Der reguläre Besuch ist für alle unter 18 Jahren kostenlos.
Für die Teilnahme an den Workshops ist eine vorherige Anmeldung notwendig. Natürlich können sich auch Schulklassen anmelden.
LVR-Industriemuseum
Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Straße 25b
53881 Euskirchen
Öffnungszeiten
Di-Fr 10:00-17:00 Uhr
Sa, So, Feiertage 11:00-18:00 Uhr
Mo geschlossen
Für Schulklassen öffnet das Museum auf Anfrage schon um 09:00 Uhr.
Vom 23.12.2024 bis einschließlich 01.01.2025 bleibt das Museum geschlossen.
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