Schon mal in einem Baumhaus geschlafen? Sue Herrmann hat es ausprobiert – im neuen Naturerlebnispark Panarbora in Waldbröl.
Bei der Anreise mit Kind & Kegel – in Form von zwei Mamas und zwei Jungs, beide neun Jahre alt – stieg die Spannung von Kilometer zu Kilometer. Weit ist es ja nicht bis ins Bergische Land, von Köln aus knappe 60 Kilometer. Mit dem Auto, egal ob über die A3 oder die A4, ist man in einer guten Stunde da. Es gibt allerdings auch eine eigene Bushaltestelle direkt vor der Haustür, womit der Naturerlebnispark also auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist.
Omnipräsenter Aussichtsturm
Am Ende der Auffahrt, nicht zu übersehen mit 40 Metern Höhe, erblickten wir als Erstes den Aussichtsturm. Mutet er architektonisch auch ein wenig wie ein Parkhaus an, hat man sich schnell an die Optik gewöhnt, denn seine Präsenz ist quasi allgegenwärtig. An der Rezeption hieß man uns herzlich willkommen und händigte uns den Schlüssel zum Baumhaus Nr. 3 aus, nebst Lageplan, denn weitläufig ist das Gelände bei acht Hektar allemal – das entspricht immerhin ungefähr der Größe von elf Fußballfeldern! Der erste Blick auf unser neues Zuhause sorgte leider für hängende Schultern. In unseren kühnen Träumen hingen die Baumhäuser hoch oben im Wipfel, maximal mit einer Strickleiter zu erklimmen. Aber weit gefehlt – aus der Ferne erschienen die Häuser wie ganz normale Blockhütten, zu einem kleinen Dorf gruppiert. Als wir näherkamen, erkannten wir allerdings, dass man die Hütten zwar ebenerdig betritt, selbige aber auf Pfählen stehen, die wiederum in einem Waldabhang verankert sind.
Schlichtes und modernes Design
Kaum hatten wir unsere Behausung betreten, waren alle Zweifel verflogen – hier würden wir uns definitiv wohlfühlen! Ein schlichtes, modernes Design, welches immer wieder einzelne Baumelemente aufgreift, viele natürliche Materialien, helles Holz und freundliches Grün überwiegen. Bequeme Stockbetten, wobei jede Koje ihr eigenes Fenster mit Blick in die Bäume bzw. ins Unterholz hat, eine gemütliche Sitzecke, ein modernes Bad und sogar eine eigene kleine Terrasse mit Bierbankgarnitur. Bettwäsche und Handtücher werden übrigens gestellt und Stauraum gibt’s ausreichend in Form von ausziehbaren Schubladen unter den Betten. So, Baumhaus ausreichend inspiziert und Betten bezogen. Jetzt aber raus in die Natur – der Aussichtsturm lockt!
Zwischen Wipfeln wandeln
Ordentlich hoch und völlig barrierefrei ziehen wir unsere Kreise und wandeln auf dem Baumwipfelpfad durch die Bäume. 1.635 Meter lang auf Augenhöhe mit den Wipfeln, teils unterbrochen von weiten Blicken in die umliegende Landschaft. Der Rundweg bietet zudem verschiedene Lerninseln zum Thema Waldökologie, die alle Altersgruppen ansprechen. Dass hauptsächlich die mit den interaktiven Bildschirmen von unseren Jungs bevölkert wurden, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen … Der Baumwipfelpfad hat uns sehr beeindruckt. Noch imposanter ist das Ganze sicherlich mit einer Führung durch die Naturpark-Gästeführer. Dieses Angebot steht DJH-Mitgliedern kostenfrei zur Verfügung. Letzter Aufstieg ist übrigens um 17:15 Uhr – danach, also um 18 Uhr, schließt der Baumwipfelpfad seine Tore – pünktlich zum Abendessen für die Jugendherbergsgäste.
Gegen den Hunger
Auch das Restaurant ist freundlich und modern eingerichtet. Schade nur, dass die hellgrünen Polster schon öfters mit Kakao die Bekanntschaft gemacht zu haben scheinen … Wem das warme Gericht nicht mundete – es gab Nudeln mit Gulasch oder Tomatensoße, der konnte auch auf Brot mit Aufschnitt oder Käse ausweichen. Spätestens beim Nachtisch waren die meisten Geschmäcker aber wieder vereint: Milchreis! Und wer Hagebuttentee fürs optimale Jugendherbergsfeeling braucht, der war mit Pfefferminz- und Früchtetee schon sehr gut bedient. Wasser, Softdrinks, Smoothies, Bier und Wein standen aber ebenfalls in der Kühltheke bereit – selbst der Espresso zum Abschluss fehlte nicht! Herbergsidylle kam dann erst wieder nach dem Essen auf, beim „alle Essensreste in einen Eimer kippen“ und „Tisch mit einem Lappen für alle abwischen“.
Private und öffentliche Bereiche
Nachtruhe ist hier um 22 Uhr, wir hatten also noch Zeit genug zum Gelände-Erkunden bei einem Verdauungsspaziergang. Auf die Themen-Dörfer konnten wir leider nur einen Blick aus der Ferne werfen – afrikanisch anmutende Lehmhäuser, südamerikanische Stelzenhäuser sowie asiatische Rund-Jurten –, denn alle globalen Dörfer sind exklusiv für DJH-Übernachtungsgäste und nicht frei zugänglich. Auch unser Baumhausbereich war eingezäunt, um die Privatsphäre zu schützen. Hingegen sind der Abenteuer-/Wasserspielplatz, der Hecken-Irrgarten, der Sinnesparcours, der Beachvolleyballplatz, der Spieltunnel sowie die Kleinkinder-Indoor-Spielecke mit Brio-Bahn und Kinderküche für alle Tagesgäste des Naturerlebnisparks offen. Unser Fazit: Ein interessantes Ausflugsziel! Sehr schön geplante Anlage, die sicherlich mit der Zeit, wenn alle Pflanzen angegangen und die Hecken im Irrgarten Fuß gefasst haben, noch schöner wird. Ein bisschen Patina hier und da verleiht dem Park dann sicherlich noch einen ganz eigenen Charme. Wir haben es sehr genossen, ohne Fernseher, Nintendo und Wii U bis tief in die Nacht Phase 10 und Skipbo zu spielen, um dann bei prasselndem Regen über unseren Köpfen einzuschlummern … dankbar für die Holzplanken statt der Zeltplane – Baumhäuser haben halt doch ihre Vorteile!
Jugendherberge Waldbröl
„Panarbora“, Nutscheidstraße 1, 51545 Waldbröl
02291 9865-0
www.panarbora.de
Foto: D. Ketz / Panarbora
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