Teddyklinik im D-Hof – wir haben vorbeigeschaut

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Der Teddybär muss zum Arzt! Ein Szenario, das sich so bestimmt schon in jedem Kinderzimmer mit einem plüschigen Gefährten abgespielt hat, wurde im November an zwei Tagen im D-Hof in Aachen Realität. Eine Teddyklinik mit echten Ärztinnen, Krankenschwestern und Rettungssanitätern! Das ist mehr als nur eine süße Idee, denn den Kindern soll auf diese Weise die Angst vor einem Arztbesuch, egal welcher Art, genommen werden. Und ganz nebenbei lernen die Kinder auch, besser zu verstehen, was der Arzt mit seinen ganzen Instrumenten eigentlich so anstellt. Eine gute Portion Spaß gab es dabei noch obendrauf.

Der D-Hof stellt sich vor

Die Einrichtung Driescher Hof in Aachen können täglich Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 27 Jahren besuchen und an den vielfältigen kostenlosen Angeboten teilnehmen. Einige Kinder kommen beinahe jeden Tag nach der Schule in den D-Hof, treffen Freunde, kochen, werden kreativ oder sportlich aktiv. Die Einrichtung liegt mitten im Stadtteil Driescher Hof, einem Sozialraum, der von verschiedenen Ausprägungen der Armut betroffen ist. Fast jedes zweite Kind wächst hier, gemessen an der Quote von Kindern, die von Sozialgeld leben, in Armut auf. Dabei ist das Ziel der Einrichtung nicht nur, Kinder beim Erwachsenwerden zu unterstützen und ihnen einen sicheren Raum zu bieten, sondern auch, eine Beratungs- und Anlaufstelle für deren Familien zu sein.
Die Teddyklinik ist ein kostenloses Angebot, das sich primär an die Kinder zwischen sechs und zehn Jahren richtet, die regelmäßig den D-Hof besuchen oder eine der beiden offenen Ganztagsschulen (OGS Driescher Hof und OGS am Rödgerbach), mit denen die Einrichtung zusammenarbeitet. Die Klinik ist Teil der Gesundheitswoche, die vom 03.11. bis zum 07.11.2025 stattfand. Dazu gehörten abgesehen von der Teddyklinik, die Montag und Dienstag stattfand, z. B. ein Kochkurs für gesunde Snacks oder auch ein Erste-Hilfe-Kurs, in dem die Kinder unter anderem lernen konnten, wie man einen Notruf absetzt oder Wiederbelebungsmaßnahmen durchführt.

Teddyklinik? Was ist das eigentlich?

In drei großen Kisten wartet ein kuscheliges Meer von Pandabären darauf, von den Kindern zu ihrem Arztbesuch abgeholt zu werden. Aber bevor es losgehen kann, muss für den pelzigen Patienten, so wie es sich gehört, natürlich zuerst eine Patientenakte angelegt werden. Diese füllt sich an sieben Stationen nach und nach mit Stempeln. An den verschiedenen Punkten warten die neun ehrenamtlich helfenden Ärztinnen, Krankenschwestern und Rettungssanitäter auf die Kinder. Sie untersuchen beim Teddy etwa Lunge und Herz, nehmen Blut ab oder versorgen Brüche und Verletzungen, die auf Röntgenbildern festgestellt wurden. An den Stationen wird nicht nur untersucht, sondern Mitmachen und Ausprobieren ist angesagt. Fasziniert stellen die Kinder fest, dass man mit einem Stethoskop ja tatsächlich den Herzschlag hören kann, lernen unter fachkundiger Anleitung an ihrem Panda, wie man einen Verband anlegt, und können auch sich selbst einmal mit dem Otoskop gründlich gegenseitig die Ohren untersuchen.
Besondere Begeisterung ruft bei den Kindern der Krankenwagen der Johanniter hervor, der auf dem Hinterhof des D-Hofs parkt. In ihm können die Kinder ihren Puls messen, sich ihren Herzschlag auf einem großen Bildschirm ansehen, dem Teddybären eine Atemmaske anlegen und selbst einmal auf der Liege des Krankenwagens Platz nehmen.

Foto: Maike Wintgens

Von der Idee zur Umsetzung

Ideengeberin für die Teddyklinik ist Frau Dr. med. Lina Niebes. Sie arbeitet in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Stolberg. In ihrem beruflichen Alltag bekommt sie immer wieder mit, wie Kinder ängstlich oder verunsichert beim Arztbesuch sind. Im Extremfall kann diese Angst dazu führen, dass ein Arzt nur noch im Notfall aufgesucht wird. Dem soll in der Teddyklinik entgegengewirkt werden. In entspannter Atmosphäre können die Kinder mit dem medizinischen Personal auf Schnupperkurs gehen. Mit Rückendeckung durch ihren kuscheligen Gefährten können sie positive Erfahrungen sammeln und auf spielerische Weise lernen, was, wie und warum etwas bei einer Untersuchung eigentlich passiert.

Das D-Hof-Team war von der Idee sofort begeistert, berichtet Leiterin Sandra Jansen. Die ehrliche Leidenschaft für das Projekt merkt man den Organisatoren deutlich an. Auch eine Nachtschicht in der Klinik hält Frau Dr. Niebes nicht davon ab, pünktlich zum Öffnen der Türen der Teddyklinik lächelnd die ersten verzagt eintretenden Kinder in Empfang zu nehmen.
Und die Idee geht auf! „Alle sind so nett hier!“, sagt die neunjährige Atla, während sie mit ihren Freundinnen Melina (9) und Julina (9) diskutiert, was ihnen in der Klinik am besten gefällt. Das Stethoskop, bei dem gleich zwei Personen den Herzschlag hören können? Die Teddybären oder die bunten Pflaster? Schließlich können sie sich auf den Krankenwagen einigen und berichten begeistert von den verschiedenen Arten von Decken, die auf einer Krankenliege zum Einsatz kommen können, und davon, wie sie das Beatmungsgerät benutzen durften. Bei den dreien hat das Konzept von Erleben, Lernen, Spaßhaben auf jeden Fall funktioniert.

Nachdem die Kinder zu ihrer Zufriedenheit alle Stationen erkundet haben und ihre Fragen beantwortet wurden, kann jedes Kind eine kleine Kulturtasche mit allen möglichen Hygieneprodukten und natürlich auch den tapferen Panda, der sie durch alle Stationen begleitet hat, mit nach Hause nehmen. Sie verlassen den Hof um eine schöne Erfahrung und viel neues Wissen reicher.

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