StädteRegion Aachen: Ergebnisse der Umfrage „Homeschooling 2.0“

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Durch die Corona-Pandemie ist es zu großen Veränderungen im privaten wie auch im beruflichen Umfeld gekommen. Es wurde während und nach dem ersten Lockdown viel über die Rolle von Frauen in der Pandemie gesprochen. Nach Meinung vieler Expertinnen und Experten wurde durch die Homeoffice-Situation und die Schließungen der Schulen die klassische Rollenaufteilung zwischen Frauen und Männern wieder bestärkt, was die Entwicklungen bei der Gleichstellung der Geschlechter Jahrzehnte zurückgeworfen habe. Aus diesem Anlass hat das Frauennetzwerk der StädteRegion Aachen im Februar eine Umfrage durchgeführt, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in der StädteRegion zu erfassen. Passend zum Frauentag am 8. März wurden die Ergebnisse vorgestellt und sind auch auf der Webpage des Frauennetzwerks abrufbar.

Die 35 Fragen der Umfrage hatten zum Ziel, herauszufinden, wie Familien mit dem Lockdown umgehen, wie es dabei um die Partnerschaftlichkeit bestellt ist und wie die Befragten mit den digitalen Veränderungen umgehen. Auch wurden die Veränderungen zur vorherigen Umfrage zum zweiten Lockdown, die vor einem halben Jahr durchgeführt wurde, berücksichtigt.
743 Teilnehmende, davon 86 % aus Stadt Aachen und StädteRegion Aachen, haben den Online-Fragebogen ausgefüllt. 52 % waren zum Zeitpunkt der Teilnahme zwischen 40 und 59 Jahre alt, 33 % zwischen 30 und 39, 8 % zwischen 18 und 29 und 7 % waren über 60 Jahre alt. 87 % der Befragten sind weiblich. Die Tätigkeitsbereiche, denen sich die meisten Befragten bei Abfrage der Branchenzugehörigkeit zuordnen, sind der Bereich Verwaltung/Justiz mit 21 % und der Bereich Sozialwesen/Erziehungsdienst mit 17 %. Die meisten befragten Frauen geben an, in Vollzeit oder Teilzeit zu arbeiten, wobei mehr Frauen angeben, in Teilzeit tätig zu sein.

Der jetzige Lockdown wird als härter empfunden als der vergangene

Mehr als die Hälfte der Befragten (57 %) empfindet den Ergebnissen zufolge den momentanen Lockdown härter als den Lockdown im vergangenen Frühjahr. Neben einer gewissen Corona-Müdigkeit und Gefühlen der Vereinsamung sind schlechtes Wetter, eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten, ein allgemeines Gefühl, durch das lange Andauern der Pandemiemaßnahmen „ausgebrannt“ zu sein, und die gestiegenen Erwartungen beim Homeschooling Gründe für dieses Empfinden. So lautet die Aussage eines/einer Teilnehmenden: „Ich muss Extraschichten arbeiten, versorge COVID-Patienten und muss um 15 Uhr gleichzeitig an Schule und Kindergarten sein. Ein Stress, der sehr schlecht auszuhalten ist …“
62 % der Befragten empfinden laut Umfrage die aktuelle Corona-Krise als stark oder sehr stark belastend. Einen klaren Unterschied kann man hierbei nicht bei den Geschlechtern nachvollziehen, sondern zwischen Personen mit und ohne betreuungspflichtige Kinder.

Veränderungen im Arbeitsalltag und unterschiedliche Wahrnehmungen des Frauenbilds

Bei der Abfrage der Veränderungen des Arbeitsalltags im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie ist die häufigste angegebene Veränderung/Beeinträchtigung für alle Teilnehmenden das Fehlen sozialer Kontakte (79 %), dicht gefolgt von dem geänderten Tages- bzw. Wochenablauf (69 % bzw. 58 %), wobei es hier einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern und der Erziehungsaufgabe gibt.
48 % der befragten Mütter und 41 % der befragten Väter erachten Homeoffice/mobiles Arbeiten als sinnvoll, finden aber, dass dies nicht als Dauerlösung funktioniere. Bezeichnenderweise geben nur 35 % der Mütter an, dass sie die Zeit im Homeoffice effektiv nutzen können, bei den Vätern sind es hingegen über 70 %. Auch geben nur 36 % der Väter an, dass sie die Homeoffice-Arbeit nicht gut mit der Kinderbetreuung vereinbaren können, während es bei den Müttern 54 % sind. 32 % der Mütter geben an, dass sie die klassische Rollenaufteilung im Homeoffice erleben würden. Nur 3 % der Väter sehen das auch so. 42 % der Väter haben das Gefühl, dass sie die Bindung zu den Kindern im Homeoffice verbessern konnten, bei den befragten Müttern geben dies nur 18 % an. Einen Rückschritt in das traditionelle Frauenbild befürchten 58 % der Frauen, jedoch nur 22 % der Männer. Dieses Auseinanderklaffen der Einschätzungen war schon in der ersten Umfrage erkennbar.
Dass Homeoffice zufriedener macht, bestätigen 35 % der Befragten, ein weiteres Drittel fühlte sich jedoch unzufriedener und das restliche Drittel bemerkt keine Veränderung. Hervorzuheben ist, dass nur 24 % der Mütter angeben, zufriedener zu sein, und sich sogar 41 % unzufriedener fühlen. Bei den Männern ist es umgekehrt: 21 % der Väter fühlen sich unzufriedener und 48 % gar zufriedener.

Schulschließungen, Kinderbetreuungsfragen und Forderungen an die Politik

Eine zentrale Frage war die nach der Betreuung während der Kita- und Schulschließungen. Einen deutlichen Wahrnehmungsunterschied ergab die Frage, wer sich überwiegend um die Kinderbetreuung kümmere. 62 % der Mütter geben an, dass sie sich hauptsächlich um die Kinderbetreuung kümmern, während 57 % der Väter der Ansicht sind, dass sich beide Elternteile in gleichem Maße dieser Aufgabe widmen.
Zum Thema Kita-und Schulschließungen wurde auch nach dem Verständnis für das Vorgehen der Politik gefragt. 68 % der Mütter und 50 % der Väter geben an, Verständnis zu haben bzw. gehabt zu haben für die Politik, wünschen sich aber einen stärkeren Fokus auf die Bedürfnisse der Kinder und der Eltern. Die Forderung, der mit den 64 % die meisten der Befragten zustimmen, ist, dass der Ausbau der Digitalisierung an Schulen vorangetrieben werden müsse.

Die Lage bei vielen Familien mit Kindern bleibt stressig und angespannt

Auch das Thema häusliche Gewalt wurde abgefragt. 83 % der Befragten denken, dass die Situation in den Familien bezogen auf häusliche Gewalt angespannt oder äußerst angespannt ist. So lautet hier eine der Antworten: „Die Situation spitzt sich in vielen Familien zu. Jobverluste, ein Mangel an Perspektive und andauernde Isolation sowie fehlende Betreuungsmöglichkeiten und Auszeiten fordern Eltern und Kinder sehr stark heraus, sodass alltägliche Streitsituationen schneller eskalieren.“ In der Bewertung der Situation hat sich gegenüber der ersten Umfrage nicht Wesentliches geändert, was bestätigt, dass besonders Familien mit Kindern seit über einem Jahr in einer ausgesprochen angespannten und stressigen Situation leben.

Das Frauennetzwerk zieht aus der Befragung folgendes Resümee:

1. Homeoffice braucht einen klaren rechtlichen Rahmen.
2. Homeoffice hilft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erhöhen, sofern ausreichende Kinderbetreuung vorhanden ist.
3. Unternehmen können sich einen Wettbewerbsvorteil durch Familienfreundlichkeit schaffen.
4. Kinderbetreuung und Sorgearbeit liegen immer noch stark in der Verantwortlichkeit der Frauen. Um dies zu verändern, müssen alle familienpolitischen Instrumente, z. B. Ehegattensplitting und Elternzeit, auf paritätische Aufgabenverteilung ausgerichtet sein.
5. Ein einfacher Zugang zu Lohnersatzleistungen wird benötigt.
6. Die Schule muss in Zukunft digitaler sein.
7. Die Beratungsstrukturen und Therapieangebote müssen gestärkt werden.

 

Bericht online unter: frauennetzwerk-aachen.de
Umfrage durchgeführt von: Sabine Bausch, Ann-Katrin Steibert, Silke Tamm-Kanj

 

Zur Situation der Kinder- und Jugendlichen gibt die aktuelle COPSY-Studie aus Hamburg Aufschluss, wir haben in der Kinder- und Jugendpsychiaterie in Aachen nachgefragt:

 

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