Gesellschaftsspiele ausprobiert: The Key, Pictures (Spiel des Jahres) und Speedy Roll (Kinderspiel des Jahres)

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The Key – Raub in der Cliffrock Villa

Wir sind den Tätern auf der Spur
Hoch über dem Meer thront die luxuriöse Cliffrock-Villa und trotzt dem Unwetter, das gerade tobt. Das ist die Gelegenheit für die drei Meisterdiebe, die schon seit Wochen ihren Raubzug vorbereitet haben, die wertvollen Kunstgegenstände, die in der Villa aufbewahrt werden, in ihren Besitz zu bringen. Zu Beginn scheint es auch für jeden einzelnen Ganoven gut zu laufen. In die Villa eindringen – kein Thema, den Kunstgegenstand rauben – ein Kinderspiel, doch das Unwetter haben alle unterschätzt. Die Flucht misslingt und alle drei Einbrecher werden von der Polizei festgenommen. Doch hier beginnen die Probleme. Alle drei schweigen bei der Befragung und ohne sichere Beweise müsste man sie wieder auf freien Fuß setzen.

Das ist die Stelle, an der wir in das Spiel einsteigen. Wir schlüpfen in die Rolle von Ermittlern und müssen durch cleveres Kombinieren von Hinweisen den Tätern ihren Einbruch nachweisen. Auf dem Tisch vor uns liegen 140 Hinweiskarten mit Fingerabdrücken, Zeugenaussagen, Bildern der Überwachungskameras und Fundstücken vom Tatort. Zusätzlich bekommt jeder einen Sichtschirm, der dazu dient, die Hinweise auszuwerten, eine Ermittlungsakte und einen Folienstift. Wir spielen alle gleichzeitig und starten damit, dass wir uns aus dem Kartenberg einen Hinweis heraussuchen und ihn auswerten. Dann nehmen wir uns den nächsten Hinweis usw., bis wir den Tätern auf die Spur gekommen sind.

Ziel ist es, herauszufinden, wann welcher Einbrecher welchen Gegenstand gestohlen hat und wie er fliehen wollte. Hierbei gibt es sehr konkrete Hinweise wie z.B. die Bilder der Überwachungskameras oder die Fingerabdrücke. Man erfährt, zu welcher Uhrzeit eine bestimmte Person den Raub begangen oder welchen Gegenstand sie geklaut hat. Diese Hinweise kosten viel Zeit (Ermittlungspunkte). Andere Hinweise sind eher allgemeiner gehalten, schneller ermittelt und kosten weniger Ermittlungspunkte. Beispielsweise sagt ein Zeuge aus, dass er eine Person in einem blauen Anzug hat fliehen sehen. Für uns bedeutet dies, dass der Einbrecher entweder einen blauen Taucheranzug oder einen blauen Pilotenoverall getragen hat. Diese Hinweise lassen uns bestimmte Dinge ausschließen, liefern aber keine endgültigen Tathergänge und müssen mit weiteren Tipps kombiniert werden.

Wenn ein Spieler glaubt, die Täter überführt zu haben, erhält er einen dreistelligen Zahlencode, mit dem er sein Ergebnis überprüfen kann, und darf als schnellster Ermittler noch eine Hinweiskarte ablegen. Alle anderen Spieler ermitteln weiter, bis auch sie zu einem Ergebnis kommen. Alle Spieler, die richtig ermittelt haben, haben die Chance, das Spiel zu gewinnen. Sie zählen die Punkte auf den Hinweiskarten zusammen und der Spieler mit den wenigsten Ermittlungspunkten gewinnt das Spiel, weil er am effizientesten ermittelt hat.

Ein tolles Spiel für alle, die 
gerne rätseln
HABA hat mit „The Key – Raub in der Cliffrock Villa“ ein Spiel veröffentlicht, das man so bei HABA nicht direkt erwartet hätte und das wirklich zu begeistern weiß. Der Autor Thomas Sing ist auch kein Unbekannter mehr, seitdem er dieses Jahr mit „Die Crew“ den Preis „Kennerspiel des Jahres“ gewonnen hat. Die Regeln sind leicht zu verstehen. Allerdings sollte man sich den Tathergang und die Beschreibung sehr genau durchlesen, da hier wichtige Details für die spätere Ermittlung genannt werden. Das Spiel liefert neun verschiedene Lösungsvarianten und bietet somit einen hohen Wiederspielreiz. Es ist auch fast unmöglich, sich jede Lösungskombination zu merken, sodass man das Spiel beliebig oft spielen kann.

Das Rätseln ist das Spannende an dem Spiel. Startet man mit einem konkreten und teuren Hinweis, um schnell erste wichtige Informationen zu sammeln, oder probiert man sein Glück mit allgemeineren Hinweisen, die vielleicht gut kombiniert werden können? Am Anfang passen die Hinweise noch nicht zueinander und es fehlt der entscheidende Tipp. Vor uns liegen die Karten und man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Die anderen Spieler rätseln ebenfalls und nehmen sich Hinweise. Fehlt einem selber dadurch später die entscheidende Karte? Man wühlt in den Hinweiskarten und sucht eine Zeugenaussage zur Beute. Dann zieht man den entscheidenden Tipp und auf einmal passt alles zusammen. Dieses Gefühl, wenn man der Lösung immer näher kommt und durch cleveres Kombinieren das Rätsel erfolgreich löst, macht den Reiz des Spiels aus. Natürlich kann es auch passieren, dass man Informationen bekommt, die schon bekannt waren. Ein gewisser Glücksfaktor ist auf jeden Fall dabei. Da das Spiel aber schnell gespielt ist, ist es in keiner unserer Spielrunden bei nur einer Partie geblieben. Für Freunde und Fans von Rätselspielen auf jeden Fall eine Empfehlung.

In der Reihe „The Key“ sind bereits drei Spiele bei HABA erschienen. „Raub in der Cliffrock Villa“ und „Sabotage im Lucky Lama Land“ haben den Schwierigkeitsgrad leicht und „Mord im Oakdale Club“ hat den Schwierigkeitsgrad mittel.

The Key – Raub in der Cliffrock Villa
Verlag: HABA, Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: ca. 15 Minuten
Spieleranzahl: 1-4 Spieler
Autor: Thomas Sing
Illustrator: Timo Grubing
Preis: 19,90 Euro

Pictures – ein Spiel für die ganze Familie

Das Spiel „Pictures“ des PD-Verlags ist das diesjährige „Spiel des Jahres“. Wer die Schachtel das erste Mal öffnet, wird mit ungewöhnlichem Spielmaterial konfrontiert. Man findet Schnürsenkel, Bauklötze, farbige Würfel, Stöckchen, Steine und Symbolkarten vor. Klassische Würfel oder ein Spielbrett sucht man bei „Pictures“ vergeblich.

So wird Pictures gespielt
Das bereits erwähnte Spielmaterial sind fünf unterschiedliche Sets, mit denen die Spieler versuchen müssen, Fotos darzustellen. Zu Beginn des Spiels werden 16 Fotokarten in einem Raster von 4 x 4 ausgelegt und mit Koordinaten versehen (A bis D und 1 bis 4). Jeder Spieler erhält eins der Materialsets. Im nächsten Schritt ziehen alle Spieler aus einem Säcken ein Plättchen mit den Koordinaten zu einem Foto. Die Aufgabe der Spieler besteht jetzt darin, das gezogene Foto mit Hilfe der Materialsets darzustellen. Wenn alle Spieler damit fertig sind, startet der zweite Teil. Alle Spieler schauen sich die Kunstwerke der Mitspieler an und müssen tippen, welches Foto dargestellt wurde. Danach folgt die Auflösung und die Spieler erhalten für richtige Tipps Punkte. Im Anschluss werden die Materialsets an den Nachbarn weitergereicht und die nächste Runde beginnt. Insgesamt werden fünf Runden gespielt, sodass jeder Spieler jedes Materialset einmal kreativ zum Einsatz bringt. Am Ende gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

Gewinnen ist nur zweitrangig
Wer bei „Pictures“ am Ende den Sieg nach Hause trägt, ist eher zweitrangig. Es ist vielmehr der kreative Einsatz der Materialien und das anschließende Interpretieren und Erraten der geschaffenen Kunstwerke, die den Reiz und den Spaß von „Pictures“ ausmachen. Nehmen wir z. B. die beiden Schnürsenkel. Es kann schon sehr herausfordernd sein, damit ein Foto darzustellen. Ein Stück des Schnürsenkels soll schnurgerade liegen und dann in eine sanfte Kurve übergehen, weil man eine bestimmte Form darstellen will. Umso schöner ist das Erfolgserlebnis, wenn die Mitspieler das dargestellte Foto erkennen und man sich als Künstler verstanden fühlt.

In den seltensten Fällen hält es die Spieler auf ihren Plätzen. Wenn es darum geht, die Tipps abzugeben, stehen meist alle auf, gehen um den Tisch herum und versuchen, aus der besten Perspektive die Darstellungen und Fotos in Augenschein zu nehmen. Am liebsten würde man laut fachsimpeln und muss sich dies verkneifen, um den Mitspielern keine Hinweise zu liefern. Wenn es dann zur Auflösung kommt, gibt es zumeist ein lautes „Oh“ oder „Ah“ und die Spieler, deren Fotos nicht richtig zugeordnet wurden, erklären den anderen Mitspielern, was diese übersehen haben.

„Pictures“ ist ein Spiel für die gesamte Familie und hat zu Recht die Auszeichnung „Spiel des Jahres“ gewonnen. Die Regeln sind schnell und einfach erklärt und man kann direkt losspielen. Das besondere Material lädt dazu ein, seine Ideen kreativ umzusetzen. Dadurch dass alle Spieler gleichzeitig spielen, kommt keine Langeweile auf.

Wer regelmäßig zu Weihnachten das „Spiel des Jahres“ verschenkt, kann auch in diesem Jahr davon ausgehen, dass am Heiligen Abend alle zusammen beim Spielen viel Spaß haben werden.

Pictures
PD-Verlag, Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: ca. 30 Minuten (kann länger dauern, wenn die Spieler sich nicht entscheiden können)
Spieleranzahl: 3-5 Spieler
Autoren: Daniela und Christian Stöhr
Preis: 38,80 Euro (online auch für ca. 30 Euro erhältlich)

Speedy Roll – das Igel-Roll-Rennen durch den Wald

Äpfel liegen im Gras, Pilze schießen aus dem Boden und das bunt gefärbte Laub fällt von den Bäumen. Der Herbst hat in den Wald Einzug gehalten und die Igel machen sich in einem Wettlauf auf den Weg nach Hause. „Speedy Roll“ ist das aktuelle „Kinderspiel des Jahres“, bei dem wir mit Hilfe eines Fusselballs versuchen müssen, Äpfel, Pilze und Blätter vom Tisch aufzusammeln. Mit den gesammelten Gegenständen können wir unseren Igel dann entlang des Waldwegs nach Hause bringen.

Rollen statt würfeln
Das Erste, was uns beim Öffnen der Schachtel ins Auge springt, ist der kleine hellbraune Fusselball. Der Fusselball ist das zentrale Spielelement und stellt einen Igel dar. Des Weiteren gehören 18 haftende Waldteile in Form von Pilzen, Äpfeln und Blättern zum Spiel. Nach dem Prinzip des Klettverschlusses bleiben die Waldteile am Fusselball hängen, wenn dieser über die Teile rollt. Zur Vorbereitung werden alle Waldteile mit der weißen, haftenden Seite nach oben auf dem Tisch verteilt.

Wir können „Speedy Roll“ entweder kooperativ oder gegeneinander spielen. Je nach Spielvariante bauen wir uns aus den Spielplanteilen den gewünschten Spielplan zusammen. Es gibt einen Startpunkt, auf dem wir die Igelfiguren platzieren, und das Ziel, das es zu erreichen gilt. Start und Ziel sind mit einem verzweigten Waldweg miteinander verbunden. Auf dem Weg sind Felder in Form der Waldteile Pilze, Äpfel und Blätter abgebildet. Um unsere Igel voranzubringen, müssen wir mit dem Fusselball über die Waldteile rollen und sie damit aufsammeln. Für jedes passend „errollte“ Waldteil dürfen wir das entsprechende Feld auf dem Waldweg betreten und kommen so dem Ziel ein Schritt näher. Es kann uns aber auch passieren, dass wir nicht das passende Waldteil errollt haben, das wir für den nächsten Schritt benötigen. Dann muss unser Igel leider stehen bleiben. Vor dem Rollen sollte man also genau schauen, welche Waldteile man benötigt, und geschickt mit dem Fusselball zielen.

Wenn wir gegeneinander spielen, gewinnt der Spieler, dessen Igel als Erster das Haus erreicht hat. In der kooperativen Variante kommt der Fuchs ins Spiel und wir benötigen nur einen Igel. Wir müssen versuchen, den Igel vor dem Fuchs ins Ziel zu bringen. Nachdem ein Spieler den Ball gerollt und den Igel gezogen hat, bewegt sich der Fuchs immer zwei Schritte weiter und verfolgt den Igel auf dem kürzesten Weg. Wenn es dem Fuchs gelingt, den Igel einzuholen, haben wir das Spiel leider verloren. Wenn der Igel es vor dem Fuchs in das sichere Zuhause schafft, haben wir gewonnen.

Der Ball bringt Abwechslung ins Spiel
Wer schon etwas Übung mit dem Ball hat, kann auch andere Varianten für das Rollen des Fusselballs ausprobieren. Der Ball darf nur mit der schwächeren Hand gerollt werden oder man muss den Ellenbogen auf den Tisch aufstützen. Letzteres führt dann zu einer Wurfbewegung und man benötigt mehr Zielgenauigkeit. Weitere Vorschläge sind das Schnippen des Balles oder das Rollen mit geschlossenen Augen. Durch die unterschiedlichen Einsatzarten des Fusselballs kann man nicht nur den Spaß erhöhen, sondern die Eltern können auch auf Augenhöhe mit ihren Kindern spielen, in dem die Eltern schwierigere Varianten wählen müssen.

Speedy Roll – ein Geschicklichkeitsspiel nicht nur für Kinder
Wenn man das erste Mal den kleinen Ball aus der Schachtel nimmt, möchte man am liebsten sofort losspielen. Besonders für Kinder hat der Fusselball eine besondere Anziehung. Statt zu würfeln, wird hier mit Geschick der Ball gerollt. Das sorgt für viel Spaß. Wenn es dann gemeinsam gelingt, den Igel sicher vor dem Fuchs nach Hause zu bringen, ist die Freude bei allen groß und man möchte direkt eine weitere Variante ausprobieren. Auch Eltern, die gerne Geschicklichkeitsspiele spielen, werden mit Sicherheit nicht Nein sagen, wenn ihre Kinder eine Runde „Speedy Roll“ mit ihnen spielen wollen. Aufgrund der einfachen Regeln ist das Spiel schnell erklärt und man kann direkt losspielen.

Speedy Roll
Verlag: Piatnik
Alter: ab 4 Jahren
Spieldauer: ca. 20 Minuten
Spieleranzahl: 1-4 Spieler
Autor: Urtis Šulinskas, Preis: ca. 20 Euro

Text und Bilder: Ingemar Reimer

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