Sommerferien in Omas Garten – wenn die Enkel zu Besuch kommen: Interview und Erfahrungsbericht

Bei Oma länger aufbleiben und sich mal so richtig verwöhnen lassen, in der Stadt ein paar Kleinigkeiten vom Taschengeld kaufen, mit Oma im Garten spielen und die Hühner versorgen oder auch einmal an Omas altem Computer spielen. Ein paar Tage mit meinem Bruder bei den Großeltern waren immer etwas Besonderes. Als wir klein waren und unser Großvater noch lebte, hat er uns gerne Geschichten vorgelesen, die meistens noch viel zu gruselig für uns waren. Ich hatte eine Zeit lang mein eigenes Huhn (das sogar grüne Eier gelegt hat), und mein Bruder hat schon als Kleinkind festgehalten: „Bei Oma muss man immer hart arbeiten.“ Damit war wohl etwas Stolz über die vielen Gartenarbeiten verbunden, die wir als kleine Kinder schon erledigen konnten. Als Jugendliche konnten wir uns gelegentlich in Omas großem Garten durchs Heckenschneiden oder die Walnussernte ein bisschen Feriengeld verdienen. Auch heute noch verbringen wir gerne einige Tage bei unserer Oma, wenn es sich einrichten lässt. Wir spazieren über die Felder, essen gut, spielen zu dritt Scrabble oder schauen einen Krimi. Wenn Oma Hilfe im Garten oder mit ihren technischen Geräten braucht, helfen wir, inzwischen natürlich, ohne dadurch Feriengeld zu verdienen.
Nach unserem letzten Besuch habe ich mich gefragt, wie sich Großeltern auf Besuche ihrer Enkel, vor allem ihrer jüngeren, wohl vorbereiten. Welche Aktivitäten plant man? Wie gestaltet man seinen Wohnraum enkelgerecht? Was tun, wenn die Kleinen trotz Vorbereitungen und eines schönen Programms doch einmal Heimweh bekommen? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mit einer Expertin auf dem Gebiet, unserer Großmutter Renate – Oma von vier Jungs –, gesprochen, die bereits viele erfolgreiche Enkelurlaube zu Hause durchgeführt hat.

Interview: Wenn die Enkel zu Besuch kommen

Du hast ja schon häufig längeren Besuch deiner Enkel gehabt, wie bereitest du dich auf einen Besuch vor?

Bevor Florian (9 Jahre) und Felix (4 Jahre) zu Besuch kommen, steht als Erstes ein Einkauf an. Für mich habe ich natürlich nicht die gleichen Lebensmittel zu Hause, die die Kinder mögen. Deshalb kaufe ich alles ein, was ich brauche, um

ihre Lieblingsessen zu kochen. Dann überlege ich mir grob, was wir während ihres Besuchs machen können. In diesen Sommerferien kommen meine beiden kleinen Enkel für eine Woche. Am Ankunftstag richte ich dann noch unser Schlafzimmer ein. Ich ziehe für die Zeit des Besuchs aus meinem Schlafzimmer im ersten Stock ins Erdgeschoss. Dort können wir nämlich alle zu dritt in einem Zimmer schlafen, Felix und ich auf dem Ausklappsofa und Florian auf einer Matratze daneben.

Wie richtest du dein Haus und deinen Garten enkelgerecht ein?

Wichtig ist für mich, dass ich im Garten und Haus alle Gefahren so gut wie möglich beseitige. Bevor Florian und Felix zu Besuch kommen, decke ich im Garten alle Wassertonnen so ab, dass man nicht hineinfallen kann. Opa hat früher gerne große Steine in den Hof und Garten gebracht, die haben wir alle so platziert, dass im Garten gut gespielt werden kann und keine Steine beim Fußballspiel im Weg liegen. Ich schneide die Büsche so zurück, dass die Wege ohne Probleme begehbar sind. Dabei achte ich darauf, die Büsche nicht nur auf meiner Höhe, sondern auf Augenhöhe der Kinder zurückzuschneiden. Natürlich schneide ich meine Rosen so zurück, dass man sich nicht an ihnen verletzt. Im Haus sorge ich dafür, dass immer Spielzeug für die Kinder vorhanden ist.

Was für ein Programm denkst du dir für die gemeinsame Zeit aus?

Wenn das Wetter schön ist, sind wir eigentlich den ganzen Tag draußen im Garten. In meinem Garten gibt es immer etwas zu tun. Wir können hier mit dem Bogen schießen, Fußball spielen oder auf den Walnussbaum klettern. Um besser auf den Walnussbaum zu kommen, habe ich zuletzt ein Kletterseil gekauft, das man am Baum anbringen kann. Felix und Florian gucken gerne im Hühnerstall nach Eiern oder helfen mir bei der Gartenarbeit. Bevor sie kommen, schaue ich, was ansteht und was wir machen können, in den Herbstferien helfen sie mir zum Beispiel bei der Kartoffelernte. Ansonsten fällt immer etwas an, letztes Mal, als sie hier waren, haben wir eine tote Maus gefunden und sie gemeinsam im Garten beerdigt, so etwas lässt sich gut aufgreifen. Nachmittags ist Zeit für eine Pause in der Hängematte oder dem Sommerbett im Hof. Wichtig ist den beiden außerdem, an einem Abend während ihres Besuchs ein kleines Feuer in meiner Feuerschale zu machen. Für die Tage im Garten brauche ich keine Planung, wir machen einfach das, worauf wir Lust haben.

Wir versuchen auch jedes Mal, einen Tag nach Jülich in die Stadt zu fahren. In Jülich gehört ein Besuch der Zitadelle fest dazu. Dort besichtigen wir den Wallgraben oder die Schule und damit Kindheits- und Jugendorte ihrer Eltern. In der Stadt bekommen die beiden ihr Feriengeld von mir, sie können sich davon selbst etwas kaufen. So verbringen wir dann immer einige Zeit in den Läden um etwas Passendes zu finden. Manchmal fahren wir auch an einem Tag in den Brückenkopf-Park. Der wurde über die letzten Jahre sehr schön hergerichtet. Dort kann man an heißen Tagen im Wasser spielen, auf den großen Wiesen herumlaufen oder ein paar Wildtiere beobachten. Dieses Jahr überlegen wir mit der Bahn einen Tagesausflug zum Rursee zu machen. Die Kinder werden dort zwar nicht schwimmen können, da ich sie dabei nicht beaufsichtigen kann, aber eine Runde am See spazieren und ein Eis am Wasser essen eignen sich auch für einen Ausflug. Sonst plane ich meist kein konkretes Programm, uns wird auch so eigentlich nicht langweilig.

Was macht ihr, wenn das Wetter mal ein paar Tage verregnet bleibt?

Wir haben auch im Haus genügend Spielsachen und Platz zum Spielen. Ich hole regelmäßig alte Spielsachen vom Speicher, um ein bisschen Abwechslung zu bieten. Neben dem Spielen mit Playmobil oder Schleich-Tieren suchen wir uns auch öfter mal ein Gesellschaftsspiel aus, das wir zu dritt spielen können. Letztes Jahr haben wir gemeinsam Kulissen für ein Puppentheater entworfen und uns gegenseitig Stücke vorgespielt. Während bei gutem Wetter der Fernseher aus bleibt, verbringen wir an einem regnerischen Tag auch mal etwas Zeit zusammen davor. Florian ist, was moderne Technik angeht, teilweise fitter als ich. Er hat mir gezeigt, wie ich an meinem Fernseher auf die Mediathek zugreifen kann. Dadurch können wir etwas Geeignetes für uns alle finden und sind nicht aufs Fernsehprogramm angewiesen. Meist schauen wir uns zusammen ein Märchen an.

Wie sieht es mit Bettzeiten und anderen Regeln aus, gelten sie wie zu Hause?

Bei mir gelten nicht die gleichen Regeln wie zu Hause. Hier gibt es keine festen Bettzeiten, wir gehen immer zu unterschiedlichen Zeiten schlafen. Das ist abhängig von unserem Tagesprogramm und wann wir müde sind. Die Kinder müssen hier schließlich nicht morgens früh zur Schule. So können wir in Ruhe ausschlafen und gemeinsam den Tag beginnen. Der Tag ist bei mir nur durch die drei Mahlzeiten Frühstück, ein warmes Mittagessen und Abendbrot strukturiert, ansonsten machen wir einfach das, worauf wir Lust haben.

Was machst du, wenn mal einer deiner Enkel Heimweh bekommt?

Ich erinnere mich nicht, dass hier einmal jemand wirklich Heimweh bekommen hat. Das liegt vermutlich daran, dass wir alle in einem Zimmer schlafen und ich auch bei ihnen zu Hause schon öfter auf sie aufgepasst habe. Dadurch sind wir aneinander gewöhnt und es entsteht kein Heimweh. Früher wurde eher manchmal eine Träne vergossen, wenn es nach wieder nach Hause ging.

Dass Tränen fließen, wenn es wieder nach Hause geht, zeigt, dass es deinen Enkeln bei dir gut zu gefallen scheint. Was gefällt ihnen am besten?

Überraschenderweise fiel den beiden, als sie von ihren Eltern gefragt wurden, was ihnen bei mir am besten gefällt, als Erstes das ausgiebige Frühstück am Morgen ein. Bei mir wird morgens in aller Ruhe gemeinsam gefrühstückt. Wir sitzen lange in der Küche zusammen, und jeder bekommt ein Ei so zubereitet, wie er es am liebsten mag. Meist gibt es ein hartgekochtes Ei für Florian und ein „Tauche-Ei“ – ein weichgekochtes Ei, in das Brotstücke getunkt werden – für Felix.

Die Zeit mit den Enkeln ist eine große Umstellung zum normalen Alltag. Wird der Besuch von kleinen Kindern nicht irgendwann zu anstrengend?

Auch wenn die Zeit natürlich ganz anders ist, genieße ich die Besuche sehr und freue mich immer wieder, meine Enkel hier zu haben. Vor allem mit zwei Kindern im Haus ist es für mich deutlich weniger anstrengend, da sie sich auch gut zu zweit beschäftigen können und nicht nur Aufmerksamkeit von mir eingefordert wird. Zu anstrengend wird es mir dabei aber so oder so nicht, auch wenn ich mich danach auf etwas Ruhe im Haus freue.

 

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