Ein Ort zum Lernen und Spaßhaben: Unser Besuch auf dem Gut Paulinenwäldchen

„Hier stinkt nichts, das ist Natur“, antwortet Ruth Basten auf die Bemerkung einer Schülerin über den Geruch auf dem Hof. Sie führt die Schulklasse herum, die wir bei ihrem Ausflug zum Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen begleiten dürfen. Die Aussage ist zweifellos wahr, hier ist alles Natur. Das Gut Paulinenwäldchen befindet sich in Aachen und wird seit 1999 bewirtschaftet. Hier leben viele Tiere, es gibt einen Hofladen, man kann eine Biokiste bestellen oder eine Patenschaft für ein Huhn übernehmen, Geburtstage feiern, verschiedene Touren für Kindergärten, Schulen sowie anderen Gruppen buchen und vor allem sehr viel lernen. Nicht ohne Grund haben wir bei dem Besuch neun Seiten Notizen gemacht (wenn auch im Format DIN A6).

Bei unserer Ankunft werden wir von Ruth empfangen – sie leitet an diesem Tag das „Nutztierprogramm“, an dem die Schulklasse teilnimmt, die wir begleiten werden. Die sechste Klasse der Viktoriaschule kommt – mit viel Energie – ebenfalls an. Wir folgen ihr auf die Klosterwiese, wo zwei Schweine, einige Hühner und eine Gruppe Tiere, die wir zuerst für Ziegen halten (was sich später als falsch erweisen sollte), leben.

Das Programm startet mit einer kleinen Abfrage, was bereits über Landwirtschaft bekannt ist. Schnell stellt sich heraus, dass die Schülerinnen und Schüler vorbereitet sind und den Unterschied zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft kennen. Gut Paulinenwäldchen betreibt ökologische Landwirtschaft, die – anders als die konventionelle – in einer Art Kreislauf funktioniert, bei dem alle Reste von Hof und Stall verwendet werden, um zum Beispiel die Äcker zu düngen oder die Tiere zu füttern. So wird der Kot der Schweine zum Düngen verwendet, die unverkauften Reste der Ernte werden wieder an die Schweine verfüttert und der Kreislauf wiederholt sich. Das ist nicht nur besser für das Wohl der Tiere, sondern auch für die Umwelt.

Als Nächstes geht es um die Haltungsformen von Hühnern. Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine soll sich überlegen, wie viele Hühner in Bodenhaltung auf einem Quadratmeter leben. Die zweite Gruppe darf in der Zeit die Schweine füttern. Wir gehen mit zu den Schweinen. Beide Tiere sind sehr zutraulich und lassen sich sogar streicheln. Die Salatblätter, die sie von den Schülerinnen der Gruppe bekommen, scheinen ihnen zu schmecken. Als wir zur ersten Gruppe zurückkehren, erklärt Ruth gerade, wie viele Hühner in Bodenhaltung, Biohaltung und – der in Deutschland verbotenen – Käfighaltung gehalten werden.

Vor der Pause gibt es noch eine Schätzfrage: Wie viele Getreidepflanzen kann man in der ökologischen Landwirtschaft auf einer DIN-A4-großen Fläche Acker anpflanzen? Es sind viel mehr, als die Schülerinnen und Schüler oder wir gedacht hätten. Definitiv ein überraschender Fakt, mehr verraten wir an dieser Stelle aber nicht.

Während der Pause befragen wir einige Schülerinnen und Schüler zu ihrer bisherigen Meinung über den Ausflug zum Bauernhof. Lara gefällt es, die Tiere so nah zu erleben, aber sie interessiert auch der Theorieteil. Anno und Awin finden den Ausflug auch gut und einer von beiden erzählt, dass er bereits den Kindergeburtstag eines Freundes hier verbracht hat und dass das eine „sehr coole Erfahrung“ war. Einer anonymen Quelle zufolge ist ihr Eindruck des Ausflugs: „Es riecht anders.“

Während einige den Geruch toll finden, ist er für andere gewöhnungsbedürftig. Wir überlegen im Anschluss an den Besuch, warum das so ist, und kommen darauf, dass der Geruch besonders denen gut gefällt, die ihn schon aus der Kindheit kennen, weil sie vielleicht neben einem Bauernhof leben.

Nach der Pause verlassen wir die Klosterwiese. Ruth weist darauf hin, dass außerhalb der Klosterwiese die Tiere nicht so gewöhnt an Kinder in ihrer Nähe sind, weshalb sie nur mit ihrer Erlaubnis gestreichelt und gefüttert werden dürfen.

Bei den Folientunneln erklärt Ruth deren viele Vorteile. Zum Beispiel speichern sie Wärme, die Pflanzen sind geschützt vor Witterung und Vögeln, außerdem ist es einfacher, das Wasser zum Gießen genau zu dosieren. In den Tunneln wachsen Salat und Radieschen. Wir erfahren, dass ein weiterer Aspekt der ökologischen Landwirtschaft ist, dass bestimmte Pflanzen zusammen besser wachsen, zum Beispiel Tomaten und Basilikum oder Gurken und Dill, daher werden sie auf dem Hof nebeneinandergepflanzt.

Von den Folientunneln aus geht es weiter zu den Schweinen. Schweine sind fast blind und deshalb sehr schreckhaft. Außerdem sind sie hochintelligent, weshalb sie sich schnell langweilen. Langeweile unter Schweinen kann dazu führen, dass sie sich gegenseitig beißen. Deswegen gibt es in der ökologischen Landwirtschaft oft in jedem Schweinestall einen Heuball oder ein ähnliches Spielzeug für sie. In der konventionellen Landwirtschaft ist das nicht so, dort werden den Schweinen die Ringelschwänze abgeschnitten, um ein Abbeißen zu vermeiden. Wir erfahren außerdem, dass nicht nur das Fleisch der Schweine verarbeitet und verkauft wird, sondern auch die Ohren als Leckerlis für Hunde oder die Borsten für Pinsel verwendet werden.

Anschließend geht es weiter zu den Rindern. Eigentlich haben alle Rinder Hörner, aber in der konventionellen Landwirtschaft werden diese abgeschnitten. Der Haltungsnutzen von Rindern beschränkt sich ebenfalls nicht nur auf das Fleisch, sondern auch die Gülle wird verwendet und in einigen Betrieben dienen die Rinder zum Ziehen von Pflügen. Ein paar Rinder stehen separat. Dabei handelt es sich um den Bullen Sven, der sich abseits befindet, damit „er nicht ständig die Kühe schwängert“. Die anderen sind die Mutterkühe und ihre wenige Tage alten Kälber. Weder Sven noch den Mutterkühen sollte man zu nahe kommen, da sie etwas aggressiv sein können, erklärt Ruth.

Einen letzten Stopp gibt es bei den Hühnern. Im Hühnerstall stehen zudem solche Tiere, die wir auf der Klosterwiese für Ziegen gehalten hatten. Dabei handelt es sich um eine afrikanische Schafrasse, die weniger Wolle hat als die Arten, die wir in Deutschland typischerweise kennen. Sie sind bei den Hühnern, um sie vor Greifvögeln zu schützen. Die Hühner legen fünf bis sieben Eier pro Woche. Ob sie braune oder weiße Eier legen, lässt sich an den Ohrläppchen erkennen: Sind sie braun, sind es auch die Eier, das Gleiche gilt bei weißen. Außerdem möglich sind grüne Eier von Hühnern mit grün-braunen Ohrläppchen.

Zurück auf der Klosterwiese werden die Schweine und Schafe aus ihren Gehegen gelassen. Sie fressen und laufen auf der Wiese herum. Uns fällt auf, wie gelassen sie mit der Nähe und Aufmerksamkeit so vieler Menschen umgehen. Außerdem fällt uns auf, dass die Schülerinnen und Schüler sogar für das Ausmisten eine überraschende Begeisterung zeigen.

Der Besuch war für uns sehr interessant und wir würden die Erfahrung definitiv weiterempfehlen.

 

Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen

Zum Blauen Stein 26-34, 52070 Aachen
0241 916069
bioland-gauchel.de

Hier findet man alle Infos zu Führungen für Kitas und Schulen, zu Kindergeburtstagen und zu Familien- und Ferienangeboten:
bioland-gauchel.de/de/biobildung

Text und Bilder: Anna Oswald (15) und Laura Steffgen (14)

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