Schöne Begegnungen mit Tieren – und ein unliebsamer Besuch in der Küche

Der Waldmeister erzählt in seiner 25. Kolumne von Urlaubsbegegnungen mit Tieren – und wer hat da sein Unwesen getrieben?
Der Beitrag ist zuerst in der KingKalli Printausgabe Oktober/November 2025 erschienen.

Erinnert ihr euch? In der letzten Kolumne habe ich erzählt, welche besonderen Tiere wir im Urlaub am Kaiserstuhl unbedingt sehen wollten. Da war der Bienenfresser, ein unglaublich bunter, tropisch aussehender Vogel, die leuchtend grüne Smaragdeidechse und der Wiedehopf. Alle drei sollte es in unserer Urlaubsgegend geben. Und zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, da hat man gute Chancen, diese und andere Tiere zu sehen.

Nun denn, wir haben uns auf die Reise gemacht, erst mit dem Zug nach Freiburg. Was für eine schöne Stadt, am besten gefallen hat uns, vor Cafés zu sitzen, mit nackten Füßen in kleinen kühlen Bächen. Von denen gibt es dort ganz viele, das wünsche ich mir auch für Aachen. Dann ging es los mit den Fahrrädern. Erst über den bei Weinfreunden beliebten Tuniberg, dann zum Kaiserstuhl, einem Berg, der aus der Zeit stammt, als am Oberrhein noch Vulkane aktiv waren. Das war im Tertiär, einem Erdzeitalter vor etwa 50 Millionen Jahren. Ganz schön lange her. In diese Gegend wollten wir auch, weil wir in der Touristen-Info Texte wie diesen gelesen hatten:

„Der Bienenfresser gräbt seine Bruthöhle, Smaragdeidechsen machen in ihrem leuchtenden Grün Jagd auf Insekten und exotisch anmutende Orchideen verzaubern die Wiesen am Kaiserstuhl. Ein Film, der nicht in den Tropen spielt, sondern direkt vor unserer Haustür.
Die Stars von diesem Film heißen Bienenfresser, Smaragdeidechse, Wiedehopf und Gottesanbeterin. Bunte Vögel singen, Insekten musizieren in einem Meer von bunten Wiesen. Auch wenn man sich wie in der Toskana oder der Provence fühlt, befindet man sich am Kaiserstuhl, der Wärmeinsel zwischen Schwarzwald und Vogesen.“

Also losgeradelt. Die ersten Überraschungen ließen nicht lange auf sich warten. Oft sieht es anders aus als bei uns. Die Sonne scheint meistens, es ist warm, in den Gärten stehen große Palmen und Bananenstauden mit Blüten. An den Bäumen dicke reife Pfirsiche und Zwetschgen. Ein wahres Paradies für meine Freundin, die so gerne Obst isst. So ähnlich stellt sie sich das Schlaraffenland vor. Und in den Obstplantagen waren sie schon, die ersten Bienenfresser. Erst konnten wir sie hören, kurze Zeit später haben wir sie auch gesehen. Auf Bäumen, auf Stromleitungen, im Flug. Kaum ein Urlaubstag verging ohne diese tollen Vögel, manchmal waren es richtig große Schwärme.

Wollt ihr mehr über diese besonderen Tiere wissen? Dann schaut mal hier: naturdetektive.bfn.de/lexikon/zum-lesen/tiere/voegel/der-bienenfresser.html

Smaragdeidechse | Foto: MichaelZobel

So ging der Urlaub weiter, fast jeden Tag neue Beobachtungen in der Natur, im Wald, auf wunderbaren Wiesen, auf tollen Wanderwegen. Von der Smaragdeidechse habe ich ein Foto gemacht, da sonnte sie sich gerade auf einem warmen Steinhaufen. Gleichzeitig flog der Wiedehopf vorbei. Der war zu schnell zum Fotomachen. Aber dafür habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt, das Fotografieren von Schmetterlingen. Gar nicht so einfach, manchmal klappen sie einfach nicht die Flügel auf, mal halten sie überhaupt nicht still. Aber ein paar schöne Bilder hab ich gemacht, hier seht ihr eins vom Bläuling, dem meine Brille besonders gut gefällt.

Bläuling | Foto: Micahel Zobel

Eine ganz wunderbare Tierbegegnung hatten wir auf einer Radtour am Fuß des Kaiserstuhls. Erst konnte ich gar nicht erkennen, wer da aus dem Gras schaut, schmaler Hals, braunes Fell, hell an der Kehle und der Brust. Und dann auf einmal zwei davon. Junge Wiesel. Sie hatten vielleicht noch nie Menschen auf Fahrrädern gesehen und hatten überhaupt keine Angst, waren komplett mit Spielen und Herumtollen beschäftigt. Ganz lange konnten wir sie beobachten, bevor sie wieder im Gras verschwanden. Was für ein schönes Erlebnis.

Wer war da zu Besuch?!

Aber nicht alle Begegnungen mit Tieren sind so erfreulich. Urlaub zu Ende, wieder zuhause in Aachen, auch da viel mit dem Fahrrad unterwegs. Ich besuchte eine Bekannte, die ganz wunderbar auf dem Land wohnt, rundherum großer Garten, Wiesen, Hecken, Wälder. Manchmal steht ein Reh unter den Obstbäumen, der Dachs schaut vorbei, der Grünspecht ist da, Igel wohnen in dieser grünen Oase.
Katzen gibt es natürlich auch. Durch die Katzenklappe können sie ins Haus, wenn sie das wollen. So weit, so gut. Aber dann: Am Morgen, meine Bekannte kommt in die Küche und traut ihren Augen kaum. Was ist denn hier los? Alles durcheinander, Schränke auf, Dosen herumgeworfen, alle Deckel auf, Berge von Müsli auf dem Boden. Und wo ist das große Schokoladenei aus Italien? Nichts mehr davon da. Das Katzenfutter komplett geleert, ein paar Tage vorher fehlten auch schon mal zweieinhalb Kilo Äpfel, die vor der Tür standen. Und der Baum mit den süßen Pflaumen war vor gar nicht langer Zeit komplett geplündert. Bei den Nachbarn gab es ein ähnliches Durcheinander in der Garage, da hatte sich jemand über die Säcke mit dem Hühnerfutter hergemacht und alles weit verstreut.

Habt ihr schon eine Idee, wer das gewesen sein könnte? Der Täter hat eine Spur hinterlassen, auf einem Foto könnt ihr sie sehen. Das ist der Pfotenabdruck vom Waschbären.

Foto: privat

Er sieht so niedlich aus mit seinen kleinen Händchen und der Zorro-Maske. Doch ähnlich wie ein maskierter Bankräuber erbeutet der Waschbär alles, was ihm vor die Nase kommt. Auch viele einheimische Tiere wie Kröten, Frösche, Vögel. Und er schaut immer öfter bei uns Menschen vorbei, in der Stadt hat er keine Feinde außer vielleicht Autos, im Wald sind es Fuchs, Marder, Wolf und Uhu. Wo kommt der Waschbär eigentlich her? Aus Mittel- und Nordamerika. Von dort aus kam er mit dem Schiff nach Europa. Im Jahre 1934 wurde Waschbär-Geschichte geschrieben: Forstmeister Wilhelm Freiherr Sittich von Berlepsch (was für ein Name!) setzte am hessischen Edersee vier Waschbären aus, um die heimische Fauna zu „bereichern“. Mittlerweile ist eine sechsstellige Zahl daraus geworden, weshalb sie heute als invasive Art (Neozoon) gelten.

Meine Bekannte hat nun die Katzenklappe ganz verschlossen, muss den Katzen daher selbst die Tür öffnen, wenn sie raus- oder reinwollen. Der Waschbär hat schon versucht, die Klappe ganz auszubauen, das hat er aber noch nicht geschafft. In der Küche soll er bitte nicht nochmal auftauchen, ich drücke die Daumen. Ein paar Bilder vom unliebsamen Besuch und seinen Spuren könnt ihr hier sehen.

Foto: privat

Das war’s für heute, ich wünsche viele angenehme Begegnungen und spannende Abenteuer in der Natur.

Bis zum nächsten Mal
Der Waldmeister Michael Zobel

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