Ronja Räubertochter – Premierenbesuch im DAS DA THEATER

Ronja Räubertochter | Foto: Lukas Dahle

„Ach, zum Donnerdrummel!“ – der signifikante Fluch von Ronja Räubertochter tönt seit der Premiere am 27. September über die Bühne des DAS DA THEATERS. Das ungestüme Mädchen ist eine der vielen Kultfiguren, die von der Autorin Astrid Lindgren geschaffen wurden. Die abenteuerliche Geschichte, die in einem fantasievollen Setting von Freundschaft und der Wichtigkeit, seine eigenen Wege zu gehen, erzählt, hat mittlerweile den Status eines modernen Märchens erreicht. Die musikalische Inszenierung der Geschichte im DAS DA THEATER richtet sich an alle ab sechs Jahren.

Ronja (Sarah Artley), die widerspenstige und vorlaute Tochter des Räuberhauptmanns Mattis (Dennis Papst) und seiner Frau Lovis (Anna van Grootel), lebt mit dessen Räuberbande auf der Mattisburg mitten im Wald. Als Ronja sich auf ihre ersten eigenen Streifzüge begibt, trifft sie dabei nicht nur auf die ihr oft nicht wohlgesonnenen Wesen, die den Wald bevölkern, wie Rumpelwichte, Graugnome und Wilddruden, sondern auch auf Birk (Timo Aust), den Sohn des Anführers der verfeindeten Borkaräuber. Zwischen den Kindern entsteht eine enge Freundschaft, die jedoch durch den Konflikt zwischen den beiden Räuberbanden überschattet wird. Als der Streit schließlich mit ungeahnter Härte auch die Kinder trifft, beschließen diese, zu fliehen und ein Leben im Wald zu führen. Doch was im Sommer als ein spaßiges Abenteuer beginnt, wird mit dem Näherrücken des Winters mehr und mehr zu einer Herausforderung.

Die Welt rund um die Räubertochter wird durch das multifunktionale Bühnenbild (Judith Meyer & Frank Rommerskirchen) sehr abwechslungsreich dargestellt. Geschickt macht es sich die für die Geschichte wichtige Teilung der Mattisburg zunutze, indem die beiden Hälften der Burg in alle Richtungen gedreht und zusammengeschoben werden können. So kann mit wenigen Handgriffen die Räuberfestung vollständig verschwinden und einer idyllischen Waldszene weichen. Auch der punktuelle Einsatz von Videowänden ermöglicht die größtmögliche Anpassung der Szenerie.
In der von ungezähmter Natur geprägten Welt der Räubertochter verleihen die magischen Bewohner des Waldes ebendieser Unberechenbarkeit der Natur Ausdruck. Jedes der Wesen findet auf seine eigene Art den Weg auf die Bühne. Handpuppen, die aus dem Boden auftauchen, geheimnisvolle Stimmen aus dem Off und Gestalten, die unerwartet über die Videowände huschen. Das Setting des Mattiswaldes erwacht auf optimale, leicht verständliche und kindgerechte Art zum Leben.

Sarah Artley als Ronja nimmt man aufgrund ihres energiegeladenen Spiels bereitwillig die Rolle der frechen, vorlauten und etwas streitlustigen Räubertochter ab. Das Stück wird mit nur vier Darstellern auf die Bühne gebracht, sodass einige Schauspieler mehrere Rollen übernehmen. Die Welt fühlt sich trotzdem zu keinem Zeitpunkt zu leer oder gar unbevölkert an. Auch die Doppelbelegung der Rollen funktioniert größtenteils sehr gut. Gerade bei der Rolle des Glatzen-Per, dem Ältesten aus Mattis’ Räuberbande, braucht man als Zuschauer mehrere Szenen, um zu bemerken, dass er ebenso wie Birk von Timo Aust verkörpert wird. Einzig bei der Rolle des Borka kann man darüber stolpern, dass dieser von der Schauspielerin Anna van Grootel dargestellt wird. Sie bringt als Lovis die sanfte und doch durchsetzungsfähige Präsenz von Ronjas Mutter sehr schön auf die Bühne, es gelingt ihr jedoch nicht, vollständig in der Rolle des Borka zu verschwinden. Für die Kinder sollte dies ihrem Spaß an dem Stück aber keinen Abbruch tun.

Die Lieder von Christoph Eisenburg, die vor allem zur Etablierung der Charaktere und zur Überbrückung längerer Zeitperioden in der Geschichte genutzt werden, bleiben aufgrund ihrer eingängigen Melodie und der einfachen Texte noch Tage nach dem Besuch des Stücks im Ohr.

Die Geschichte von Astrid Lindgren wurde für die Bühnenfassung etwas zusammengekürzt. Gerade zum Schluss wird die Fehde zwischen den beiden Räuberbanden und ihren Anführern Borka und Mattis sehr schnell und teilweise hinter den Kulissen beendet. Die zentralen Momente der Geschichte bleiben jedoch erhalten, vor allem die wichtigen Augenblicke in der Freundschaft zwischen Ronja und Birk.

Wirkt das Stück für das erwachsene Auge an einigen Stellen vielleicht etwas einfach gehalten, so lässt sich die mitreißende Wirkung, die es auf die jungen Besucher hat, nicht übersehen. Die Blicke wenden sich kaum von der Bühne und gerade die spannungsgeladenen Momente verfehlen ihre Wirkung nicht. Es wird zwischen vor die Augen geschlagenen Fingern hervorgelugt und Münder stehen weit offen. Besonders der Charakter des Glatzen-Per (Timo Aust) kommt bei den Kindern gut an. Huschen einige bei seinem Anblick wegen der Maske, die der Schauspieler trägt, noch verängstigt in die hinteren Sitzreihen zu den Eltern, so wandern ebendiese Kinder auch wieder nach vorne, wenn sie feststellen, dass der Charakter gerne Witze reißt, regelmäßig für Situationskomik sorgt und keiner Fliege was zuleide tun könnte. Diese Wirkung auf die Kinder macht das Stück zu einer klaren Empfehlung für erste Theatererfahrungen.

Das Stück kann nicht nur zu den Aufführungen im DAS DA THEATER besucht werden, sondern es kann auch von Schulen im Raum Aachen gebucht werden, um die wilde Räubertochter zu Schülerinnen und Schülern zu bringen.

DAS DA THEATER
Liebigstraße 9, 52070 Aachen

Alle Aufführungstermine unter:
dasda.de/das-da-theater/programm/spielzeit-25-26/ronja-raeubertochter

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