Ratgeber Medienkompetenz: Stiftung Warentest | Kindheit 2.0

in Digital World & Medienkompetenz, Medien

Früher hatten wir gerade mal drei Fernsehprogramme, heute sind wir einer beinahe unbegrenzten Auswahl an Kanälen, Sparten und Plattformen ausgesetzt – die Medien sind allgegenwärtig. Unsere Kinder wachsen mit ihnen anders auf als wir. Aber wie gefährdet sind sie dadurch tatsächlich?
Genau dieser Frage widmet sich das vorliegende Buch, das 2009 bei der Stiftung Warentest erschien. Geschrieben hat es der Berliner Medienjournalist Thomas Feibel, der sich seit den frühen 90ern mit dem Thema Kinder und Medien auseinandersetzt. „Kindheit 2.0 – So können Eltern Medienkompetenz vermitteln“ ist ein Ratgeber, der auf knapp 200 Seiten Sorge nehmen und Tipps geben möchte.

Wie kompetent sind wir selbst?

Dazu muss er natürlich erst die Gefahren aufzeigen. Das funktioniert hier dankenswerterweise, ohne Hysterie zu entfachen: Feibel sieht in den Errungenschaften des Internets, des Fernsehens und der Computerspiele nicht bloß das Risiko der Verdummung, sondern ebenso eine Chance – für Kinder und Eltern gleichermaßen. „Was wir tun müssen, ist uralt“, zitiert er den Medienpädagogen Professor Dr. Bernd Schorb: „Wir müssen von unseren Kindern etwas lernen. Wir müssen mit unseren Kindern zusammen sein und uns für sie interessieren.“

In vier großen Kapiteln werden das Fernsehen, Computer- und Konsolenspiele, Mobiltelefone und das World Wide Web behandelt. Der Ratgeber erörtert, worin die Faszination für Kinder und Jugendliche im jeweiligen Medium liegt. Er zeigt auf, was geboten wird, wie viel Konsum gesund ist und was Eltern tun können. Natürlich gibt es kein Patentrezept, denn jedes Kind ist anders. Deshalb werden wir Eltern hinterfragt: Wie kompetent sind wir selbst? Welches Medienverhalten lernen unsere Kinder von uns? „Medienkompetente Kinder brauchen medienkompetente Erwachsene“, heißt es im Vorwort.

Jedes Kapitel betrachtet zunächst das jeweilige Medium selbst, um es zu verstehen. Gefahren werden angesprochen (z. B. „Was tun gegen brutale Spiele?“), es werden aber auch Mythen untersucht (z. B. „Wahr oder unwahr: Machen Computerspiele dick?“). Geklärt wird zudem, was da eigentlich passiert, wenn unsere Kinder Medien konsumieren (z. B. „Was Kinder wirklich sehen“, „Woraus besteht das Spielangebot?“, „Das mobile Ich: Warum Kinder ein Handy wollen“ oder „Ganz schön was los: Was Kinder und Jugendliche im Internet machen“).
Abschließend finden sich in jedem Kapitel Vorschläge, wie man sich selbst und seine Kinder medienkompetent macht, ein Bewusstsein schafft. Etwa indem man die Bildschirmzeiten portioniert und die Kinder ab einem bestimmten Punkt in solche Entscheidungen einbezieht. Der Ratgeber fordert zur Kommunikation mit unseren Kindern auf, zum Hingucken und Mitmachen. Experten aus Medienwissenschaft, Pädagogik und auch Medizin kommen zu Wort, die sich diesem permanent aktuellen Thema mit neuesten Erkenntnissen entsprechend modern nähern.
Ein Service-Kapitel widmet sich zudem weiterführender Literatur und interessanten Links zu den verschiedenen Themenbereichen.

Keine Angst!

Dieses Buch verharmlost nicht: Selbstverständlich gibt es computersüchtige Jugendliche, Gewalt- und Pornovideos sind mit wenigen Klicks verfügbar, überhöhter Fernsehkonsum kann die Entwicklung schädigen. Gleichzeitig zeigt Feibel hier aber, dass es einen vernünftigen Umgang mit den vielen Medien geben kann: Medienkompetenz.

„Kindheit 2.0“ ist ein Ratgeber für Eltern, die Orientierung in der Medienvielfalt suchen, um sie ihren Kindern an die Hand geben zu können. Gut verständlich werden das riesige Medienangebot und seine Auswirkungen erörtert, Gefahren aufgezeigt und Lösungen angeboten. Dieses Buch ist ein Muss für suchende, aber auch für selbstbewusste Eltern. Denn es vermittelt grundsätzliches Handwerkszeug zu einem sich rasant entwickelnden Thema.

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