Radfahren in Aachen: Das Kreuz mit der Kreuzung – Mutprobe Normaluhr

in Aktuelles um die Ecke

Fahrradfahren wird in der Stadt Aachen großgeschrieben, und zwar nicht nur am Anfang, sondern auch in der Mitte. Seit 2008 versucht die Stadt mit der Kampagne „FahrRad in Aachen“, für das Rad als Fortbewegungsmittel zu werben. Erwachsene sollen animiert werden, das Auto häufiger stehen zu lassen, und auch Kinder will die Stadt dafür begeistern, den Schulweg oder die Strecke zur besten Freundin mit dem Drahtesel zurückzulegen. Im Mittelpunkt steht bei den Bemühungen natürlich stets die Sicherheit. Einschlägige Aktionen wurden durchgeführt (z. B. die Ausgabe von Sicherheitskragen mit Reflektoren an Kindergartenkinder) und Materialien für die Verkehrserziehung entwickelt. Außerdem stellt die Stadt auf ihren Webseiten Informationen für Radfahrer bereit. Dazu gehört auch die Seite fahrrad-in-Aachen.de, die sich an Kinder unterschiedlicher Altersstufen, Lehrer und Eltern richtet. Aber fühlen sich (potentielle) Radler von der Kampagne überhaupt angesprochen? Und wie sieht die Situation von Radfahrern in Aachen in der Praxis aus? Fühlen sie sich sicher, wenn sie durch die Stadt fahren? Ist die Verkehrsführung so gestaltet, dass Eltern ihre Kinder guten Gewissens alleine mit dem Rad losziehen lassen können? Wie lernen Kinder überhaupt richtig, sich im Straßenverkehr zu bewegen? Um diese Fragen zu beantworten, geht KingKalli buchstäblich auf die Straße. In dieser und den nächsten Ausgaben sprechen wir mit kleinen und großen Radfahrern, lassen uns von Fachleuten erklären, wie man sich im Straßenverkehr richtig verhält, und schauen uns kritische Stellen genauer an. Zum Start der Serie hat sich Bianca Sukrow gemeinsam mit Martin Christfreund vom Aachener ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) auf ein gefährliches Pflaster begeben.

Normaluhrquiz

„Welche Spur nehme ich diesmal? Ene mene mapp, die rechte.“ Auch ich spiele es regelmäßig: das Normaluhrquiz. Dumm nur, dass es sich bei diesem Spiel nicht um eine lustige Partie Karten handelt, sondern um eine Art russisches Verkehrsroulette. Als Radfahrerin bin ich dabei Spielerin und Spielfigur in einem. Das Spielfeld: eine Doppelkreuzung mit mindestens 12 Ampeln und gefühlten fünfzig Spuren; die Gegner: eine bunte Mischung aus PKW, LKW und Bussen; das Ziel: die Überquerung des Spielfelds; der Einsatz: Kopf und Kragen. Ich fahre seit frühester Kindheit Rad, bin recht reaktionsschnell und behalte in brenzligen Situationen meist die Nerven. Aber an der Normaluhr habe auch ich immer wieder einen erhöhten Adrenalinspiegel. Und nicht immer waren ignorante Autofahrer schuld; manchmal hatte ich auch im Nachhinein den Verdacht, dass ich mich selbst besser hätte verhalten können. Aber wie? Muss ich an der Römerstraßeninsel wirklich links vorbei, mitten auf die Busspur, oder kann ich auch neben den Fußgängern über die Ampel fahren? Darf ich in der Kurbrunnenstraße noch den alten Radweg rechts neben dem Grünstreifen benutzen oder muss ich auf der Spur neben der Fahrbahn fahren? Verlieren sich manche Spuren hier wirklich im Nichts oder ist das eine optische Täuschung? Fast jeder Teil der Doppelkreuzung stellt mich vor Entscheidungen, die ich ohne ein „Handbuch Normaluhr“ nicht treffen zu können glaube, erst recht nicht in der Geschwindigkeit, die der fließende Straßenverkehr mir vorgibt. Und damit stehe ich nicht alleine da. In der KingKalli-Redaktion diskutieren wir immer wieder über die Kreuzung. Anlässe gibt es genug; wir alle müssen die Normaluhr auf dem Weg zum Verlag um die Ecke regelmäßig passieren, aber keine von uns fühlt sich wohl dabei. Immer wieder wird eine von uns auf dem Weg zur Arbeit angehupt, ausgebremst oder sogar fast über den Haufen gefahren. Chefredakteurin Birgit Franchy und ihre Söhne, die beide die Viktoriaschule an der Normaluhr besucht haben, haben das Radfahren inzwischen sogar völlig aufgegeben. Wenn aber selbst wir als routinierte, ortskundige Verkehrsteilnehmer unsicher sind, wie soll es erst Radfahranfängern gehen oder Leuten von auswärts, die sich zum ersten Mal auf die (oder auf der?) Kreuzung verirren?

Ich ziehe einen Fachmann zurate. Martin Christfreund vom Aachener ADFC ist so freundlich, mit mir eine Runde um die Kreuzung zu drehen und mir die fraglichen Stellen zu erklären. „Um es vorweg zu schicken“, sagt Martin, „die Kreuzung ist jetzt schon viel fahrradfreundlicher als früher. Ursprünglich wurde dieser Knotenpunkt dazu optimiert, möglichst viele Autos gleichzeitig durchzuschleusen, Radverkehr hatte man damals noch gar nicht auf dem Schirm. Die Stadt hat in den letzten Jahren viel getan, um die Situation zu verbessern, und auch wir waren in den Prozess eingebunden. Allerdings sind dann einige Punkte kurz vor der Beschlusssitzung doch wieder gekippt worden, so dass wir mit manchen Stellen an der Kreuzung sehr unglücklich sind.“

Unterschied Radweg und Radschutzstreifen

Radfahren in Aachen / NormaluhrBauchschmerzen bereitet Martin und seinen Mitstreitern zum Beispiel die Abbiegesituation am Ibis-Hotel (Ecke Zollernstraße/Kurbrunnenstraße). Rechtsabbiegende Autofahrer kreuzen den Radweg, der geradeaus weiterführt. Wenn Fußgänger an der Ampel die Zollernstraße überqueren, müssen die Autofahrer natürlich warten. Das tun sie leider meistens auf dem Radweg, obwohl sie eigentlich links daneben stehen bleiben müssten, bis sie freie Fahrt haben. „Auf einem Radweg dürfen Autos weder fahren noch halten oder parken“, erklärt Martin, „allerdings kennen die meisten den Unterschied zwischen Radwegen und Radschutzstreifen nicht. Radwege sind mit einem blauen Schild mit weißem Fahrradsymbol gekennzeichnet. Bei Schutzstreifen fehlt der blaue Kreis um das Rad. Auf diesen Streifen dürfen Autos fahren, aber auch nur, wenn sie Radfahrer dabei nicht behindern.“ Radwege und Schutzstreifen unterscheiden sich aber auch noch in einem weiteren wichtigen Punkt: Radwege müssen von Radfahrern benutzt werden, Schutzstreifen nicht. In die Kategorie „Schutzstreifen“ fallen auch die neuen Linksabbiegerbuchten für Radfahrer, die an immer mehr Kreuzungen zu sehen sind.

Radfahren in Aachen / NormaluhrRadfahren in Aachen / Normaluhr

Allerdings muss ich zugeben, dass ich noch nicht ganz verstanden habe, wozu sie gut sind. Mich verwirren die ganzen Markierungen auf der Straße eher. Martin klärt mich auf: „Die Buchten sind ein zusätzliches Angebot für Radfahrer, denen es unangenehm ist, gemeinsam mit dem PKW-Verkehr über die Kreuzung zu fahren. Radler können in der Bucht warten, bis die Fußgänger- und Radfahrerampel grün zeigt, und dann gemeinsam mit den Fußgängern die Straße überqueren. Der Nachteil ist, dass man dazu eine Ampelphase mehr benötigt. Der Vorteil ist, dass Radfahrer so manchmal auch dort links abbiegen können, wo es für Autos verboten ist. Hier an der Normaluhr ist das auch so.“

Fahren nach Gefühl, statt nach Regeln

Das Ganze nennt sich dann „indirektes Linksabbiegen“. Tatsächlich kann man sich als Radfahrer aus der Zollernstraße kommend über die Buchten nach links in die Dunantstraße vorarbeiten, wenn auch mühsam und über mehrere Ampelphasen hinweg. Ich muss allerdings gestehen, dass ich bisher immer den kürzeren Weg über die Fußgängerampeln Zollernstraße und Kurbrunnenstraße/Dunantstraße genommen habe. Ich fühle mich hierbei sicherer – auch wenn mir bewusst ist, dass es nicht regelkonform ist. „Ich kann an dieser Stelle hier verstehen, dass es sich subjektiv für dich besser anfühlt, den Weg über die Fußgängerampel zu nehmen. Du verstößt damit aber klar gegen die Straßenverkehrsordnung“, sagt Martin, „Du bewegst dich nicht nur im Fußgängerbereich, sondern auch gegen die Fahrtrichtung. Die meisten Fußgänger beschweren sich nicht, sofern Radfahrer vorsichtig und rücksichtsvoll neben ihnen über die Ampel fahren, aber korrekt ist es nicht.“ Allerdings stellen Martin und ich beim Beobachten der Kreuzung fest, dass fast 90 % der Radfahrer das gleiche gute Gefühl bei der falschen Route zu haben scheinen, denn fast alle machen es so wie ich. „Dass viele nach Gefühl fahren, anstatt die Regen zu beachten, ist ein großes Problem. Aus solchen Gefühlen entstehen immer wieder Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern, abgesehen davon, dass es dem Ruf der Radfahrer nicht eben zuträglich ist. Manchmal wird die Sache auch richtig gefährlich: Statistisch bewegen sich sage und schreibe 20 % der Radfahrer auf einspurigen Radwegen gegen die Fahrtrichtung. Auf Schutzstreifen sind es immerhin noch 10 %. Die Radler scheinen zu glauben, dass ihnen auf einem für sie ausgewiesenen Weg nichts passieren kann, egal wie sie sich benehmen.“ Noch während ich mich frage, ob es wirklich Leute gibt, die freiwillig und ohne Selbstmordabsichten dem fließenden Verkehr entgegenfahren, rauscht ein junger Mann auf dem Fahrrad an uns vorbei und tut genau das: Er quetscht sich auf dem Schutzstreifen an den abbiegenden Autos vorbei und saust auf der stark befahrenen Kurbrunnenstraße als Geisterfahrer weiter. Was passieren würde, wenn ihm ein mit dem restlichen Verkehr beschäftigter Radfahrer entgegenkäme, stelle ich mir lieber nicht zu genau vor.

Aber auch weniger lebensmüde Radfahrer halten sich gerne auf Wegen auf, die nicht für sie vorgesehen sind: „Dass die Geradeausspur für Radfahrer mittlerweile häufig zwischen Rechtsabbieger- und Geradeausspur für Autos langgeführt wird, ist eigentlich ein großer Fortschritt“, erzählt Martin „Das ist viel sicherer, als wenn sich Radfahrer rechts an den Straßenrand drücken müssen, während die Autos über die Radspur hinweg abbiegen, wie am Ibis Hotel. Aber die neuen Mittelspuren werden schlecht angenommen, weil sie immer wieder von Autos blockiert werden. Stattdessen radeln die Leute aus Angst vor einer Kollision über den Bürgersteig. So eine Stelle gibt es hier am Ende der Wilhelmstraße auch.“

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„Die alte Spur sollte gar nicht mehr da sein.“

Die Verkehrsteilnehmer behindern sich also systematisch gegenseitig, aus Unkenntnis, Angst, Rücksichtslosigkeit oder Übermut. Nimmt der eine mehr Raum ein, als ihm zusteht, rückt der andere in den Bereich des nächstschwächeren nach. Doch damit nicht genug, auch die Stadt trägt dazu bei, Radfahrern das (Über-)Leben an der Normaluhr-Doppelkreuzung schwer zu machen. Die beste Planung taugt nämlich nichts, wenn sie mangelhaft umgesetzt wird und/oder sich den Verkehrsteilnehmern nicht erschließt. Gerade zwischen Viadukt und Wilhelmstraße ist die Wegeführung für Radler aber fast durchgehend uneindeutig oder sogar falsch gekennzeichnet. Das überrascht selbst Martin, der die Planung aus dem FF kennt und eigentlich dachte, die meisten Unklarheiten seien nach dem letzten Umbau beseitigt worden. Da Martin und ich uns gegen den Uhrzeigersinn um die Kreuzung bewegen, treffen wir auf dem dreieckigen Keil zwischen Dunantstraße, Kurbrunnenstraße und Römerstraße auf das erste große Problem: Es gibt plötzlich zwei Radspuren, eine neu eingerichtete, die den Radfahrer links an der Ampelinsel in der Römerstraße vorbei auf die gemeinsam von Radfahrern und Bussen genutzte Spur Richtung Kasinostraße führt, und die alte Radspur, die parallel zum Fußgängerüberweg quer über die Insel verläuft. Die Ampel für Radfahrer steht irgendwo dazwischen.

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„Die alte Spur sollte gar nicht mehr da sein“, wundert sich Martin. „Eigentlich sollten Radfahrer hier eindeutig auf die neue linke Spur geleitet werden, der ganze rechte Bereich ist nur für Fußgänger gedacht.“ Doch schon allein der Straßenbelag ist von Eindeutigkeit so weit entfernt wie ein Eisbein von leichter Kost. Klare Beschilderung? Fehlanzeige. Ich frage einen jungen Radfahrer am Fußgängerüberweg, ob er sich bewusst ist, dass er auf der falschen Spur steht. Er sieht mich verständnislos an: „Quatsch, das hier ist doch der Radweg! Sieht man doch!“ Er deutet auf die überflüssige Spurmarkierung. Und auch nach der Straßenüberquerung wird die Situation nicht durchsichtiger. Parallel zum Radweg auf der Busspur ist nämlich hinter der Bushaltestelle deutlich noch der alte, rötlich gepflasterte Radweg zu erkennen. Auf letzterem landen die Radfahrer automatisch, die vorher schon fälschlicherweise die Pseudo-Radspur am Fußgängerüberweg benutzt haben. Dass er eigentlich auf die Busspur soll, wird kaum ein Radfahrer von hier aus erkennen. Abgesehen davon, dass auch die Gabelung von Bus- und Radweg an der Abzweigung Kasinostraße/Hackländerstraße nur halbherzig markiert ist. „Da fehlt der rechte Begrenzungsstreifen“, sagt Martin. Hilfe! Ich blicke langsam gar nicht mehr durch.

Fahrradfahren in Aachen / Normaluhr

„Die Scheiben in den Ampeln sind falsch. Anders ist das nicht zu erklären.“

Während aber die Wegeführung erst einmal „nur“ verwirrend ist, scheint die Ampelschaltung von der Bestatterlobby gesponsert worden zu sein: Die Grünphasen für linksabbiegewillige Autofahrer und die entgegenkommenden Radfahrer überschneiden sich. Zwei Beinahebekanntschaften mit PKW-Motorhauben an genau dieser Stelle haben mich gelehrt, nicht zu viel von der Wahrnehmungsspanne von Autofahrern zu erwarten, die ihrerseits mit der Streckenführung an der Riesenkreuzung beschäftigt sind. „Hier müsste eigentlich ein zusätzlicher Gelbblinker für Autofahrer hin. Das wurde uns von der Stadtverwaltung schon vor Monaten zugesagt. Das Signal an der rechten Straßenseite ist zu weit weg, das registrieren Fahrer beim Abbiegen gar nicht mehr“, kommentiert Martin meine Vorbehalte gegenüber der Ampelschaltung. Toll, immerhin kann ich mir also im Ernstfall jetzt den Zusammenhang zwischen meinen gebrochenen Knochen und dem verkehrstechnischen Anlagensystem erklären.

Radfahren in Aachen / NormaluhrRadfahren in Aachen

Eine plausible Erklärung für die Ampelsymbole in der Gegenrichtung finden Martin und ich allerdings auch nach längerem Rätselraten nicht. Kommt man vom Viadukt aus über die Kurbrunnenstraße und die Römerstraße, sind die Ampeln mit Radfahrer- und Fußgängersymbolen bestückt. Radfahrer werden also nolens volens gegen die Fahrtrichtung geführt, was, so Martin, eigentlich nicht passieren darf: „Die Scheiben in den Ampeln sind falsch. Anders ist das nicht zu erklären.“

„Das war so nie geplant.“

Langsam fühle ich mich ernsthaft überfordert. Aber wir sind noch immer nicht am Ende unserer Begehung. Bevor wir uns verdientermaßen in gemütliche, kleine Nebenstraßen zurückziehen dürfen, kommen wir noch an einer weiteren Stelle vorbei, an der ich jedes Mal bedauere, im Fach angewandte Unlogik nicht besser aufgepasst zu haben. Überquert man die Kurbrunnenstraße direkt hinter dem Viadukt an der hierfür vorgesehenen Radfahrerampel, um Richtung Wilhelmstraße weiterzufahren, wird man auf den alten, aber mit neuen blauen Symbolen markierten Radweg geleitet, der direkt neben dem Bürgersteig hinter geparkten Autos und der Straßenrandbepflanzung lang- führt. Direkt an der Straße ist zusätzlich ein Schutzstreifen ausgezeichnet. „Aber wenn ich es richtig verstanden habe, darf ich doch den Schutzstreifen gar nicht benutzen, wenn es einen Muss-Radweg gibt …?“, frage ich kleinlaut. Martin macht einen verzweifelten Gesichtsausdruck: „Der Weg neben dem Bürgersteig dürfte gar nicht mehr da sein, im Gegenteil, da müsste eigentlich ein Durchfahrt-verboten-Schild für Radfahrer hin. Das blaue Symbol gehört höchstens auf den Schutzstreifen, der eigentlich ein Radweg sein müsste … Das ist eindeutig ein Ausführungsfehler, das war so nie geplant.“

Selbst nach der aufwendigen Umgestaltung sind Radfahrer also gezwungen, entweder ihr persönliches Sicherheitsgefühl, ihren gesunden Menschenverstand oder die Straßenverkehrsordnung zu missachten, wenn sie die Normaluhrkreuzung umrunden wollen. Die Begehung lässt für mich als Verkehrsplanungslaien keinen anderen Schluss zu als den, dass niemand kontrolliert, ob die bauliche Umsetzung mühsam ausgetüftelten Vorgaben entspricht; genauso wenig Interesse scheint es bei Planers und Co. dafür zu geben, ob das, was am Reißbrett schlüssig aussieht, in der Praxis funktioniert. Und „Praxis“ bedeutet in diesem Fall, dass der Radfahrer zahlreiche für seine körperliche Unversehrtheit relevante Handlungsentscheidungen schneller treffen muss, als der motorisierte Verkehr fließt. „Wie sollen denn Kinder alleine mit dem Rad hier zurechtkommen?“, will ich von Martin wissen. „Überhaupt nicht“, antwortet er lakonisch. „Wir selbst haben unter anderem wegen der schwierigen Verkehrsverhältnisse hier davon Abstand genommen, unsere Tochter auf die Viktoriaschule an der Kurbrunnenstraße zu schicken. Und die fährt sehr sicher Rad. Ich würde hier kein Kind unter 12-13 Jahren allein fahren lassen.“

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4 responses to “Radfahren in Aachen: Das Kreuz mit der Kreuzung – Mutprobe Normaluhr

  1. DANKE! Dieser Artikel entspricht voll meinen täglichen Erfahrungen. Ich finde es unverschämt was einem da geboten wird, als Radfahrer aber durchaus auch als Autofahrer. Wer konntroliert diese Baumaßnahmen (oder auch Beispiele in der St. Vither Straße und wahrscheinlich noch viele andere …) – keiner. Wer haftet denn für die Schäden, die hoffentliche nicht enstehen … ist dies nicht schon ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr? Wie soll ich meinem Kind erklären wie es sich richtig Verhalten soll, wenn wir ‚Erwachsenen‘ so etwas machen? Was kann man tun damit dies endlich besser wird? Diese Baumaßnahmen mit vielen Iterationen kosten schließlich auch noch unser Geld!

    1. Ich fürchte, hier hilft nur eine Kombination aus gesundem Menschenverstand, Instinkt, Vorsicht und Beherztheit (je nach Situation in unterschiedlichen Anteilen). Denn an die Regeln halten kann man sich schlicht und ergreifend nicht immer, sonst ist man entweder platt oder man kommt nicht von der Stelle. Wie man das Kindern erklären soll, ist mir allerdings schleierhaft.

      Ein Problem ist aus meiner Sicht die Überregulierung im Straßenverkehr; zig verschiedene Sorten Radwege, Schilder, Lichter und Markierungen. Das vermittelt das trügerische Gefühl, alles ließe sich per Vorschrift regeln und man müsse keine Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nehmen (die sollen sich halt in ihrem eigenen, markierten Bereich aufhalten und mir möglichst nicht in die Quere kommen). Nicht von ungefähr passieren die meisten schweren Radunfälle auf Radwegen und an Radwegeinmündungen, nicht auf gemeinsam mit Kraftfahrzeugen genutzten Straßen.

      Es grüßt
      Frau Suk

  2. Der Artikel ist zwar schon was her aber Aachen ist für den Fahrradverkehr mMn in die Kategorie dritte Welt Land einzuordnen. Ich fahre jeden Tag vom Frankenberger Viertel Richtung Innenstadt und nehme dabei die Route, die von vielen genutzt wird, da sie einfach die kürzeste ist. Am übelsten ist hier die Lothringerstraße inklusive Kreuzung mit Wilhelmstraße. Auf beiden Seiten der Wilhelmstraße ist die Lothringer eine Einbahnstraße. Einmal in die Wilhelmstraße mündent und einmal von ihr abgehend. Auf der Mündungsseite werden Fahrräder aus beiden Richtungen auf einen ziemlich schmalen Radweg auf Bürgersteig gezwungen. Auf der anderen Seite müssen die Radfahrer aus der Innenstadt kommend auf die linken!!! Seite auf den Bürgersteig fahren, in Richtung Stadt auf der Straße. So kommt es auf der extrem kurz geschalteten Ampel an der Wilhelmstraße zu einer Kreuzung der Fahrlininen der Radfahrer und weiter Richtung INnenstadt zur Kreuzung der Fahrlinine von Fahrrädern UND Autos ohne, dass eine Markierung irgendetwas anzeigt. Vor allem wenn es dunkel ist ziemlich übel das Ganze. In dem Stil geht es eigentlich auf meiner gesamten Pendelroute weiter…