Wie viel Zeit schenken wir einander noch in einer Welt voller digitalen Konsums? Das DAS DA THEATER bringt Michael Endes Klassiker „Momo“ als moderne Neuinterpretation auf die Bühne.
Die Handlung: Unsere kostbare Lebenszeit
Das Mädchen Momo lebt in den Ruinen eines alten Amphitheaters. Sie besitzt nichts außer einem großen Herzen und der Gabe, anderen Menschen zuzuhören. Sie schafft echte Begegnungen in einer Welt, in der viele im Smartphone-Alltag gefangen sind. Bis eines Tages die Grauen in der Stadt auftauchen. Sie arbeiten für die Zeitsparkasse und überreden die Menschen, ihnen ihre kostbare Lebenszeit zu überlassen. Die Leute werden daraufhin immer geschäftiger und freudloser, so auch Momos Freundinnen und Freunde. Momo erkennt die Gefahr, die von den Zeitdieben ausgeht, und sucht Meister Hora auf, den Hüter der Zeit. Gemeinsam wollen sie den Menschen ihre gestohlene Zeit wiedergeben.
Die Zeitdiebe Handy und Effizienz
Das Stück fokussiert die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit. Zu Beginn spricht Momos Freund Beppo über die Zeit: Mal vergeht sie schnell, wenn wir uns freuen. Mal langsam, wenn wir uns langweilen oder warten. Auch Aufgaben, die unmöglich erscheinen, lassen sich mit genügend Zeit erledigen. Jeder Tag ist ein kleines Geschenk, an dem man sich auch mal Zeit für sich selbst und geliebte Menschen nehmen sollte. Trotzdem muss es in unserer Gesellschaft immer schneller, höher, weiter gehen. Zeit ist Geld, Effizienz steht vor Glück, Fortschritt vor Leben.
Hier wird Michael Endes Klassiker für die Kinder von heute greifbar gemacht. Nicht nur die Geschäftigkeit der Menschen steht im Vordergrund, sondern auch die Nutzung moderner Technik. Momos Freundin Gigi ist ununterbrochen damit beschäftigt, sich immer ausgefallenere Geschichten auszudenken, um sie mit ihren Followern auf Social Media zu teilen und reich und berühmt zu werden. Momos Freundin Aurora trackt ihre Schritte und Fitnesswerte, um ihre Zeit effizienter zu gestalten. Beide sind eine Metapher für den Drang nach Optimierung, Status und für den modernen Smartphone-Konsum. Momo lenkt den Blick wieder auf das Wesentliche: Zeit mit den Liebsten zu verbringen, Hobbys nachzugehen und das Leben nach dem Motto „Meine Zeit gehört mir“ zu genießen.
Auch in anderen Aspekten ist das Stück deutlich moderner: Es sind nicht mehr die grauen Herren, sondern die Grauen von der Gray-Company, da es auch Zeitstehlerinnen gibt. Auch rauchen sie keine ungesunden Zigarren, stattdessen werden Dampfinhalatoren gegen Erkältungen zweckentfremdet. Bilder eines Beamers werden unterstützend zur Kulisse verwendet.
Zeit für Emotionen und Aufmerksamkeit
Die Botschaft ist in ein mitnehmendes Musical-Stück verpackt. Die jungen Zuschauer werden zum Mitsingen der schwungvollen Lieder von Christoph Eisenburger eingeladen. Die Geschichte ist glaubhaft umgesetzt und bringt sowohl hoffnungsvolle und fröhliche als auch bedrückende Momente herüber. „Arme Momo“ heißt es aus dem Publikum, als sie traurig alleine dasteht, weil niemand mehr Zeit für sie hat. Nicht nur für Kinder ist die Botschaft des Stücks wichtig, auch Erwachsene werden daran erinnert, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen und das Leben zu genießen. Gerade aufgrund des modernen Handykonsums ist die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern ein wichtiger Faktor. Das Pacing des Stücks ist angemessen: Die Aufmerksamkeit der Kinder bleibt erhalten, ohne dass das Geschehen zu hektisch wirkt.
„Momo“ wird nicht nur auf der Bühne des DAS DA aufgeführt, sondern geht auch auf Reisen an Grundschulen der StädteRegion. Geeignet ist das Stück für Menschen ab sechs Jahren. Es dauert circa eine Stunde ohne Pause. Vorher und nachher können Getränke und kleine Snacks erworben werden.
DAS DA THEATER
Liebigstraße 9
52070 Aachen
Karten und Aufführungstermine:
dasda.de/das-da-theater/programm/spielzeit-26-27/momo
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