Premiere des Jugendstücks „Sophie & ich“ im Geschwister-Scholl-Gymnasium

Foto: Dominik Fröls

Wie einflussreich sind eigentlich unsere Entscheidungen und was für Möglichkeiten hat jeder Einzelne, tatsächlich etwas zu bewirken? – Diesen und noch mehr Fragen geht das neue Jugendstück „Sophie & ich“ von GRETA, dem jungen Grenzlandtheater Aachen, auf die Spur.

Für Menschen ab 14 Jahren wird dort in circa einer Stunde die fiktive Begegnung zwischen zwei jungen Frauen erzählt, die auf ganz unterschiedliche Weise durch ihr Handeln während des Zweiten Weltkrieges berühmt geworden sind. Gegenüber stehen sich Sophie Scholl, die Widerstandskämpferin der Weißen Rose, und Traudl Junge, ehemalige Sekretärin von Hitler.

Die Premiere zum Stück findet am 29. September im Geschwister-Scholl-Gymnasium in Aachen statt, an der nicht nur eine große Menge an Schülerinnen und Schülern, sondern auch die Autorin selbst, Ursula Kohlert, teilnimmt.

Die große Aula der Schule ist gut gefüllt mit Jugendlichen, die mit Abstand an Einzeltischen auf ihren Stühlen sitzen und gespannt, aber auch etwas beunruhigt auf die Bühne schauen. Schließlich breitet sich beim Betrachten des Bühnenbildes ein beklemmendes Gefühl aus, so ungewohnt ist der Anblick des großen Hakenkreuzes, eingearbeitet zwischen zwei Türen und Mauern. Im Laufe des Stückes soll sich das negative Zeichen aber noch zu einem ganz anderen Symbolbild, einer großen weißen Rose, umwandeln.

Die Schulleiterin des Gymnasiums Ilma Sturms erklärt nochmals, wie relevant die folgende Geschichte gerade auch für junge Menschen heute noch ist und dass das Stück besonders im Rahmen des 100. Geburtstages von Sophie Scholl „wirklich unser Thema“ sei. Sie wünscht sich, dass ein Funke überspringt, und appelliert an die Jugendlichen, mutig zu sein und zu erkennen, was man mit seinen Taten alles bewirken kann.

Darauf folgt eine laute Durchsage und das Stück beginnt. Eine neutrale Stimme berichtet über den derzeitigen Stand des Krieges und das allgemeine alltägliche Leben Anfang der 1940er Jahre in Deutschland. Traudl und Sophie lernen sich beim Üben des Marsches mit Hitler-Fahnen kennen und tauschen sich bei einer ersten gemeinsamen Zigarette über sorglose und jugendtypische Themen aus. Von Gesprächen über Jungs, Frisuren oder Mode wechseln die beiden Protagonistinnen im Laufe des Stücks zu ernsteren Themen wie Verantwortung, Schuld, Freiheit, Jugend, Mut, Liebe, Freundschaft und natürlich Krieg. Sie entwickeln eine Freundschaft, die anfangs noch aus bedingungsloser Unterstützung und gemeinsamem Lachen besteht, bei späteren Treffen jedoch unter den unterschiedlichen politischen Meinungen und Ansichten leidet, sodass es zu Konflikten und Aussagen wie „Ich erkenn dich gar nicht mehr wieder!“ oder „Wir haben uns nichts mehr zu sagen“ kommt.

Mit sehr viel Text und Emotionen werden Sophie und Traudl bei ihren Treffen und Konversationen begleitet, und das Publikum erlebt ihre einzelnen Lebensstationen auf eine kurzweilige und spannende, aber vor allem persönliche Art hautnah mit. Über die insgesamt drei Zeitsprünge in der Geschichte wird jedem Zuschauer deutlich, dass es nicht nur eine mentale und verbale Veränderung der Charaktere gibt, sondern auch eine räumliche und symbolische Entwicklung der ganzen Szenerie.

Die letzte Begegnung der beiden jungen Frauen findet nach Kriegsende statt; Sophie kann Traudl nur noch im Traum erscheinen und verabschiedet sich endgültig von ihrer Freundin mit einer Umarmung und den Worten: „Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung.“

Zum Schluss sind nicht wenige ergriffen und fühlen sich angesprochen, als Traudl in der letzten Szene zu sich selbst, aber indirekt auch zum Publikum sagt: „Das Leben beginnt.“ Und sich mit dem Zerdrücken einer Suizid-Kapsel aktiv für das Weiterleben, aber eben vor allem für das endliche Aufwachen entscheidet.

Sophie Scholl: Antonia Marie Waßmund
Traudl Junge: Carolin Leweling
Autorin: Ursula Kohlert
Regie: Timo Hübsch
Ausstattung: Tom Grasshof

Infos zu Terminen, zur Vor- und Nachbereitung sowie zu Buchungsanfragen:

Nadine Kiesewalter, Theaterpädagogin Grenzlandtheater Aachen
0241 4746117
greta@grenzlandtheater.de

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