So viele Anpassungen braucht es gar nicht: Neuer inklusiver Spielplatz in Heinsberg eröffnet

Nach zweieinhalb Jahren Planung hat der erste inklusive Spielplatz in Heinsberg im Mai seine Tore geöffnet, um allen eine gemeinsame Fläche zum Spielen zugänglich zu machen. Was der Spielplatz bietet und welche Möglichkeiten er für Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen schafft, erfahrt ihr hier.

Auf den ersten Blick wirkt die Anlage in Heinsberg nicht anders als andere Spielplätze, und doch hat sie anderen Spielflächen etwas voraus: Bei ihrer Planung wurden die verschiedensten Beeinträchtigungen von Kindern und Erwachsenen berücksichtigt. Umgesetzt wurde das Projekt vom Verein „Die Spielplatzbande“, der sich eigens hierfür gegründet und es mit viel freiwilligem Engagement und Spenden realisiert hat. Vor der Planung haben seine Mitglieder bei vielen Familien direkt nachgefragt, was sie sich von einem Spielplatz wünschen würden. Eine Online-Umfrage mit über 5.000 Teilnehmenden gab den Planern weiteren Input, welche Infrastruktur verschiedene Gruppen auf einem Spielplatz benötigen. Ob Autismus, ADHS, Rollstuhlfahrer oder andere Bedürfnisgruppen – alle konnten zu Wort kommen. Die Anpassungen, die dafür nötig waren, sind so klein, dass sie den meisten, die nicht wissen, dass es sich um einen inklusiven Spielplatz handelt, wohl kaum auffallen würden.

Adresse: Horster Weg, 52525 Heinsberg-Lieck

Allgemeine barrierefreie Gestaltung

  • Zaun mit verschließbaren Toren: damit auch Eltern Kinder mit Weglauftendenzen beruhigt spielen lassen können
  • Asphaltierter Weg und Mattenböden statt Sand: Ein breiter Asphaltweg gewährt Zugang zu allen Geräten (außer zur Seilbahn und zum oberen Ende der Rutsche). Der häufig überrepräsentierte Sand ist zwar vorhanden, unter den meisten Spielgeräten liegt aber ein Mattenboden.
  • Kommunikationstafel: Eine Tafel mit zahlreichen einfachen Symbolen (z. B. für „Wer bist du?“) soll die Kommunikation über alle Sprachbarrieren hinweg ermöglichen.
Foto: Maike Wintgens

Spielgeräte/Ausstattung

  • Extra breite Rutsche
  • Doppelte Seilbahn (sehr lang und perfekt für ein kleines Wettrennen, allerdings sollten die jüngeren und kleineren Spielplatzbesucher sie in Begleitung nutzen, da sie in der Mitte so hoch ist, dass es für kleine Besucher schwierig wird, den Pendelsitz allein an den Start zurückzuschieben)
  • Karussell (ebenerdig und deswegen perfekt geeignet, um auch mit einem Rollstuhl draufzurollen)
  • Tipi (zeltartige Holzhütte, die Kindern die Möglichkeit bieten soll, sich auch mal zurückzuziehen, wenn sie zu reizüberflutet sind)
  • Schaukeln (1 Nestschaukel, 1 Babyschaukel, 3 normale Schaukeln)
  • Balancierparcours aus Holz
  • Musikhütte (bunte Spielhütte, die u. a. mit Trommeln, Klangstäben und Klingeln ausgestattet ist)
  • 2 Sinnestore (auf dem Weg, der über den Spielplatz führt; in den Toren hängen z. B. Stäbe, durch die man rollen oder laufen kann, um verschiedene Sinneseindrücke zu erleben)
  • Sandkasten (über Holzplattform auch mit Rollstuhl erreichbar, Kletternetz)
  • Naschgarten (kleines Beet mit z. B. Erdbeeren und Geruchsbüschen; Büsche finden sich nicht nur im Beet, sondern über den gesamten Spielplatz verteilt, sodass der Spielplatz auch den Geruchssinn anspricht).

Sitzgelegenheiten

  • Auf dem Spielplatz gibt es eine Ecke mit Holztisch und dazugehöriger Bank. Schattig gelegen befindet sich rund um einen Baumstamm ein hölzernes Podest (wenn es einem nichts ausmacht, in Bodennähe zu sitzen). Sonst gibt es für Erwachsene nicht so viele Sitzgelegenheiten. Empfehlung: Picknickdecke mitnehmen.

Toiletten

  • Ein gut gepflegtes, barrierefreies Toilettenhaus mit Wickeltisch ist in max. drei Minuten Fußweg zu erreichen.

Parken

  • Geparkt werden kann direkt vor dem Spielplatz (kostenlos). Sollte der Parkplatz einmal voll sein, vielleicht auch wegen der kleinen Sportanlage hinter dem Spielplatz, kann man auf den Parkplatz am Seeweg 6-27 ausweichen. Der ist auch kostenlos und ein erwachsener Fußgänger braucht von dort bis zum Spielplatz ca. acht Minuten.

Picknick

  • Picknick bitte selber mitbringen, einen Kiosk o. Ä. gibt es nicht. Die Innenstadt mit Einkaufsmöglichkeiten liegt jedoch in der Nähe.

Zukünftige Entwicklung

Demnächst wird noch ein inklusives Wickelboard ergänzt. Dabei handelt es sich um eine breite, erhöhte und überdachte Fläche, auf der Kinder auch von Eltern im Rollstuhl direkt am Platz gewickelt werden können. So muss man nicht auf die Toiletten ausweichen.

Fazit

Der Spielplatz liegt in einer grünen Parkanlage in einem ruhigen Wohngebiet. Durch den Standort direkt vor einer modernen Sportanlage integriert er sich sehr gut in das Gesamtbild und kann auf die bereits bestehende Infrastruktur des Sportbereichs (z. B. Toiletten) zurückgreifen. Es ist ein schöner, bunter Ort, der zwar nicht sehr groß ist, aber genug Spielfläche und Abwechslung bietet, sodass Kinder eine ganze Weile beschäftigt sein werden. Es bleibt zu hoffen, dass es Standard wird, inklusiv zu planen. Denn wie der Spielplatz in Heinsberg zeigt, braucht es dafür oft nur einen zweiten Gedanken, den Willen und keine riesigen Anpassungen.

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