Netzwerk „Flügelschlag – Starke Kinder an der Inde“ bietet Unterstützung für armutsbetroffene Kinder

Jedes Kind verdient eine Kindheit ohne Sorgen, doch für viele Kinder ist der Zugang zu Bildung, Kultur oder Geld beschränkt. Jedes fünfte Kind in der StädteRegion Aachen lebt in einer einkommensarmen Familie. Das Netzwerk Flügelschlag in Eschweiler setzt sich schon seit Jahren gegen die Folgen von Kinderarmut ein. Netzwerk-Koordinatorin Dorothea Kohlen gibt einen Einblick in die wertvolle Arbeit, die Flügelschlag leistet, und erklärt, was der Begriff „Kinderarmut“ bedeutet und was man tun kann, um sich zu engagieren.

Warum wurde das Netzwerk Flügelschlag ins Leben gerufen?

Hier in Eschweiler ist man sich schon lange einig, dass man alle Kinder in der Stadt bestmöglich fördern und unterstützen möchte. 2013 wurde das Netzwerk Flügelschlag mit dem Ziel gegründet, Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen für armutsbetroffene Kinder und ihre Eltern zu leisten. Zu Beginn der Netzwerkarbeit gab es eine Förderung des Landschaftsverbands Rheinland. Diese haben wir genutzt, um das Netzwerk zu gründen und in den ersten Jahren personell zu begleiten. Das Netzwerk besteht aus ganz unterschiedlichen Institutionen und Personen. Das sind zum Beispiel Kindertageseinrichtungen, Bildungseinrichtungen, Vereine, der Kinderschutzbund und die Stadt Eschweiler. Es gibt aber auch engagierte Einzelpersonen, die im Netzwerk mitarbeiten. Der Name des Netzwerks ist damals partizipativ entstanden und aus vielen Vorschlägen von den Beteiligten ausgewählt worden.

Was bedeutet Kinderarmut in dem Kontext?

Es gibt keinen Konsens über die Definition von Armut. Von absoluter Armut spricht man, wenn jemand weniger als ungefähr zwei Euro pro Tag zur Verfügung hat. In der Netzwerkarbeit orientieren wir uns jedoch an der sozialstaatlich definierten Armutsgrenze. Armutsbetroffen sind für uns Kinder, deren Familien Mindestsicherungsleistungen wie zum Beispiel Bürgergeld beziehen. Das Netzwerk Flügelschlag begrenzt das Thema Armut jedoch nicht nur auf materielle Armut, der Begriff ist umfassender zu verstehen. Armut bedeutet zum Beispiel auch fehlende Teilhabemöglichkeit an kulturellen Aktionen oder Freizeitaktivitäten.
Wir gestalten unsere Angebote so, dass grundsätzlich alle Kinder daran teilnehmen können. Wichtig ist uns aber, dass wir vor allem Kinder erreichen, die von Armut betroffen sind.

Was sind die Hintergründe für Kinderarmut – besonders hier in der StädteRegion?

Es gibt einige Hauptursachen für Kinderarmut. Betroffen sind oft Kinder, deren Eltern arbeitslos oder alleinerziehend sind. Häufiger betroffen sind auch Mehrkinderhaushalte – das sind Familien, die mehr als drei Kinder haben, oder Familien mit geringerer Bildung sowie Familien mit Migrationshintergrund.
Gibt es Unterschiede zwischen der StädteRegion Aachen bzw. der Stadt Eschweiler und dem Rest des Landes Nordrhein-Westfalen?
Mir liegen vor allem konkrete Zahlen für Eschweiler vor. Da sieht man, dass es sozialräumliche Unterschiede gibt. Es gibt Sozialräume mit einem geringen Bezug von Transferleistungen, aber es gibt zum Beispiel auch Sozialräume wie Eschweiler-West, wo der Bezug besonders groß ist. Man kann sagen, dass in Eschweiler insgesamt ungefähr 18 Prozent der Kinder betroffen sind. Städteregional liegt der Prozentsatz ähnlich.

Was für eine Entwicklung sehen Sie in puncto Kinderarmut voraus?

Das kann ich persönlich nicht genau voraussehen. Seit ich das Netzwerk koordiniere, ist die Kinderarmut jedoch in etwa gleich geblieben. Die Ursachen für Kinderarmut können wir hier vor Ort nicht beheben, das ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess.

Was unternimmt das Netzwerk gegen Kinderarmut?

Wir unternehmen Verschiedenstes. Es geht uns einmal darum, dass wir für das Thema sensibilisieren. Dann ist es so, dass wir das Glück haben, Spenden zu erhalten, sodass wir auch über finanzielle Möglichkeiten verfügen, um selber Aktionen anzubieten.
Dazu gehören der Ferienzirkus, Theaterstücke für Kinder und Ausflüge für Familien. Unser Ferienzirkus hat sich anfangs nur über Spendengelder finanziert. Damals hat man gemerkt: Das ist so ein tolles Projekt, das wollen wir nicht nur spendenbasiert machen. Es ist nun in den Haushalt der Stadt Eschweiler aufgenommen worden und läuft in Kooperation mit dem Jugendamt und dem Kinderschutzbund. Jedes Kind kann daran teilnehmen! Wir versuchen natürlich, vorrangig Kinder zu erreichen, die kein schönes Ferienangebot haben oder von Armut betroffen sind. Das Besondere an unserem Zirkus ist deswegen, dass wir sehr geringe Teilnehmerbeiträge nehmen. Ein Kind bezahlt für eine ganze Woche 15 Euro. Und wenn wir merken, dass selbst das für eine Familie zu viel ist, springen wir ein. Dieses Projekt zeigt zudem deutlich, wie wichtig die Netzwerkarbeit ist. Man braucht, um so ein Projekt gestalten zu können, ganz viele Menschen, die das unterstützen. Man braucht Ehrenamtliche, ohne die das Projekt gar nicht funktionieren würde, und Kooperationspartner wie in dem Fall den Kinderschutzbund, der uns auch noch mit Personal unterstützt. Man braucht aber ebenso in der Kommune Einrichtungen, die unterstützen.
Wir nutzen unsere Spendenmittel auch, um Aktionen in Einrichtungen zu unterstützen. Beispielsweise gibt es in Eschweiler-Ost eine Spiel- und Lernstube, die über unser Netzwerk einen Zuschuss für den Erwerb von Obst und Gemüse erhält. Ein Ziel unseres Netzwerks ist es, die Gesundheit der Kinder zu stärken.

Erhalten Sie ausreichend finanzielle Unterstützung für das Netzwerk?

Wir bekommen regelmäßig Spendenmittel und sind mit dem Engagement, das wir erfahren, zufrieden. Wir erleben wirklich viel Unterstützung, und man muss sagen, dass das Netzwerk nicht nur die finanziellen Mittel zur Verfügung hat. Es gibt auch immer wieder Menschen, die sich einbringen, oder Institutionen, die uns unterstützen.

Was hat die Organisation in der Vergangenheit schon bewirkt?

Wir haben bewirkt, dass vielen Kindern ermöglicht worden ist, an verschiedenen Aktionen und schönen Erlebnissen teilzuhaben. Ich denke, wir haben zudem für das Thema sensibilisiert und auch schon vielen Familien, die in Not waren, kurzfristig geholfen.

Was können Einzelpersonen tun?

Als Einzelperson wird man die Ursachen für Kinderarmut nicht beseitigen können. Aber man kann sich als Einzelperson engagieren, zum Beispiel als ehrenamtlicher Helfer beim Ferienzirkus. Man kann sich natürlich auch mit einer Spende beteiligen. Was man außerdem tun kann, ist, das Thema im Kopf zu behalten. Denn es betrifft viele Kinder in der gesamten StädteRegion.

Wie sieht die Zukunft des Netzwerks aus? Stehen konkrete Aktionen an?

Ich hoffe, dass wir weiterhin engagiert im Netzwerk arbeiten werden. Es stehen für dieses Jahr schon konkrete Aktionen an: Wir planen wieder unseren Ferienzirkus, die Herausgabe von Schwimmbad-Gutscheinen und verschiedene andere Projekte. Grundsätzlich ist es so, dass wir Anfang des Jahres keine Planung machen, die dann für das ganze Jahr feststeht. Natürlich haben wir Aktionen, die sich wiederholen, aber wir orientieren uns auch immer am aktuellen Bedarf und unterstützen Familien in Notsituationen und Projekte kurzfristig.

Wer sich informieren möchte, kann sich bei Netzwerk-Koordinatorin Dorothea Kohlen beim Jugendamt der Stadt Eschweiler melden: 02403 71390, dorothea.kohlen@eschweiler.de

 

Das Interview führte Magdalena Wunsch im Rahmen des Schülerpraktikums bei KingKalli.

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