Am Abend des 11. November ab 19 Uhr veranstalten Schüler des Pius-Gymnasiums einen Infoabend, um zu zeigen, wie Schüler sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, sei es durch Freizeitangebote für Schüler einer internationalen Flüchtlingsklasse, Hilfe bei der Essensausgabe in Unterkünften oder Betreuung und Gestaltung der Online-Plattform „Jutes tun“ bei der Flüchtlingshilfe.
Jakub sprach im Vorfeld mit den Initiatorinnen Naomi und Deborah und dem betreuenden Lehrer Rodrigo Bartsch.
a52 // Wie seid ihr darauf gekommen, einen Abend zur Flüchtlingshilfe zu organisieren?
Noemi: Wir haben vor ein paar Monaten eine Kooperation mit einer Flüchtlingsklasse organisiert. Dabei besuchen wir mit Schülern aus unserer Stufe einmal in der Woche eine Gruppe von Flüchtlingen und bringen ihnen Deutsch bei oder spielen zusammen.
Deborah: Wir haben gemerkt, dass wir Flüchtlinge vorher kaum gekannt haben, obwohl sie ja praktisch in unserer Nachbarschaft gelebt haben. Und wir dachten, dass es vielen Menschen wahrscheinlich genauso geht und sie helfen wollen – aber nicht wissen wie.
a52 // Und das wollt ihr im Rahmen des Abends zeigen?
Rodrigo Bartsch: Ja, aber uns war wichtig, dass die Leute nicht einmal spenden und das Problem dann wieder vergessen. Wir stellen also nur Projekte vor, die langfristig ausgelegt sind und bei denen sich die Menschen auch selbst engagieren. Beispielsweise wird ein Projekt der Aachener Hände vorgestellt, im Rahmen dessen Aachener Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen können und Behördengänge übernehmen oder bei der Wohnungssuche helfen.
a52 // Glaubt ihr, dass Flüchtlingshilfe zur Zeit eine Modeerscheinung ist?
Noemi: Ja, zur Zeit sind wirklich sehr viele Menschen aktiv. Die meisten Projekte, die wir vorstellen haben gerade mehr freiwillige Helfer, als sie brauchen. Aber das Problem wird ja auch bleiben, wenn die Schlagzeilen verschwinden. Deshalb ist es wichtig, die Menschen langfristig an die Hilfsprojekte zu binden.
Rodrigo Bartsch: Uns ist auch klar, dass so ein Abend keine Allzweckwaffe ist. Das Problem wird dadurch nicht gelöst. Aber wir wollen auch Toleranz schaffen. Ein Flüchtling wird zum Beispiel aus seinem Leben und von seiner Flucht erzählen. Wenn die Menschen Flüchtlinge näher kennen lernen verschwinden Vorurteile. Und das ist in Zukunft ja die Basis für friedliches Zusammenleben.
Deborah: Vor allem die rechten Tendenzen in der Politik zur Zeit haben uns nochmal darin bestätigt, dass hier etwas getan werden muss.
a52 // Wo habt ihr denn bei der Arbeit mit Flüchtlingen die größten Hindernisse gesehen?
Neomi: Am Anfang war es schwer, miteinander ins Gespräch zu kommen. Uns gingen recht schnell die Themen aus und dann fragt man sich „Darf ich dies oder das fragen, oder könnte das unangenehm sein?“ Aber mit der Zeit wird man doch schnell offener.
Beispiele für Projekte in Aachen:
jutestun
Eine Plattform, auf der Institutionen, die sich um Flüchtlinge kümmern, Gesuche einstellen können (Hilfe oder Gegenstände). Jeder, der helfen möchte, kann auf der Seite nachschauen, was gerade gebraucht wird.
www.jutestun.de
Aachener Hände – Patenschaften
Aachener können Patenschaften für Flüchtlinge übernehmen und diesen bei der Integration helfen. Dabei wohnt der Flüchtling nicht bei der Patenfamilie, wird aber durch sie unterstützt. Ab Januar 2016 werden wieder Paten vermittelt.
http://aachener-haende.de
Save-me in Aachen
Die 2008 gegründete Initiative setzt sich für die Aufnahme von Flüchtlingen ein und hat bereits bewirkt, dass sich in Deutschland 50 Städte und Gemeinden per Ratsbeschluss zur aktiven Aufnahme von Flüchtlingen bereit erklärt haben, so auch Aachen. Auch bei save-me können Patenschaften für Flüchtlinge übernommen werden, außerdem werden Aktivitäten mit Flüchtlingen organisiert.
www.save-me-aachen.de/
fluechtlingshilfe.unserac.de
Auf der Seite finden sich Initiativen und Institutionen, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, eine Dolmetscherliste und etliches an Hintergrundtexten und kommunalen Entscheidungen zum Thema.

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