Schon seit einigen Jahren kann die sogenannte Millionenlinie, die Aachen-Vetschau mit verschiedenen niederländischen Klein- und Mittelstädten wie Landgraaf, Kerkrade und Valkenburg verbindet, von Familien, Reiselustigen und Lokomotivenliebhabern per Dampfzug befahren werden. In diesem Jahr hat die Südlimburgische Dampfeisenbahngesellschaft (ZLSM) der schon zuvor beachtlichen Waggonkette nach aufwendigen, bereits im Jahre 2003 begonnen restaurativen Arbeiten ein wahres Prunkstück von historischem Wert hinzugefügt – das 2nd class Pullman car 4129 –, was KingKalli veranlasste, einen Abschnitt der Strecke in demselben zurückzulegen.
Die Fahrt mit dem Dampfzug beginnt in Simpelveld, einem beschaulichen Städtchen an der deutsch-niederländischen Grenze. Schon der Simpelvelder Bahnhof ist eine Sehenswürdigkeit, bei deren Anblick man sich in die Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts zurückversetzen kann. Von den Bahnhofsuhren und Hinweisschildern über die Telefone und Werbeplakate bis hin zur Bekleidung der Bahnangestellten entspricht alles dem damaligen Zeitgeist.
So auch das Interieur des blau lackierten Pullman-Waggons, das in den zwanziger Jahren im damals beliebten Art-déco-Stil eingerichtet worden war und nun restauriert wurde, wobei die ZLSM besonderen Wert darauf legte, den Waggon während der Erneuerungsarbeiten weitestgehend im Originalzustand zu belassen. Bei der Restaurierung musste man allerdings einige Probleme bewältigen: Beispielsweise werden die meisten Elemente der Inneneinrichtung des Waggons sowie einige vor fast hundert Jahren verwendete Materialien, etwa Mahagoni, heute nicht mehr auf dem Weltmarkt gehandelt. Deswegen war es stellenweise notwendig, Ersatzmaterialien zu verwenden und einige Teile des Interieurs (beispielsweise die über den Sitzen angebrachten, kupfernen Gepäcknetze) in Eigenregie und unter ausschließlicher Verwendung historischer Hilfsmittel herzustellen. Die beiden Salons des Pullmans bieten 51 Passagieren Platz. Darüber hinaus gibt es noch einen Abstellraum und eine Küche.
Im Waggon treffen wir Gerd Beier, einen der rund 200 Ehrenamtler, die die ZLSM bei der Instandhaltung der Bahnhöfe, der Züge und der Gleise unterstützen bzw. während der Fahrt als Lokomotivführer, Schaffner oder Heizer, die die Kohle aus dem Vorratsbehälter auf den Rost schaufeln, aktiv sind. Beier, ein passionierter Fotograph und Eisenbahn-Enthusiast, dokumentiert die Fahrten der Dampfzüge mit seiner Kamera. „Das Besondere ist, dass bei der ZLSM Freiwillige aus allen Berufsgruppen zusammenkommen, die die Begeisterung für Technik verbindet.“
Er glaubt allerdings, auch der Wunsch, das Lebensgefühl der zwanziger- und dreißiger Jahre nachzuempfinden, mache einen Teil der Motivation der Ehrenamtler aus und bezeichnet die auf der Millionenlinie eingesetzten Züge in diesem Zusammenhang als sich bewegende Denkmäler. Währendessen setzt sich der Zug, angetrieben von einer schwarzen Lok (Baujahr 1910), in Bewegung und wir passieren die Dörfchen Eys und Wijlre in gemächlichem Tempo. Das Terrain ist recht ansprechend und für niederländische Verhältnisse erstaunlich hügelig und der Grund dafür, dass die Bahnstrecke heute als Millionenlinie bekannt ist: Im neunzehnten Jahrhundert war man dazu gezwungen, an verschiedenen Stellen bis zu 30 Meter hohe Hügel abzutragen bzw. Vertiefungen von ähnlichen Ausmaßen aufzuschütten, um die Schienen auf ebenem Grund verlegen zu können, sodass sich die Kosten für die Strecke schließlich auf 12,5 Millionen Gulden beliefen.
Am Valkenburger Bahnhof wird eine kleine Pause eingelegt, die dazu genutzt werden kann, den Heizern beim Kohleschippen zuzusehen oder sich das Aus- und Einhängen der Waggons anzuschauen, ehe es wieder zurück zum Simpelvelder Bahnhof geht. Nach der Fahrt lohnt es sich, dem Streckenverlauf einige hundert Meter zu folgen und die Werkstatt der ZLSM aufzusuchen. Hier arbeiten die zahlreichen Freiwilligen nach dem Ende der Fahrt an den Waggons und der Lokomotive. Grundsätzlich gehört zur Benutzung eines Dampfzugs einige Nachbereitung – So ist es zum Beispiel notwendig, Rost, Aschkasten und Rauchkammer der Lokomotive mit Hilfsmitteln wie Haken und sogenannten Kratzbürsten zu reinigen. Hierbei spricht man vom Entschlacken. Es ist eine von vielen Wartungsarbeiten, bei denen man den ZLSM-Helfern über die Schulter schauen kann, um ein tiefer gehendes Verständnis für die Dampfzugfahrt zu gewinnen.
Außerdem hat die ZLSM ein kleines Museum eingerichtet, in dem man historische Werkzeuge und Fotographien sowie Lokomotivenmodelle und diverse Kopfbedeckungen des Dienstpersonals aus dem letzten Jahrhundert besichtigen kann. Hinzu kommt noch ein Restaurant in der umfunktionierten Bahnhofshalle.
Infos zu den Programmen und den exakten Fahrzeiten: miljoenenlijn.nl.
Eine Fahrt auf der Millionenlinie kann man außerdem auch gut mit einem Besuch der anderen Ausflugsziele der Region wie zum Beispiel dem GaiaZoo in Kerkrade verbinden.
Text: Yannick
Hallo, im Großen und Ganzen trifft oben Geschriebenes alles zu. Jedoch einen Gerd Beier als Freiwilliger ist mir nicht bekannt. Ich bin bereits seit 19 Jahren dort als Freiwilliger tätig. Der Ort heißt nicht Velrij sondern Wijlre. Den Höhenunterschied von 30 m zu realisieren ist in Ordnung, dies geschah für die Sicherheit der Grubenarbeiter, welche in 800 m Tiefe noch die Vibration der Dampfloks verspürten.
Hallo Herr Crombach, danke für die Rückmeldung. Der Ortsname ist korrigiert. Unser Redakteur war bei dem Pressetermin vor Ort und hat mit Herrn Beier gesprochen – mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen, außer dass ich davon ausgehe, dass die Infos so stimmen.
Freundliche Grüße, Birgit Franchy (V.i.S.d.P)