Als ich mein Abi bekam, war ich erst 17 Jahre alt. Da ich mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen konnte, als in der Ersti-Woche als einzige Minderjährige einen Mutti-Zettel zu brauchen, um mit in die Bar zu gehen, entschied ich mich, erst mal einen Freiwilligendienst zu machen. Die Auswahl, die man hat, ist im ersten Moment ein wenig überfordernd. Wohin gehe ich jetzt? Ins Ausland oder bleibe ich in Deutschland? Kita oder Chemielabor? Berge oder Meer?
Als ich mich dann einfach drauflos beworben habe, stieß ich auf den Stadtsportbund Aachen. Wie ich als Mensch aus einem 1.000-Seelen-Dorf in der Nähe von Düren, der noch nie etwas von einem Stadtsportbund gehört hatte, ausgerechnet dort gelandet bin, ist mir immer noch ein Rätsel. Für alle, denen es gerade genauso geht, wie es mir zu diesem Zeitpunkt ging:
Der Stadtsportbund Aachen e. V. ist der Dachverband von circa 230 Sportvereinen in Aachen, die insgesamt über 73.000 Vereinsmitglieder haben. Der SSB unterstützt diese 230 Vereine unter anderem durch Beratungen und die Ausbildung von Übungsleitungen und pädagogischen Fachkräften. Er vertritt den Sport in politischen Gremien und der Öffentlichkeit. Außerdem unterstützt und organisiert er Sportangebote in Kitas und Schulen sowie Angelegenheiten rund um das Deutsche Sportabzeichen.
Als langjährige, begeisterte Fußballspielerin war ich davon sofort gepackt. Auch beim Bewerbungsgespräch fühlte ich mich direkt wohl. Und jetzt – ein paar Monate später – gehören zwei weitere FSJler und ich fest zum Team des SSB Aachen. Die einzig mögliche Erklärung, warum ich genau da gelandet bin: Es sollte einfach sein. Denn man merkt recht schnell, dass Sportlerinnen und Sportler irgendwie alle gleich ticken. Langweilig wird es dadurch aber auf keinen Fall.
Wer schon einmal mit Kindern gearbeitet hat, kann das gut nachvollziehen. Und wer täglich mit einer Gruppe Grundschulkinder in der Turnhalle steht, vermutlich noch besser. Wobei man sagen muss, dass die Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen gar nicht so groß sind. Innerhalb der ersten zwei Monate meines FSJ ging es nämlich an den Wochenenden immer zum Übungsleiter-Lehrgang. Eine bunt gemischte Gruppe von Menschen jeden Alters, die alle das Ziel haben, andere für Sport und Bewegung zu begeistern. Und im Rahmen dieses Lehrgangs habe ich gelernt, dass jeder Mensch, egal ob 15 oder 50, auch Spaß an Fangen und Brennball hat. Oder auch, dass jeder Mensch es genießt, beim Thema „Anpassung an Zielgruppen“ für 45 Minuten so zu tun, als wäre er Teil einer Kinderturngruppe.
Doch egal mit wem, wo, wie und wann – wenn ich aus der Halle rausgehe, habe ich immer ein Lächeln im Gesicht. Auch der Büroalltag ist nicht so, wie man sich einen typischen Büroalltag vorstellt. Es ist normal, wenn die Kollegin mal eben eine Runde laufen geht, der Tag mit einer Einheit Wassergymnastik startet oder die Pause mit einer gemeinsamen Yoga-Session verbracht wird. Eben der typische Mix aus Lockerheit und Disziplin, den es nur im Sport gibt.
Aber es gehört noch so viel mehr dazu, als selbst aktiv Sport zu machen. Wir können mitgestalten: das umsetzen, was wir uns selbst im Sportunterricht gewünscht haben. Wir können Menschen ermöglichen, Teil einer Gruppe zu werden, sich selbst herauszufordern und Spaß an der Bewegung zu erfahren. Ganz egal ob wir uns bei der Sportabzeichenprüfer-Ehrung bei den Prüferinnen und Prüfern bedanken, ob wir bei der Jugendsportehrung die Nachwuchstalente feiern oder ob wir in der OGS die Kinder anfeuern.
Denn was ich am Sport so schätze, ist letztendlich das, was man immer so sagt, aber nie glaubt, bis man es einmal erlebt hat. Beim Sport ist es egal, woher du kommst, wie du aussiehst oder was du magst. Nelson Mandela hat einmal gesagt: „Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern.“ Wir fangen erst mal mit Aachen an.
Text: Annika Lemke
Der Beitrag ist in KingKalli Dezember 2025 / Januar 2026 erschienen.
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