Seit etwas über einem Jahr besuchen wir die Kirche Kunterbunt, die von der evangelischen Kirchengemeinde in Aachen veranstaltet wird. Früher fand diese Aktion für Familien, die etwa alle zwei Monate angeboten wird, in wechselnden evangelischen Kirchen statt. Seit Ende letzten Jahres ist die Christuskirche in Haaren zum festen Platz für die Kirche Kunterbunt geworden. Julia hat für uns vorbeigeschaut. Der nächste Termin ist am 11. Mai.
Nachdem wir die Christuskirche betreten haben, werden wir wie immer freundlich begrüßt. „Da vorne können Sie Ihre Jacken aufhängen und hier Namensschilder vorbereiten“, sagt der Pfarrer und deutet auf einen Tisch mit Kreppband und Stiften. Diese Namensschilder tragen alle in der Kirche Kunterbunt, was die Veranstaltung noch persönlicher macht.
Ausgestattet mit unseren Namensschildern gehen wir weiter in das Kirchenschiff, aus dem bereits Musik ertönt. Der Kirchenmusiker macht so darauf aufmerksam, dass es bald losgeht. Wenige Minuten später begrüßt Pfarrer Hans Christian Johnsen die Familien, während einige Kinder etwas unruhig auf den Bänken hin und her rutschen. Ein kurzer Gottesdienst zu Beginn ist fester Bestandteil der Kirche Kunterbunt. Damit er auch für Kinder besonders interessant ist, wird er interaktiv gestaltet. Geschichten aus der Bibel werden visualisiert, mal mit Bildern, mal mit Handpuppen oder so wie heute, indem Erwachsene oder Kinder in bestimmte Rollen schlüpfen und die Geschichte aus der Bibel – heute steht der Zöllner Zachäus im Vordergrund – noch lebendiger wirken lassen. Thema des heutigen Vormittags ist „kunterBUNT“. Bei jeder Veranstaltung steht ein anderes Thema im Fokus. Auch Lieder gehören zum Gottesdienst dazu. Zum Lied „Miteinander wachsen“, einem festen Bestandteil des Angebots, werden Bewegungen gezeigt, die alle leicht nachmachen können. Auch die jüngsten Kleinkinder wie meine zweijährige Tochter haben dabei sichtlich Spaß. Bei „Preiset den Herrn“ lässt der Kirchenmusiker Frauen und Männer abwechselnd bestimmte Teile singen. Wer dran ist, muss aufstehen und sich anschließend wieder setzen. Dieser Wechsel erfolgt ziemlich schnell. Das sorgt nicht nur für gute Laune, sondern auch dafür, dass alle wach werden, bevor die Familien an verschiedenen Stationen aktiv werden dürfen.
Hierfür darf sich zunächst jede Familie eine Stationskarte abholen. Darauf stehen die Namen der angebotenen Aktionen. Diese sind mal kreativ, mal sportlich oder auch spielerisch. Meine Kinder entschließen sich heute, zuerst ein Armband zu basteln, und fädeln bunte Perlen auf. Anschließend lassen sie sich von den Helferinnen und Helfern – oft Konfirmandinnen und Konfirmanden – an der Station durch eine kleine Zeichnung im entsprechenden Feld bestätigen, dass sie diese Aktion bereits gemacht haben. An der nächsten Station, die wir besuchen, geht es ums Teilen. Mein Sohn, sechs Jahre alt, soll überlegen, wie er eine kleine Tüte Gummibärchen mit seinen Geschwistern und mir am besten teilen kann. Er bildet dafür vier kleine Haufen und guckt, dass sie genau gleich viele Gummibärchen enthalten. Dabei macht es ihm besonders viel Freude, die Haufen möglichst bunt zu gestalten, und das anschließende Verzehren seiner Portion gefällt ihm ohnehin. Auch seine Schwestern freuen sich über ihre Gummibärchen.

Als Nächstes wird es sportlich. Ich führe meine Kinder, die die Augen verbunden haben, mit Worten durch einen Parcours, um zu zeigen, dass sie mir vertrauen können. Mein Sohn will noch den zweiten Teil des Parcours absolvieren. Dafür muss er rückwärts auf einem Seil laufen. Den Weg weist ihm nur ein Spiegel. Plötzlich ist die aktive Zeit schon vorbei. Einige Stationen wie das Basteln einer Papiermenschenkette, ein Mut-Bingo, bei dem man andere Personen finden muss, die beispielsweise eine Brille tragen oder ihren Tauftag wissen, und dies jeweils von ihnen per Unterschrift bestätigen lässt, schaffen wir schon gar nicht mehr. Die Stationen werden langsam abgebaut, um Platz für ein gemeinsames Essen zu schaffen. Die Familien nehmen an den großen Tischen Platz. Zunächst bekommen alle ein Tütchen Brausepulver und kurz darauf spricht der Pfarrer den sogenannten Brausesegen. Die Kinder öffnen das Tütchen, feuchten einen Finger an und naschen Brause aus der Tüte, während der Pfarrer den Segen spricht. Dann gibt es Brot und Suppe für alle und Spendenboxen werden auf den Tischen verteilt. Die Kollekte ist für die Arbeit der Kirche Kunterbunt gedacht oder für andere soziale Aktionen bestimmt. Die Kirche Kunterbunt ist kostenlos, aber Spenden, um diese Arbeit zu unterstützen, sind willkommen.
Nach dem gemeinsamen Essen fahren wir gestärkt und mit dem Gefühl, einen wunderschönen kunterbunten Vormittag verbracht zu haben, nach Hause. Den Termin für die nächste Kirche Kunterbunt haben wir bereits notiert.
Die nächsten Termine der Kirche Kunterbunt, jeweils von 10:30 bis 13:00 Uhr:
11.05.2025: Thema „Baggern, buddeln, betonieren“
13.07.2025: Thema „Wunderbar gemacht“
Um Anmeldung wird zwecks Planung gebeten (per Mail an jan.luebking@ekir.de). Ein spontaner Besuch ist aber in der Regel auch möglich.
Den Text hat Julia V. für KingKalli 128 April/Mai 2025 geschrieben.
Hinterlasse einen Kommentar