„Die hochwertigste Ausstellung, die das Haus gesehen hat“ – diese lobenden Worte von Dr. Annette Lagler, Kuratorin in Aachen, über die neue Ausstellung „Lust der Täuschung – Von antiker Kunst bis zur Virtual Reality“ im Ludwig Forum klingen vielversprechend.
Vom 22. Februar bis zum 30. Juni 2019 erwarten alle Interessierten etwa 100 verschiedene Werke, auch aus der Sammlung von Peter und Irene Ludwig, die einen aufregenden Überblick über die Illusion und den Schein in der Kunst bieten sollen.
Insgesamt zwei Jahre Arbeit stecken in der Gemeinschaftsproduktion der Kunsthalle München und des Ludwig Forums, mit 280.000 Besuchern war die Ausstellung in München auch sehr erfolgreich, in Aachen soll der Fokus nun aber mehr auf Kunst der Gegenwart liegen.
„Lust der Täuschung“ besteht aus einem Parcours mit Werken aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Fotografie, Film, Video, angewandter Kunst, Design sowie Augmented und Virtual Reality. Der Durchgang durch die vier Räume ist für mich jedoch keineswegs ein normaler oder gar langweiliger Museumsbesuch, sondern mehr eine Entdeckertour, bei der nichts so ist, wie es anfangs scheint.
Überall finde ich Überraschungseffekte, bei einigen Kunstwerken muss man tatsächlich einige Minuten stehen bleiben, um das „Rätsel“ hinter dem Objekt zu lösen. Immer wieder verblüfft mich die Gewitztheit einiger Künstler, bei manchen Werken kann ich über die Detailliertheit und den Arbeitsaufwand nur staunen.
Man findet sämtliche räumliche Illusionen und optische Täuschungen, die vor allem durch gezielte Zusammensetzung der Materialien den Betrachter hinters Licht zu führen versuchen. Wie zum Beispiel eine Konstruktion, die ein kleines Weinglas mit einer großen Flasche darstellt, aus einem anderen Blickwinkel und durch geschickte Komposition doch plötzlich wirkt wie ein großes Glas mit einer kleinen Flasche. Besonders ist außerdem ein unendlich lang scheinender, weit in die Tiefe gehender Korridor von Monika Sosnowska, der in Wirklichkeit jedoch nur ein paar Meter lang ist.
Das älteste Ausstellungsstück befindet sich direkt im ersten Raum: eine 4.500 Jahre alte ägyptische Scheintür, die wirkt, als wäre sie aus Holz, eigentlich aber aus Stein ist.
Solche Materialtäuschungen kommen vermehrt vor, Stein wird zu Seide, Holz zu Papierbriefumschlägen, Marmor zu einem weichen Herrenhemd und Porzellan zum Plastikstuhl. Anfangs unscheinbare Alltagsgegenstände werden nach genauerem Hinsehen zu wahren Kunstwerken; da lohnt sich jeder zweite Blick!
Auch moderne Technik spielt eine zentrale Rolle in der Ausstellung. Mit Hilfe von Augmented Reality können Besucher bei einem Werk des Künstlers Tim Berresheim aus Aachen die Figur aus dem Bild dreidimensional „heraustreten“ lassen.
Noch intensivere Raumerlebnisse entstehen durch die Virtual Reality. Einfach die Brille mit integrierten Kopfhörern aufsetzen, Controller in die Hand und schon befindet man sich nicht mehr im Museum, sondern mitten in einer Wüstenlandschaft oder im „Chalkroom“ auf einer Reise in dunkle Schächte.
Für ganz Mutige
Für ganz Mutige gibt es die „Richies Plank Experience“; dabei fährt man mit dem Aufzug eines Hochhauses bis zum höchsten Stockwerk, dann öffnen sich die Türen und plötzlich steht man am Rand eines schwindelerregenden Abgrunds in der Großstadt. Jetzt kann man sich dafür entscheiden, ein paar Schritte auf einer Holzplanke vorwärtszugehen oder sich lieber (wie ich) nur tapfer an der schönen Aussicht zu erfreuen. Durch die Fernbedienung kann aber jeder immer seine nächsten Aktionen selber bestimmen und kontrollieren.

Fälschungen sowie Copyright sind ebenfalls Thema bei der Ausstellung. Es werden einige Neufassungen von Werken berühmter Künstler gezeigt, wie „Das Schlafzimmer“ von Vincent van Gogh oder „Flag“ von Jasper Johns, bei denen das bei denen die Kopie oftmals nicht vom Original zu unterscheiden ist.
Beim ganzen Durchlaufen der Räume fällt es mir sehr schwer, Fakt und Fiktion auseinanderzuhalten, ständig muss ich mich fragen: Was ist Realität und Wirklichkeit und was „nur“ Lüge und Schein? Gerade in Zeiten von Photoshop und Fake News werden Täuschungen immer realer und häufiger. Sich eben nicht manipulieren und beeinflussen zu lassen, ob bewusst oder unbewusst, scheint in der modernen Welt des 21. Jahrhunderts fast schon unmöglich.
Es lohnt sich also, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch um die eigenen Sinne ein wenig zu sensibilisieren und den objektiven Blick zu schärfen.
Doch letztendlich geht es bei der Ausstellung für die ganze Familie vor allem um eins: Lust an der Täuschung! Denn was macht mehr Freude, als nach langem Grübeln endlich den Trick hinter der Illusion herausgefunden zu haben …
Nachtrag:
Achtung, die VR-Installationen ist nur donnerstags 14:00-19:45 Uhr, freitags 14:00-16:45 Uhr, samstags und sonntags 11:00-16:45 Uhr und nur für Besucher/-innen ab 13 Jahren zu erleben. Aufgrund des großen Interesses kann es zu Wartezeiten kommen.
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