Lernen unter freiem Himmel: Unser Besuch im Waldkindergarten NaWaKi

Foto: Neele Kloubert

Einen Dachsbau und einen selbst gefangenen Fisch, das findet man in einem normalen Kindergarten nicht – bei den NaWaKis schon!

Der Waldkindergarten NaWaKi befindet sich auf einem Waldgrundstück in Hergenrath in Ostbelgien. Hier können Kinder von 2,5 bis sechs Jahren montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr spielerisch den Wald erkunden. NaWaKi ist eine Elterninitiative, die 2019 ins Leben gerufen wurde. Das Grundkonzept beinhaltet eine Betreuung im Wald, die durch die Eltern sowie zweimal wöchentlich mit Hilfe einer Waldpädagogin erfolgt. Die meisten Kinder kommen viermal die Woche, manche aber auch nur einmal. In Belgien unterliegen die Kinder, anders als in Deutschland, schon im letzten Kindergartenjahr der Schulpflicht. Ausschließlich den Waldkindergarten zu besuchen, wird bei den älteren Kindern leider nicht als ausreichend anerkannt. Daher ist ein beliebtes Modell, die Kinder im letzten Jahr von zu Hause aus zu unterrichten und sie nur tageweise zu NaWaKi zu schicken. Freitags findet eine offene Eltern-Kind-Spielgruppe für Kinder zwischen null und sechs Jahren statt.

Foto: Birgit Franchy

Bei unserer Ankunft werden wir von der Waldpädagogin Anke Bilda-Kreidler begrüßt, die uns anschließend das Gelände des Waldkindergartens zeigt. Dieses besteht aus einem beheizbaren, umgebauten Bauwagen, einem überdachten Schuppen mit Bastelecke und einer Trockentoilette, einem kleinen Klettergerüst, einer Waldschaukel und einem Sitzkreis aus glatt geschliffenen Baumstämmen. Im Bauwagen können sich die Kinder bei besonders schlechtem Wetter aufhalten. Während wir herumgeführt werden, essen die Kinder und Eltern schon mal ihr mitgebrachtes Frühstück. Krankheitsbedingt handelt es sich heute nur um eine kleine Gruppe, normalerweise sind es knapp zehn Kinder. Anschließend setzen wir uns zu ihnen in den Sitzkreis und beginnen den Tag mit ein paar Liedern. Danach wird der Bollerwagen mit dem Nötigsten gepackt: einem Erste-Hilfe-Kasten, Proviant und Sitzkissen. Dann ziehen wir auch schon los in den Wald!
Wir merken direkt, dass sich die Kinder gut auskennen im Waldgebiet. Kaum ist der Bollerwagen gepackt, äußern sie prompt Wünsche, wo es heute hingehen soll. Wer glaubt, dass der Weg langweilig wurde für die Kinder, liegt falsch – sogar unter freiem Himmel wussten sich die Kinder gut zu beschäftigen. Klassiker wie „Verstecken“ oder „Fangen“ kann man im Wald natürlich besonders gut spielen. Anke Bilda-Kreidler erzählt uns, dass das begrenzte Spielzeug im Waldkindergarten die Kinder dazu veranlasst, kreativer zu werden.

Foto: Magdalena Wunsch

Auf die Frage, warum ihre Kinder in einen Waldkindergarten gehen, antworten uns die Eltern, dass es ein praktischer Weg ist, das Kind mit der Natur vertraut zu machen. Im Wald kann man viel über Gewächse und Bäume lernen, Raub- und Zugvögel von Weitem sehen und die vier Jahreszeiten hautnah miterleben. Im Sommer gehen die Kinder auch oft zum nahegelegenen Bach, um Wassertiere zu beobachten – dabei haben sie sogar schon mal einen Fisch gefangen. Auf unserem gemeinsamen Ausflug entdecken die Kinder einen Igel und ein Kaninchen. Auf dem Gelände gibt es auch einen Dachsbau, erzählt die Waldpädagogin. Wir erfahren auch, dass die viele Zeit in der Natur gut für Motorik und Gehirn ist und das Immunsystem stärkt. Eine Mutter gibt an, der Hauskindergarten sei für sie eine Reizüberflutung, man fühle sich schnell eingeengt und sie finde es unnatürlich, dass die Altersgruppen getrennt werden. Im Waldkindergarten ist der Umgang persönlicher und vertrauter – fast schon familiär – und auch für die Eltern ist er eine gute Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen.

Foto: Magdalena Wunsch

Während des Besuchs fällt uns auf, dass die Kinder sehr unempfindlich sind. Auch wenn ein Junge mehrmals hinfällt, weint er nicht, sondern steht einfach wieder auf und spielt weiter. Obwohl das sicherlich vom jeweiligen Kind abhängt, zeigt sich, dass die Kinder an die Natur gewöhnt sind. Sie lernen, welche Pflanzen für sie giftig sein könnten, und dass sie nichts in den Mund stecken dürfen, ohne zu fragen. Um weiteren Gefahren im Wald vorzubeugen, werden sie in der Zeckensaison regelmäßig auf Zecken abgesucht.

Nach zwei bis drei Stunden endet für uns der Ausflug. Die Kinder essen mittags Suppe, die täglich von einem Elternteil mitgebracht und im Bauwagen aufgewärmt wird. Um 13 Uhr endet ihr Abenteuer im Waldkindergarten.
Die Kosten für den Waldkindergarten betragen 50 Euro monatlich, wenn das Kind nur einen Tag in der Woche den Kindergarten besucht. Vier Tage in der Woche kosten 125 Euro monatlich. Es sind aktuell noch Plätze frei, die Gruppe freut sich über Zuwachs!
Wer NaWaKi finanziell unterstützen möchte, ohne das eigene Kind anzumelden, kann dies über das Beitrittsformular auf der Website tun. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 25 Euro.
Wer sich fragt, was mit dem Fisch geschehen ist, kann beruhigt werden – der wurde natürlich wieder frei gelassen!

Foto: Birgit Franchy

Standort im Wald:
Gegenüber dem Tierhof Alte Kirche in Hergenrath. Zugang ab Anfang Emmaburgerweg, entlang der Leitplanke und dann rechts durch das Wäldchen geradeaus.
waldkindergartenno.wixsite.com/nawaki

Foto: Magdalena Wunsch

Text & Bilder sind im Rahmen eines Schülerpraktikums bei KingKalli entstanden. Neele Kloubert und Magdalena Wunsch waren für KingKalli Ausgabe April/Mai 2025 unterwegs.

Foto: Birgit Franchy
Foto: Birgit Franchy

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