Leben in Aachen: Driescher Hof

in Aktuelles um die Ecke, Familienleben

Dem Driescher Hof eilt in Aachen kein guter Ruf voraus. Auf einer Liste mit Aachener Stadtteilen, die in der Stadt als Problemviertel angesehen werden, wäre der Stadtteil wohl ganz oben mit dabei. Driescher Hof wird quasi untrennbar mit Armut und hoher Migration verbunden. Ein Blick auf die Sozialraumanalysen der Stadt objektiviert dieses Gefühl. 46,2 Prozent der unter 15-Jährigen sind von Armut betroffen, das sind mehr als doppelt so viele wie im städtischen Durchschnitt. 1.300 der insgesamt 5.212 Einwohner sind von Mindestsicherung abhängig. Zugleich weist der Stadtteil mit 67,6 Prozent die höchste Migrationsquote in Aachen auf. Schuleingangsuntersuchungen zwischen 2014 und 2018 zeigten, dass über 50 Prozent der Kinder bei ihrer Einschulung nicht altersgerecht entwickelt waren. Gleichzeitig wurde der Driescher Hof von städtischer Seite lange vernachlässigt. Während in anderen „Problemvierteln“ Städtebaumaßnahmen für Entlastung sorgen sollten, hat der Driescher Hof kaum Zuwendung erfahren.

Wir haben uns auf den Weg gemacht, um uns von diesem Stadtteil, der eine sehr negative Außenwahrnehmung hat, ein ehrliches Bild zu machen und zu hören, wie die Anwohner den Driescher Hof wahrnehmen. Bei mehreren Gesprächen konnten wir erfahren, was für die Kinder und Jugendlichen im Viertel getan wird (und das ist jede Menge), was sich in den letzten Jahren entwickelt hat und wie in naher Zukunft dem Viertel hoffentlich die bitter nötige Zuwendung entgegengebracht wird.

Blocks und Beton – Anwohner wünschen sich mehr Grün

Der Driescher Hof ist ab den 60er Jahren wie so viele ähnliche Siedlungen als zusätzlicher Wohnraum am Rande der Stadt gebaut worden. Dabei sind zu großen Teilen Wohnblocks und am Rande des Viertels Einfamilienhäuser entstanden. Heute leben in dem Stadtteil ungefähr 5.000 Menschen aus aller Herren Länder. Darunter sind zahlreiche Kinder, insgesamt sind fast 20 Prozent der Bevölkerung im Driescher Hof unter 18 Jahre alt. Fast 400 Kinder sind von Sozialgeldbezug abhängig. Gleichzeitig hat der Driescher Hof auch einen großen Anteil an älteren Menschen, die vornehmlich allein leben und das Viertel somit vor weitere Herausforderungen stellen.

Wir kommen von der Trierer Straße in den Driescher Hof. Das Viertel erstreckt sich stadtauswärts auf der rechten Seite zwischen Trierer Straße, Autobahn A44 und dem Grauenhofer Weg. Kurz nach dem Abbiegen von der Trierer Straße auf die Königsberger Straße befinden wir uns bereits im Zentrum des Driescher Hofs. Neben der Offenen Tür D-Hof, die wir später noch besuchen werden, befindet sich der Kirchplatz mit dem Friedensbrunnen. Wobei „Kirchplatz“ vielleicht falsche Erwartungen wecken könnte, denn es handelt sich um einen zubetonierten, teilweise als Parkplatz genutzten Platz vor der entweihten Kirche mit dementsprechend geringer Aufenthaltsqualität. Bei der Auswertung einer Bürgerbefragung im letzten Jahr haben wir erfahren, dass der Platz einer der Orte im Viertel ist, die von den Bewohnern als negativ wahrgenommen werden und bei denen es einer Veränderung bedarf. Gleiches gilt für die entweihte Kirche. Im Rahmen eines Städtebauförderprogramms, welches im nächsten Jahr beginnen soll, soll der Platz zu einer Quartiersmitte werden, an der man sich gerne aufhält. Es wird darüber nachgedacht, den Neubau auf dem Kirchengrundstück für gemeinschaftsorientierte Zwecke, beispielsweise als Veranstaltungsort oder für gesammelte Beratungsangebote (von denen es im Viertel bisher viel zu wenige gibt), zu nutzen. Der Brunnen soll als identitätsstiftendes Merkmal erhalten bleiben. Von hier aus wollen wir nun eine Runde durch das Viertel drehen, bevor wir nebenan zu einem Ortstermin in der Offenen Tür D-Hof verabredet sind.

Einen weiteren Teil des Zentrums des Driescher Hofs bildet eine Ladenzeile mit einem kleinen Platz neben dem Kirchplatz. Hier gibt es eine Dönerbude, einen Friseur, eine Apotheke und einen Hausarzt sowie einen türkischen Supermarkt und einen Postkiosk, vor dem bei unserem Besuch gerade einige Gäste sitzen und ihren Hund herumlaufen lassen. Der Platz ist zubetoniert und lädt nicht wirklich zu einem Aufenthalt ein, außer auf der Sitzgelegenheit vor dem Kiosk kann man sich nirgendwo für eine kurze Pause niederlassen. Seitdem vor einiger Zeit die Bäckerei geschlossen hat, fehlt den Anwohnern ein Bäcker in zentraler Lage, die Sparkasse soll ebenfalls bald schließen. Ein Café vermissen ebenfalls viele Anwohner. Die Ladenzeile und der dazugehörige Platz wurden im Rahmen des ISEK ins Visier genommen, wichtig sind dabei Strategien zur Erweiterung des Angebots an Einzelhandel und Dienstleistungen sowie die Aufwertung durch eine mögliche Entsiegelung und Begrünung des Platzes.

Familiengrundschule am Driescher Hof

Sehr zentral liegt nebenan die Grundschule des Viertels. Gerade warten einige Eltern auf ihre Kinder und unterhalten sich. Die GGS Driescher Hof ist seit 2015 eine Familien-grundschule und legt damit besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern der ihnen anvertrauten Kinder. Da die Familienzentren in Kindertagesstätten ein großer Erfolg waren, wurden ab 2015 in Aachen zwei Familiengrundschulen als Fortführung der Idee, Eltern mehr in die Bildung und Erziehung ihrer Kinder einzubeziehen, eröffnet. Eine davon ist die Grundschule am Driescher Hof. Die Familiengrundschule gestaltet Angebote, die auf die Bedürfnisse der Eltern und Kinder angepasst sind, berät und unterstützt und bezieht die gesamte Familie mehr ein. Ein wesentlicher Punkt hierbei sind die Elterncafés, die wöchentlich morgens während der Schulzeit stattfinden und von allen Müttern und Vätern besucht werden können. Seit 2018 wird ein zusätzliches Augenmerk auf die Förderung eines gesunden Lebensstils gelegt, da Armut nicht nur Einfluss auf soziale Teilhabe und Bildung, sondern auch auf die Gesundheit der betroffenen Familien hat. Dem versucht man mit verschiedenen Projekten entgegenzuwirken.

Ein neuer Spielplatz für die Kinder im Viertel

Auf unserer kleinen Runde durch den Stadtteil wollen wir noch einen Blick auf einen Ort werfen, über den wir schon mehrmals berichtet haben. Der Spielplatz an der Stettiner Straße war lange Zeit ein Dorn im Auge der Anwohner, er wirkte heruntergekommen und lieblos, seit 2016 stand seine Neugestaltung im Raum. Darauf musste lange gewartet werden, nämlich ungefähr sieben Jahre. Heute sieht der neue Spielplatz definitiv attraktiver aus. Als wir vorbeikommen, spielen gerade mehrere Kinder auf dem ganz in Blau gestalteten Spielplatz an einem der neuen Klettergerüste. Daneben sitzen zwei Erwachsene und unterhalten sich. Auf unsere Nachfrage berichtet Lev, der Vater von zwei Kindern, davon, wie sie den neuen Spielplatz finden: „Früher war das ein Platz, an dem wir uns nicht wohlgefühlt haben. Hier waren immer nur Jugendliche, es lagen Müll und Alkoholflaschen herum. Insgesamt kein Platz, an den man seine Kinder gerne zum Spielen schickt. Jetzt ist es deutlich besser, das ist ein richtig schöner Spielplatz geworden, auf dem man sich gerne aufhält.“ Als wir zu Beginn der Sommerferien bei schönem Wetter nochmal durchs Viertel streifen, ist der Spielplatz gut besucht, auf den Spielgeräten, im Sandkasten und auf den Bolz- und Basketballplätzen tummeln sich überall Kinder. Da keine Straßen direkt angrenzen, herrscht eine angenehme und ruhige Atmosphäre, der Spielplatz stellt inzwischen einen großen Pluspunkt fürs Viertel dar.

Ein grüner Aufenthaltsort im Viertel: die Grillwiese an der Herderstraße

Einen grünen Fleck im Viertel bildet die Grillwiese an der Herderstraße, die bei Jugendlichen beliebt, aber leider auch ein Ort der Konflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen ist. Die große Wiese bietet jede Menge Platz, um in der Sonne zu sitzen, Fußball zu spielen oder eben auch zu grillen. An einem Baum in der Mitte der Wiese, der durch ein großes Loch etwas verwunschen aussieht, halten sich die Kinder aus dem Viertel gern auf, in einem Container am Rande des Grillplatzes, der als überdachter Sitzplatz dient, sitzen Jugendliche am liebsten. Anwohner der naheliegenden Einfamilienhäuser beklagen, dass nach den Wochenenden jede Menge Müll auf der Grillwiese herumliegt, ein Anwohner beschwerte sich bei dem Termin letztes Jahr sogar über menschliche Fäkalien. Nicht zuletzt aufgrund der Konflikte um die Grillwiese ist der Platz ebenfalls Teil der im ISEK aufgeführten Orte. Die Grillwiese soll für verschiedene Zielgruppen attraktiv gehalten werden, dabei sollen bisherige Anregungen wie mehr Sitzgelegenheiten, eine Toilette und mehr Mülleimer berücksichtigt werden. Die Beilegung von Konflikten rund um die Grillwiese steht ebenfalls auf der Agenda. Sicherlich kein leichtes Unterfangen.

Wir gehen von hier aus auf einem kleinen Spazierweg am Rande des Viertels weiter. Hier befindet sich auf der rechten Seite eine Reihe von kleinen Einfamilienhäusern, die einen Ring um die Blocks in der Mitte des Viertels bilden. Auf der linken Seite liegt eine Kleingartenanlage. Daneben ist eine Kuhwiese mit Blick auf die Felder hinter dem Grauenhofer Weg, die bald möglicherweise bebaut werden soll. Das sorgt im Viertel bei vielen nicht für Zustimmung.

Apropos Neubaugebiet. Ein schickes Neubaugebiet, wobei dies mittlerweile nicht mehr ganz neu ist, ist am Rande des Viertels ebenfalls am Grauenhofer Weg um die Arlingtonstraße entstanden. 2011 wurde dort auf 4.200 Quadratmetern ein traumhaft schöner Spielplatz für schlappe 285.000 Euro errichtet. Im Viertel hat sich dafür mit den Jahren die Bezeichnung „Spielplatz für die Reichen“ etabliert, das heruntergekommene Areal in der Stettiner Straße hingegen war der „Spielplatz für die Armen“. Dass dies nicht gut für einen Stadtteil ist, ist offensichtlich. Umso besser, dass in der Stettiner Straße endlich auch etwas Schönes entstanden ist.

Die Offene Tür D-Hof – jede Menge Engagement fürs Viertel

Aber jetzt erstmal zurück zur OT, denn unser Termin steht an. Der D-Hof, seit 1981 ein zweites Zuhause für Kinder und Jugendliche im Aachener Stadtteil Driescher Hof, öffnet zusätzlich zu den beiden Offenen Ganz-tagsschulen jeden Nachmittag seine Räume zur freien Nutzung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von sechs bis 27 Jahren. Wir wollen heute vor allem einen Blick auf die Arbeit der Offenen Tür D-Hof werfen. Daher sind wir mit Simone Jansen, der stellvertretenden Leiterin, verabredet, um einiges über die Angebote und das Viertel an sich zu erfahren. Denn der D-Hof für Kinder und Jugendliche versteht sich über seine Arbeit mit den jungen Menschen des Viertels hinaus ebenfalls als Sprachrohr für alle, die sonst nicht gehört werden, und setzt sich auch auf politischer Ebene für den Driescher Hof ein.

Beim Betreten der OT wird man von einem Wegweiser auf verschiedenen Sprachen willkommen geheißen. Simone Jansen begrüßt uns im Aufenthaltsraum und führt uns durch die OT, am frühen Mittag sind erst einige wenige Kinder da. Die Räumlichkeiten der Offenen Tür sind freundlich und modern gestaltet. Die Corona-Zeit wurde genutzt, um dringend notwendige Erneuerungsarbeiten durchzuführen. An den Aufenthaltsraum ist eine Küche angeschlossen, ein Kind bekommt gerade eine Obsttüte über die Theke gereicht, auf gesunde Ernährung wird im D-Hof großer Wert gelegt. Direkt daneben befindet sich eine große Turnhalle, die außerdem für Veranstaltungen im Viertel genutzt werden kann. Die Turnhalle ist hell und ansprechend, die Wände sind mit bunten Graffitis des Aachener Künstlers Señor Schnu versehen. Seine Arbeiten findet man an einigen Stellen im Haus, er arbeitet immer wieder mit der Einrichtung zusammen. Die bunten Graffitis verleihen den Räumen eine einladende Atmosphäre. Die Turnhalle wird vielfältig im freien Betrieb oder für Angebote genutzt, gerne natürlich für Fußballturniere auf den kleinen Toren, aber zum Beispiel auch für einen Jumping-Kurs auf Trampolinen. Damit ist die OT definitiv voll im Trend, die Kurse sind ja auch in Fitnessstudios derzeit sehr gefragt.

Genauso nah am Trend ist das kleine Außengelände der OT, auf dem sich neben Hochbeeten eine Calisthenics-Anlage befindet, wie sie im Moment überall in der Stadt entstehen. Hierzu erzählt Simone Jansen, dass sie mit dem Bau ihrer Anlage sogar so früh waren, dass die meisten Jugendlichen nicht wussten, was sie mit dem Gebilde aus Stangen anfangen sollten. Heute ist die Anlage sehr beliebt, und es finden regelmäßige angeleitete Trainings daran statt.

Auch die weiteren Räume haben jede Menge zu bieten. Es gibt einen Raum zum Billardspielen und einen Gaming-Raum mit Computer und nagelneuer Playstation 5. „Uns ist es auch wichtig, dass wir moderne Geräte zur Verfügung haben. So können die Kinder und Jugendlichen auch mal die neuesten Spiele ausprobieren und bei ihren Freunden mitreden, das gehört für uns zur sozialen Teilhabe.“ Außerdem gibt es ein Kinderzimmer, welches vor allem auf Wunsch von kleineren Kindern eingerichtet wurde. In dem Raum darf natürlich unser Aachen-Spielteppich nicht fehlen! Außerdem gibt es verschiedene Spielsachen und eine gemütliche Couchecke. Die Kinder hätten sich am liebsten ein Bett in diesem Raum gewünscht, was aber nicht möglich ist. „Wir haben den Raum aber so gemütlich wie möglich gestaltet. Viele Kinder hier im Viertel haben kein eigenes Kinderzimmer zu Hause, deswegen verstehen wir, dass das Bedürfnis nach einem Rückzugsort groß ist“, so Simone Jansen. Im Keller gibt es eine Disko für Jugendliche und eine Kegelbahn, die vor kurzem erneuert wurde und deren weiße Wände noch auf eine Behandlung von Señor Schnu warten, um die passende Kegelstimmung aufkommen zu lassen. 

Der D Hof hat sogar eine Disko | Foto: Lasse Falter

Nach der Führung durch die Räumlichkeiten nehmen wir im Besprechungsraum der OT Platz, um Genaueres über die Arbeit zu erfahren. Die OT öffnet täglich ihre Türen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die in ihrer Freizeit hier entweder einfach ihre Freunde treffen oder an Angeboten teilnehmen können. Seit insgesamt zehn Jahren wird mit dem Schwerpunktprojekt „Let’s move“ bei den Angeboten viel Wert auf die Gesundheitsförderung der Besucher und Besucherinnen gelegt. Dies geschieht in den vier Bereichen Ernährung, Bewegung, Entspannung und Gärtnern. Mit dem Projekt konnte die Einrichtung bei den Springer Awards 2022 ein dickes Preisgeld ergattern, wir haben damals darüber berichtet (Link). In allen Bereichen gibt es regelmäßige Angebote wie Jumping auf dem Trampolin oder Yoga, Gärtnern in den Hochbeeten und tägliches gemeinsames Kochen und Essen. Bei Letzterem wird regelmäßig landestypische Küche zubereitet, wofür auch zusammen geplant und eingekauft wird. Das gemeinsame Essen und Sitzen am Tisch ist wichtig, viele Kinder kennen es nicht, gemeinsam in Ruhe zu essen und sich währenddessen über ihren Tag austauschen zu können.

„Beim Kochen und Gärtnern haben wir gemerkt, wie wenig die Kinder und Jugendlichen teilweise über die Herkunft von Lebensmitteln wissen. Da gab es schon Kinder, die dachten, Kartoffeln würden im Glas wachsen“, erzählt Simone Jansen. In der Corona-Zeit während Lockdowns und Co. wurden täglich Essenstüten mit frischen Zutaten für ausgewählte Rezepte an über 80 Familien ausgegeben, daraus ist sogar ein eigenes, hochwertiges Kochbuch entstanden (d-hof.de/wp-content/uploads/D-HOF-Kochbuch-2020-eBook.pdf).

Man merkt sofort, dass hier mit jeder Menge Energie und Herzblut für die jungen Menschen im Viertel gearbeitet wird. Den Kindern und Jugendlichen wird ein zweites Zuhause und damit ein Ort geboten, an dem sie sich frei entfalten und Teilhabe erleben können. Dazu gehört auch, ein Sprachrohr nach außen zu sein und denen, die sonst keine Stimme haben, eine zu geben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich auch auf politischer Ebene für ihr Viertel, seine Kinder und Familien ein. Sie kennen die Probleme der Menschen vor Ort aus nächster Nähe und wissen, was ihnen wichtig ist. Deshalb wollen wir Simone Jansen die letzten Worte überlassen: „Der Driescher Hof ist ein Ort der Gegensätze. Interessant ist, wie unterschiedlich die Wahrnehmung des Viertels von außerhalb und von den Leuten, die wirklich hier leben, ist. In der Außenwahrnehmung der Aachener ist der Driescher Hof ein Brennpunkt, unsicher und unattraktiv. Die Menschen, die hier wohnen, empfinden es aber anders. Sie fühlen sich wohl, aber unter anderem auch deshalb, weil sie es nicht anders kennen. Hier leben viele verschiedene Kulturen auf einem Fleck, unserer Einschätzung nach funktioniert das Zusammenleben gut. Es gibt zu wenige Wohnungen für große Familien, das ist ein Problem. Viele der Kinder haben kein eigenes Zimmer. Insgesamt ist die Infrastruktur nicht gut. Zudem ist alles zu knapp bemessen, es kommen immer mehr Menschen, wir sind aber voll. Unsere Einrichtung platzt schon fast aus allen Nähten. Die OGS hat eine lange Warteliste, es gibt zu wenig Beratungsangebote im Viertel. Die Menschen, die hier leben, sind am Rande der Gesellschaft. Sie haben gelernt, sich zufriedenzugeben, was gut ist, aber sie trauen sich auch nicht, den Mund aufzumachen, da sie das Gefühl haben, eh nicht berücksichtigt, geschweige denn überhaupt gehört zu werden. Wir würden uns wünschen, dass mit der finanziellen Zuwendung, die in den nächsten Jahren ins Viertel kommen soll, viel Geld in Soziales und weniger in Beton investiert werden wird.“

Integriertes Stadtentwicklungskonzept Forst/Driescher Hof

Der in einer Stadtteilkonferenz zusammengefasste Bereich Forst/Driescher Hof ist seit Jahren vernachlässigt worden, vor allem trifft dies aber auf den Driescher Hof zu. Während in anderen sozialen Brennpunkten Aachens wichtige Entwicklungen angestoßen wurden (Soziale Stadt Aachen-Nord 2009-2021, davor Soziale Stadt Aachen-Ost 1999-2010 sowie die Erneuerungen im Preuswald in den letzten Jahren), haben die Bewohner des Driescher Hofs, der nicht weniger von Problemen geprägt ist, keine Unterstützung von außen erfahren. Seit Jahrzehnten fühlen sich die Bürger im Driescher Hof dadurch abgehängt und nicht gesehen, was innerhalb des Sozialraums zu jeder Menge Frustration geführt hat. Der 2020 erschienene dritte Sozialentwicklungsplan konnte dazu beitragen, dass Forst und Driescher Hof mehr in den Fokus rückten. In dem Bericht heißt es auf Grundlage der umfassenden Analysen, „dass insbesondere Forst (und hier der Driescher Hof) einen Bedarf in Richtung eines integrierten Quartiersentwicklungsprozesses hat. Denn in den anderen Quartieren mit besonderen sozio-ökonomischen Herausforderungen sind in der Vergangenheit bereits integrierte Planungen durchgeführt bzw. angestoßen worden.“ Daraufhin konnte mit dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ (ISEK) ein Prozess für das Gebiet Forst/Driescher Hof, das insgesamt aus sechs Sozialräumen besteht, angestoßen werden, der seit 2021 im Gang ist.

Im Rahmen des ISEK wurde ein Dortmunder Planungsbüro beauftragt, in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren vor Ort ein Konzept aufzustellen, das Ziele, Handlungsfelder und Maßnahmen definiert. Das Konzept soll die Grundlage für den Gesamtantrag für die Aufnahme in das bundesweite Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ ab 2025 bilden. Fester Bestandteil waren dabei bisher unter anderem diverse Beteiligungsverfahren der Anwohner, um ihre Wünsche, Sorgen und Ideen mit einzubringen. Das Konzept soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.
Für den Driescher Hof wurden bisher zwölf Projektideen entwickelt, die sich online unter plan-portal.de/zukunft-forst einsehen lassen. Einige finden sich auch in diesem Text wieder.

 

Folgende Stadtteile haben wir schon vorgestellt:

Preuswald, Innenstadt, Brand, Eilendorf, Soers, Haaren, Burtscheid, Walheim und nun Driescher Hof. Nach der Heftproduktion sind die Berichte mit vielen weiteren Bildern auf kingkalli.de zu finden. Euer Stadtteil war noch nicht dabei?

Meldet euch gerne! Bei jedem Viertel stellen wir auch eine soziale Einrichtung, Gemeinde oder einen Verein vor. Schickt einfach eine Mail direkt an lasse.falter@verlag-umdieecke.de. Als Nächstes kommt der Kronenberg an die Reihe! Danke für den Tipp, sich dort einmal umzuschauen.

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