Kindgerechtes Rollenspiel

in Kultur, Musik, Theater für Kinder, Spiele

Wir haben es doch schon alle getan.
Ob wir nun Vater, Mutter, Kind gespielt oder als Ritter, Polizistinnen und Piraten durch die Gegend gelaufen sind oder wackere Schlachten mit Ästen gegen schurkische Baumstümpfe geschlagen haben – wir haben alle schon Rollenspiele gespielt. Wenn wir das Wort „Rollenspiel“ heutzutage hören, denken wir jedoch zunehmend an Computer, WoW, Onlinespielsucht und Ähnliches. Derartige Rollenspiele sind jedoch nur eine Weiterentwicklung dieses großartigen Spiels. Eine andere, unbekanntere Variante ist Pen-and-Paper-Rollenspiel.
Bei diesem Spiel setzen sich die Spieler zusammen. Jeder von ihnen hat einen Charakterbogen, auf dem die wichtigsten Details zu der Figur, die er spielt, notiert sind. Meistens sind bestimmte Fähigkeiten mit Zahlenwerten verknüpft, gegen die dann gewürfelt wird, um beispielsweise festzustellen, ob der Held es schafft, einen Knoten zu binden oder nicht. Einer der Spieler ist der Spielleiter, der die umgebende Welt beschreibt und den Spielern Steine in den Weg le… – ich meine natürlich, Spannung und Abenteuer bietet.

Dieses Hobby wird dieser Tage vor allem von Erwachsenen praktiziert, mit entsprechend erwachsenen Themen. So schlagen sich schon mal vor Waffen strotzende Söldner durch eine dystopische Zukunftswelt. Auch Rollenspiele, in denen die Helden Buchhalter oder Programmierer darstellen, gibt es. Das heißt jedoch nicht, dass es kein kindgerechtes Spiel ist, denn im Gegensatz zu Computerspielen ist es komplett flexibel und der Inhalt von Spielleiter und Spielern abhängig. Und rollenspielende Eltern sowie die Spieleverlage kümmern sich auch durchaus um Nachwuchs – so gibt es bereits spezielle „Kinderrollenspiele“ wie beispielsweise das mittlerweile leider nicht mehr produzierte „DSA-Junior“ oder das Brettspiel „Quest – Angriff der Orks“. Aber auch herkömmliche Rollenspiele können den Kinder- und Elternwünschen angepasst werden. Man kann Ritter, Magierinnen und Jäger spielen, als Pirat der englischen Marine eine lange Nase drehen oder auch in der Gegenwart spannende Detektiv-fälle lösen.

Natürlich gibt es Eltern, die sich davor scheuen, es auszuprobieren, weil sie sich nicht sicher sind, wie man mit der Gewalt im Spiel umgehen soll. Immerhin tragen wackere Ritter das Schwert nicht nur zum Spaß mit sich herum, und die Kanone der Piratin schießt auch nicht mit Konfetti. Jedoch kann man beim gemeinsamen Rollenspiel mit einem erwachsenen Spielleiter all diese Faktoren kontrollieren, was beim „normalen“ Rollenspiel der Kinder nicht möglich ist. Man kann immer einschreiten, wenn das Kind mal mehr Kampf will als die Eltern und ihm auch ohne eine Standpauke erklären, warum das nicht gut ist: Wenn wir jetzt diese Trolle angreifen, könnten sie sauer auf uns sein und wir haben Probleme. Vielleicht sind es ja nette Trolle …*

Es gibt jedoch auch ein paar starke Pluspunkte dieses Hobbys, die es für Eltern sehr attraktiv machen können. Rollenspiel ist nicht nur ein unterhaltsames Hobby, sondern auch ein lehrreiches. Es wird viel geschrieben und auch gerechnet – den Aussagen einer rollenspielenden Mutter nach ist es hervorragend geeignet, um die Grundrechenarten zu lernen, ohne dass es auch nur wie ein „Lernspiel“ wirkt. Die Fantasie wird stark angeregt, da man sich die gesamte Welt selbst vorstellt und sich in eine andere Figur hineinversetzt. Die Spieler müssen zusammenarbeiten, um ihre Heldentaten zu vollbringen, lernen soziale Verantwortung und Teamarbeit. Und es können auch moralische Inhalte eingearbeitet werden.
Außerdem öffnet man sich beim Rollen-spiel viel mehr, kann sich ausleben und offen über Dinge sprechen, die man sonst eher nicht ansprechen will. – Das Kind redet vielleicht nicht gerne über gewisse Dinge mit den Eltern, aber die mutige Schatzsucherin hat solche Probleme nicht mit dem treuen Professor, mit dem sie alte Mumien ausgräbt.
Und zu guter Letzt ist es ein Hobby, das für fast alle Altersgruppen attraktiv ist – man kann die Kinder schon ab etwa sechs Jahren einführen und selbst Erwachsene haben daran noch Spaß.

Sicher, Rollenspiel erfordern Zeit, man sitzt viel herum, redet sehr viel. Aber es mag so manchen geben, für den das genau das Richtige ist. Es ist kein teures Hobby, und wenn man sich hineingefunden hat, macht es unglaublich viel Spaß.
Einfach mal selber ausprobieren!

*Das Thema „Gewalt im Rollenspiel für Kinder“ wird auf der Seite www.mitmach-maerchen.de ausführlich behandelt.

Hier sind ein paar Rollenspielsysteme aufgeführt:
DSA: Größtes Rollenspielsystem Deutschlands. Klassische Fantasy (Ritter, Zwerge, Elfen). Die Basisregeln können auch von etwas älteren Kindern verstanden werden, generell leider etwas komplizierte Regeln.
DSA 4.1 Basisregelwerk – Preis: 30 Euro, ISBN-10: 3890644406

SME: Einfaches und kostenloses Rollenspielsystem made in Aachen, das frei zum Download verfügbar ist:
home.arcor.de/john_constantine/public/MES/index.html

Savage Worlds: Offenes Rollenspiel-system mit guten Regelerklärungen für Spieler und Leiter, zum Selbstanpassen.
Gentlemans Edition – Preis: 35 Euro, ISBN-10: 3941077325

Quest: Angriff der Orks: Brettspiel mit Rollenspielelementen, ab etwa 10 Jahren empfohlen.
Preis: 25 Euro, ASIN: B0018ZE6KG

Onlineshop für weitere Rollenspiel-systeme und Zubehör (Würfel):
www.sphaerenmeisters-spiele.de

Aachener Rollenspielforum:
www.rpg-aachen.de/forum/

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