„Kinder forschen“ – Kurzweilige Fortbildung für Pädagogen macht fit für MINT-Förderung

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Foto: Pauline Dötsch

Was hat Beethoven mit Schall zu tun? Wie kann man einen Löwen nachahmen? Mit wie vielen Leuten funktioniert ein Schnurtelefon? Wie kann man mit Gläsern und Flaschen Musik machen? Das sind alles Fragen, die in Workshops der „Stiftung Kinder forschen“ beantwortet werden. Hier lernen Pädagoginnen und Pädagogen, die Neugierde der Kinder mit Experimenten spielerisch anzukurbeln. Das Ziel ist die Förderung einer zeitgemäßen Frühbildung in den sogenannten MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Pauline hat für uns einen Termin besucht und selbst viel dazugelernt.

Wir treffen uns im Foyer des Zinkhütter Hofs in Stolberg. In der StädteRegion Aachen koordiniert das Bildungsbüro das lokale Netzwerk Kinder forschen in der StädteRegion Aachen – MINT-Förderung in der frühen Bildung. Es hat heute eingeladen. Die Finanzierung der Workshops läuft über den Verein Partner für Bildung e. V.
Für alle ist es eine Herzensangelegenheit, die frühzeitige MINT-Bildung von Kindern zu fördern. Die Pädagogen und Pädagoginnen aus Kita und Grundschule können aufgrund der Finanzierung durch den Verein kostenlos an den Workshops teilnehmen und das neue Wissen später in ihre Einrichtungen tragen.

Ich treffe in der Mittagspause ein. Gerade sind die zehn Teilnehmenden etwas müde, denn am Vormittag haben sie schon den Theorieteil besprochen. Zum Beispiel ging es da um den Aufbau des menschlichen Ohrs. Stolz zeigen sie ihre selbstgebastelten „Klangmaschinen“. Sie haben die verschiedensten Materialien benutzt und kreative Konstruktionen gebastelt. Je nach Bewegung erzeugen die Apparaturen Geräusche. Kreative Namen dürfen da auch nicht fehlen: Die Windkrake, der Engelsrufer und der Alarmomat machen ganz schön viel Lärm!

Nach einem Aufwärmspiel geht es für alle in die experimentelle Phase, und das wird lustig.
In Gruppenarbeit gehen die Pädagoginnen und Pädagogen an verschiedene Stationen und können viele kleine Versuche durchführen. Dazu steht reichlich Material zur Verfügung. Ein riesiger Tisch voller Krimskrams: Nägel, Papierröhren, Pfeifenreiniger, Klebeband, Papierteller, Büroklammern und Wolle sind nur einige Beispiele. Die Reaktionen sind enthusiastisch: „Wie einfach man mit Dingen aus dem Haus arbeiten kann!“ Die Experimente lassen sich ganz leicht nachmachen.

Foto: Pauline Dötsch

Zuerst begleite ich die Schnurtelefon-Station. Ein Klassiker. Vivien und Seán befestigen verschiedene Schnüre an Bechern und wir gehen in einen Nebenraum. Jeder nimmt einen Becher und stellt sich in eine Ecke. Vivien flüstert in ihren Becher und Seán hört über seinen Becher ihre Stimme. Beide freuen sich über den Trick. Dann testen sie Schnüre aus anderen Materialien. Klappt alles einwandfrei. Nur durch Wände funktioniert es nicht. Die Schnur muss gespannt sein und darf nichts berühren.
Eine Station weiter wird ein Stethoskop gebastelt. Er besteht aus einer Pappröhre und einem Trichter. Ganimete kann damit den Herzschlag ihrer Kollegin Heba hören.
Andersherum ist die Konstruktion ein kleiner Lautsprecher. Vor dem Lärm schützen die selbstgebastelten Ohrenschützer. Mit Pfeifenreinigern und ganz viel Watte dämpfen sie das geräuschvolle Gewusel der anderen.

Foto: Pauline Dötsch

Bei der Wahl des spannendsten Experiments sind sich alle einig: das Beethoven-Experiment. Ein einfacher Schaschlikspieß wird dabei zwischen die Zähne genommen. Das andere Ende liegt auf einer Spieluhr. Dann heißt es Ohren zu und lauschen. Das Ergebnis begeistert: Man hört die Spieluhr ganz klar und deutlich. Das liegt an der sogenannten Knochenleitung. Neben Holz können auch Knochen den Schall weiterleiten. Je nach Dicke des Holzes wird die Musik lauter. Diesen Trick hat schon Beethoven benutzt. Nachdem er das Gehör verloren hatte, konnte er so die Schallschwingungen seines Klaviers wahrnehmen und weiter komponieren – die Ergebnisse lassen sich hören!

In anderen Klangexperimenten wird Musik erzeugt. Die selbstgebastelte Gitarre besteht aus gespannten Gummis auf einem Klangkörper. Verschieden volle Flaschen geben verschieden hohe Töne von sich. Eine Pädagogin entdeckt ein neues Talent an sich: Mit dem angefeuchteten Finger kann sie den Rand von Weingläsern zum Klingen bringen.

Dank des Workshops können die Anwesenden nicht nur von der Kursleiterin lernen, sondern sich auch austauschen.
Gemeinsam sprechen sie über ihre Erfahrungen und helfen sich weiter. Pädagogin Sarah zeigt den anderen eine überzeugende Methode, um das Gebrüll eines Löwen nachzuahmen.

Alle Spiele, Experimente und Bastelaktionen aus dem Workshop sind Anregungen, die leicht in Schulen oder Kindergärten nachgemacht werden können. Sie animieren die Kinder dazu, Fragen zu stellen. Die unscheinbaren Experimente sind schlicht und einfach Physik. So können Kinder schon im jungen Alter spielerisch an MINT-Fächer herangeführt werden. Dies ist besonders wichtig, da früh gewecktes Interesse an Naturwissenschaften langfristig die Bildungschancen und das Verständnis für Technik und Innovation stärkt. Genau hier setzt „Kinder forschen“ an: mit Experimenten, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Begeisterung für Wissenschaft wecken. Doch auch die Erwachsenen hatten Spaß. „Hier kann man das innere Kind mal rauslassen“, freut sich eine Pädagogin.
Neben dem Workshop zu Klang und Geräuschen bietet „Kinder forschen“ eine Vielfalt an Themen an: Magnetismus, Wasser, Strom und Energie sowie nachhaltige Entwicklung. Für alle Pädagoginnen und Pädagogen mit stressigem Alltag gibt es auch Online-Kurse – alles wie gesagt kostenlos.

 

Anmeldung und aktuelle Termine der StädteRegion Aachen: 

staedteregion-aachen.de/de/navigation

Online-Kurse: campus.stiftung-kinder-forschen.de

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