Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist inzwischen nicht nur ein Thema, von dem wir in den Medien hören. Seit 2022 ChatGPT zum ersten Mal kostenlos für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, hat es die Technologie in unseren Alltag geschafft. Neue KI-Assistenz-Systeme verschiedener Anbieter wie Copilot, Gemini und DeepSeek werden uns überall zugänglich gemacht, und trotzdem ist das Thema für die meisten immer noch nicht wirklich greifbar und mit viel Unsicherheit verbunden. In der neuen Ausstellung des Discovery Museums „Ai: the Expo“ in Kerkrade kann man nicht nur die Entstehung und Funktionsweise von KI-Systemen interaktiv erforschen und ausprobieren, sie regt vor allem zum Mitdenken an. Was sollten wir mit KI tun und was vielleicht lieber nicht? Wo setzen wir die Grenzen? Und welche Bedenken gegenüber KI sind tatsächlich begründet?
KI erklärt KI
Am Eingang der Wechselausstellung, die Ende 2024 eröffnet hat, erwartet einen ein digitaler Check-in, wie man ihn eher an einem Flughafen vermuten würde. Jeder Besucher tritt vor einen großen Bildschirm, wo er von der hauseigenen KI in Empfang genommen wird. Nachdem man sich mit Namen vorgestellt hat und sich das System mit einem kurzen Scan das Gesicht eingeprägt hat, wird man mit den bedeutungsschwangeren Worten „Ich werde dich auf Schritt und Tritt beobachten“ in die Ausstellung entlassen.
Die KI stellt einen stetigen Begleiter durch die Ausstellungsräumlichkeiten dar. Sie begegnet einem als kleiner fröhlicher Kubus, der durch Erklärvideos führt, oder interagiert direkt mit einem, wenn man vor einen der großen schwarzen Bildschirme tritt, die überall in der Ausstellung hängen. Hier wird man zunächst fröhlich mit Namen begrüßt, bevor man mit einer Frage in ein Gespräch verwickelt wird. Diese Fragen können sich direkt auf ein Ausstellungsstück beziehen, mit dem man zuvor interagiert hat, oder Erkundigungen nach der eigenen Meinung zu einem bestimmten Thema im Kontext der KI sein. Antworten kann man mithilfe der Vorgaben auf einem Touchscreen. Je nach Antwort wird die eigene Annahme in den entsprechenden wissenschaftlichen Kontext und aktuellen Diskurs eingebettet.
Immer wieder wird man angeregt, nicht nur die Inhalte der Ausstellung zu reflektieren, sondern sich auch über die Fragen Gedanken zu machen, auf die wir noch keine eindeutigen Antworten haben. Empfindet man Kunst, die mithilfe von KI geschaffen wurde, als Kunst oder nicht? Gerade weil man keine eindeutigen Antworten bekommt, hilft es sowohl Jung als auch Alt, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man selbst zu verschiedenen Aspekten steht, und unterstützt dabei, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Viele Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben
Die Ausstellung teilt sich in verschiedene Abschnitte. Der erste Bereich gibt eine Einführung in die Anfänge und Grundlagen der KI. Wie funktionieren Programmierungen? Was ist ein neuronales Netzwerk? Und was ist der Unterschied zwischen einem Algorithmus und einer KI? Interaktiv und für jede Altersgruppe verständlich werden diese Fragen beantwortet. So kann man zum Beispiel selbst mit einfacher Programmiersprache einen Roboterarm programmieren, an einer beeindruckend großen Installation erproben, wie ein neuronales Netzwerk funktioniert, und den Fortschritt von Technologie anhand der Entwicklung verschiedener Computerspiele, die man natürlich auch selbst ausprobieren kann, mitverfolgen. Bei Fragen stehen bei den meisten Installationen kleine Bildschirme zur Verfügung, bei denen man auf fast jede Frage eine Antwort finden kann. Auch deutsche Besucher werden keine Verständnisschwierigkeiten haben, da alle Texte, Video- und Audioformate der Ausstellung auf Englisch, Niederländisch und Deutsch verfügbar sind.
Im Anschluss an diese Einführung in die Grundlagen können verschiedene Funktionsweisen der KI erprobt werden. Hier kann man „Schere, Stein, Papier“ mit einem Roboterarm spielen, zusammen anhand weniger Sätze eine Popballade über einen Roboter, der schon immer eine Ballerina sein wollte, komponieren oder Landschaften generieren. Wie funktionieren Deepfakes und wie sieht sowas aus? In diesem Bereich der Ausstellung kann man sehr viel Zeit damit verbringen, sich kreativ auszutoben und herumzuexperimentieren, während man gleichzeitig die vielfältigen Anwendungen von KI kennenlernt.

Im dritten Teil der Ausstellung geht es um die Veränderungen, die KI nach sich zieht. Wie beeinflusst sie bereits jetzt den Alltag in vielen Berufen, welche Folgen hat sie für unsere Internetsicherheit und welche Bedenken gegenüber KI sind begründet und welche vielleicht nicht? Mithilfe von Videos, die unterschiedlichste Gruppen zu Wort kommen lassen, werden verschiedene Perspektiven beleuchtet. Auch unsere individuellen Berührungspunkte mit KI in den Medien werden hier aufgearbeitet.
Den Abschluss des Rundgangs stellt ein Besuch bei Ami dar, einem der fortschrittlichsten humanoiden Roboter weltweit. Ami imitiert nicht nur eine realistische Sprechweise, sondern auch die Mimik von Menschen. In einer kleinen Show, die im Wechsel auf Deutsch, Englisch und Niederländisch stattfindet, öffnet Ami die Tore zu ihrem Reich, stellt sich vor und beantwortet jede Frage, möge sie noch so abstrus sein. Wer sind deine Schöpfer? Wünschst du dir Haar? Kann deine Glatze leuchten? Sprichst du Russisch? Eine Show, in der auch Wert darauf gelegt wird, die Limitationen der bisherigen Technologie aufzuzeigen, indem beispielsweise angesprochen wird, dass selbst hinter einer KI, welche ankündigt, die Weltherrschaft zu übernehmen, bisher immer noch ein Team aus Schöpfern steht, die sie genau darauf programmiert haben.
Am Ende der Ausstellung, am Check-out, findet man heraus, dass die KI der Ausstellung ihr Versprechen vom Anfang wahr gemacht hat: Sie hatte einen tatsächlich mehr im Auge, als man dachte. Auf welche Weise? Das sollte jeder für sich selbst herausfinden. Wenn man möchte, kann man an diesem Punkt alle Beobachtungen der KI wieder löschen lassen.
Mitdenken erwünscht!
Man verlässt die Ausstellung mit dem Gefühl, einen guten und ganzheitlichen Überblick erhalten zu haben. Die Ausstellung trifft einen wichtigen Punkt im Kontext der KI-Debatte. Es ist ein noch sehr junges Thema, und sich seine eigene Meinung dazu zu bilden, ist oft schwierig, wenn man den Eindruck hat, zu wenig zu wissen. „Ai: the Expo“ ermöglicht Jung und Alt, auf vielen Ebenen eine Begegnungsstätte mit KI zu sein, ohne dabei den wichtigen Aspekt des Diskurses aus den Augen zu verlieren.
Bis mindestens Ende des Jahres 2025 steht es Besuchern offen, auf Schnupperkurs mit dem Thema KI zu gehen.
Die Dauerausstellung
Wer noch nicht ausgelastet ist, kann sich mit dem Ticket auch die Dauerausstellung anschauen. Das Thema künstliche Intelligenz fügt sich dabei nahtlos in vielfältige aktuelle Themen unserer Zeit ein, die hier behandelt werden. Dazu gehört der Umgang mit Ressourcen, der Umwelt und Nachhaltigkeit, aber auch andere wissenschaftliche Themen werden hier spielerisch, interaktiv, mehrsprachig und farbenfroh aufbereitet. Egal für welche Altersgruppe – das Museum bietet genug für einen Tagesausflug und gibt jedem die Möglichkeit, etwas Neues zu lernen.
Discovery Museum
Museumplein 2, 6461 MA Kerkrade, +31 45 5670809
discoverymuseum.nl/de
Ticketpreise
0-4 Jahre: frei | 5-17 Jahre: 15 Euro | ab 18 Jahren: 18 Euro
Öffnungszeiten
Di-So 11:00-17:00 Uhr
Öffnungszeiten an Feiertagen
Ostern & Ostermontag, 20. & 21. April 2025: 11:00-17:00 Uhr
Königstag 26. April 2025: geschlossen
Mo 28. April 2025: 11:00-17:00 Uhr
Tag der Befreiung, 5. Mai 2025: geschlossen
Di 13. Mai 2025: 11:00-16:00 Uhr
Christi Himmelfahrt, 29. Mai 2025: 11:00-17:00 Uhr
Sonderprogramm: Eine AI-Woche für ein niederländisch-sprachiges Publikum findet vom 17. bis 22. April 2025 statt.
discoverymuseum.nl/activiteiten/ai-week
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