Jugendbuchtipp: Adresse unbekannt

in Aktuelles um die Ecke, Medien

Darf ich vorstellen: Felix, 12 Jahre, lebt zusammen mit seiner Mutter Astrid in Kanada. Genauer gesagt leben die beiden in einem Minibus, aber nur vorübergehend. Doch bevor ich mehr von dem Buch erzähle, möchte ich die unterschiedlichen Arten von Lügen verraten, zwischen denen Felix und Astrid unterscheiden: Es gibt die unsichtbare Lüge, die Gib-dem-Frieden-eine-Chance-Lüge, die Beschönigungslüge, die Tut-keinem-weh-Lüge und die Jemand-könnte-ein-Auge-verlieren-Lüge. Manche von diesen Lügen sind harmlos, es gibt aber auch richtig schlimme Lügen. Und zwischen verschiedenen Lügenarten zu unterscheiden ist wichtig, denn Astrid lügt sehr viel. Dass die beiden nur vorübergehend im Minibus leben, ist wohl eher eine Beschönigungslüge. Die beiden versuchen, ihr Leben im Minibus als einen ganz besonderen Urlaub zu empfinden. Doch als es immer kälter wird, Felix mit leerem Magen in die Schule geht, ständig Ausreden erfinden muss, warum seine Freunde ihn nicht besuchen können, und Astrid immer häufiger Lebensmittel im Supermarkt in ihrer Tasche verschwinden lässt, da wird Felix klar, dass er etwas unternehmen muss. Er meldet sich bei einer Quizshow für Kinder im Fernsehen an und beschließt, das Verbot seiner Mutter, über die Wohnsituation zu sprechen, zu brechen: Er weiht seine Freunde ein und erlebt, wie sie ihm beistehen und ihn unterstützen. 

Obdachlosigkeit und die damit verbundene Scham, das Gefühl der Ausweglosigkeit und die Angst, dass die Familie auseinandergerissen wird, wenn man um Hilfe bittet: Das hat Susin Nielsen in einem spannenden, lustigen Buch verpackt. Durch den tollen Schreibstil und die Situationskomik packt die Geschichte alle, die dieses Buch in die Hand nehmen, und regt dazu an, sich auf ebendiese Themen aus einer ganz anderen Perspektive einzulassen. 

Susin Nielsen: Adresse unbekannt
Urachhaus, September 2021
18 Euro
ab 11 Jahren

vorgestellt von Lara Weißbach, Buchhändlerin beim Worthaus in Aachen-Burtscheid

Hinterlasse einen Kommentar