Gut Poch in der Soers: Spielen, toben und entdecken auf dem Bauernhof

Foto: Lasse Falter

Hinter dem Lousberg, den Blick ins Grüne auf weite Wiesen gerichtet, liegt in der Soers der Bauernhof Gut Poch. Auf dem Gelände des Gutes gibt es nicht nur landwirtschaftlichen Betrieb mit Obst- und Gemüseanbau und Rindern, sondern auch verschiedene Angebote für Familien mit Kindern mitten im Grünen. Der Landwirt Christoph Bonnie stellt dafür einen Teil seines Grundstücks als grüne Fläche in der Natur zur Verfügung. Das Haus für Familien bietet hier mit Astrid Simons als Koordinatorin kostenlose Kurse und offene Angebote unter dem Titel „NachhaltigkeitERLEBEN hier: auf dem Bauernhof“ an. Diese werden finanziert über Fördermittel vom Bundesministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Wir haben uns vor Ort einen Eindruck verschafft und mit Astrid Simons über das Projekt gesprochen.

Freitag kurz nach 12:00 Uhr, die Sonne steht hoch über der Soers, es ist bereits sehr warm. Jeden Freitagvormittag treffen sich hier Mütter, Väter und Großeltern mit ihren Kindern bzw. Enkelkindern von 1-3 Jahren auf der Wiese vor Bonnies Hofladen zum Natur-Café. Beim Einfahren auf den Parkplatz wird schon deutlich, dass das Angebot gut angenommen wird. Der kleine Parkplatz ist gefüllt, sowohl mit Fahrrädern als auch Autos. In den Broschüren der Angebote wird darum gebeten, vor allem mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad anzureisen, eine Bushaltestelle der Linie 54 liegt nur ein paar Meter entfernt. Auf der Wiese vor dem Parkplatz tummeln sich jede Menge Kinder, Eltern sind bei ihnen oder sitzen auf Picknickdecken im Schatten. Unter einer großen alten Eiche steht eine Hollywoodschaukel, auf der gerade eine Mutter mit ihrer Tochter ein Eis genießt, an einem der Äste ist ein langes, dickes Seil angebracht, an dem sich ein anderes Kind festhält und über die Wiese schwingt.

Die frisch gemähte Wiese ist durch eine kleine Hecke vom Parkplatz abgegrenzt. Rundherum liegen die Parzellen des Gärtnerprojekts „Meine Ernte“, hier sieht man einige Hobbygärtner, die gerade Salate und Zucchini ernten. Auf der Wiese befinden sich verschiedene Spielmaterialien, ein in den Boden gelassenes Trampolin, eine kleine Rutsche, ein Sandkasten mit einem riesigen Berg Sand und jede Menge verschiedene Sitzmöglichkeiten. Die Koordinatorin Frau Simons sitzt im vorderen Teil der Wiese auf einer Picknickdecke und ist mit Eltern ins Gespräch vertieft. Allgemein herrscht hier eine entspannte, ruhige Atmosphäre. Die Kinder können frei auf der Wiese herumlaufen (oder krabbeln), während die Eltern entweder mit ihnen spielen oder miteinander ins Gespräch kommen. Direkt an der Wiese stehen drei Schafe hinter einem kleinen Holzzaun. Die Schafe sind zahm und lassen sich sehr gerne streicheln.

Während Astrid Simons uns das Gelände zeigt, erwähnt sie, dass sie normalerweise nicht bei den Kursen und offenen Angeboten vor Ort ist, sondern lediglich eine koordinative Position übernimmt. Die zwei Kursleiterinnen für das Freitagsangebot sitzen im hinteren Teil der Wiese vor einem Container mit Spielmaterialien im Schatten auf einer Bank, umgeben von Eltern und Kindern. Frau Simons zeigt sich sehr froh, die beiden Leiterinnen für ihr Freitagsangebot zu haben: „Sie kommen mit allen Eltern in Kontakt und sehen das Positivste an ihnen, diese wertschätzende Haltung ist genau das, was uns beim offenen Eltern-Café so wichtig ist.“ Das Natur-Café soll Eltern eine Anlaufstelle bieten und niedrigschwellig ermöglichen, in Kontakt mit der Natur und anderen Familien zu kommen. Viele junge Eltern sind alleine in Aachen, würden kaum andere Familien kennen und so vor dem Eintritt in den Kindergarten vollkommen auf sich alleine gestellt sein. Deshalb ist in der „Corona-Zeit“, als viele andere Angebote in Innenräumen nicht stattfinden konnten, dieses niedrigschwellige Angebot an der frischen Luft entstanden. Die Familien können sich Snacks und Getränke mitbringen, etwas entspannen und neue Kontakte knüpfen.

Es gibt neben dem offenen Natur-Café von April bis November dienstagnachmittags ein weiteres offenes Angebot zum „Immer-Wiederkommen“ für Familien mit Kindern ohne Altersbeschränkung. Zusätzlich zu den offenen Angeboten gibt es noch zwei Kurse. Die nächsten Kurse beginnen Anfang August und erfordern eine Anmeldung. Im Zentrum aller Angebote und Kurse auf dem Gelände steht Nachhaltigkeit als Kernthema. Es wird mit Naturmaterialien gearbeitet oder gegärtnert. Um die Familien ins Gärtnern und Prozesse des Wachsens von Gemüse einzuführen, steht für die Kurse und Angebote eine Parzelle von „Meine Ernte“ zur Verfügung. Auf dem kleinen Feld können die Familien gemeinsam gießen, das Feld pflegen und auch gelegentlich etwas ernten. Am Rand der Parzelle wacht ein kleiner Gartenzwerg, den eine Familie mitgebracht hat und der dann gemeinsam angemalt wurde, über die Pflanzen.

Die Parzelle liegt ganz am Rand des Ackers, direkt daneben befindet sich eine Wiese mit Mutterkühen und ihren Kälbern. Ein kleiner Weg führt über die Wiese der Mutterkühe ins „Wäldchen“. Auf dem schattigen, von Bäumen umgebenen Gelände finden die Kurse und Angebote für Kinder von vier bis sechs Jahren statt. Schon der Weg über die Wiese der Mutterkühe, die gut auf ihre Kleinen aufpassen, ist für die Kinder sehr aufregend. Im Wäldchen steht ein Bauwagen, in dem sich Material befindet und an dem eine Plane hängt, die ausgeklappt werden kann, wenn es regnet. Ein Parcours führt in einer kleinen Runde über Baumstämme und Seile, „die Kinder rennen den Parcours immer wieder im Kreis, wenn sie sich etwas auspowern möchten“. In einem Kräuterbeet werden Kräuter und Pflanzen, die im Hofladen übrig bleiben, eingepflanzt. Hinter dem Bauwagen befindet sich ein kleiner Niedrigseilgarten, den eine der Kursleiterinnen gebaut hat. Sie hat außerdem selbst einen Teil des Zauns und ein Tipi aus Weiden von der Kuhwiese gebaut. Fast alles hier im Wäldchen ist selbstgemacht. Ein weiteres Highlight: Eine Kursteilnehmerin hat gemeinsam mit einer Freundin eine Matschküche gebaut, in der die Kinder gerne gemeinsam mit Ton, Erde und Wasser „kochen“. Die Materialien im Wäldchen kommen entweder vom Bauernhof sind eine Spende von Eltern und Bekannten, oder aus den Fördermitteln finanziert. „Diese bemalten Bretter sind ein altes Lattenrost, die Kursleiterin letztens mitgebracht haben“, berichtet Astrid Simons und freut sich, dass sie hier noch eine Verwendung gefunden haben. Das gesamte Gelände ist liebevoll gestaltet und lädt sofort zum Verweilen ein. Ein Besuch in einem der offenen Angebote lohnt sich, gerade weil man die freie Wahl hat, ob man sich aktiv einbringen oder einfach etwas die Bauernhofatmosphäre genießen möchte.

Die Termine im Überblick:

Kurs: KindergartenKinder

Mit Schubkarre, Eimer und Mama/Papa auf Entdeckungstour zwischen Hof, Wiese und Wald
Für Familien mit Kindern von 4-6 Jahren
An zehn Terminen vom 07.08.-09.10.2023, jeweils montags 15:30-17:00 Uhr

Kurs: PurzelBÄUME schlagen aus …

Erlebnisse in und mit der Natur. Fühlen, schmecken, riechen, beobachten und somit die Welt im Freien erleben
Für Familien mit Kindern von 1-3 Jahren
An acht Terminen vom 08.08.-26.09.2023, jeweils dienstags 10:00-11:30 Uhr

Bauen, GÄRTNERN, Klettern … – mit allen Sinnen unterwegs

Aktiv sein in der Natur
Offenes Angebot zum Immer-Wiederkommen von April bis November
Für Familien mit Kindern, ohne Altersbeschränkung
Montags 16:30-18:45 Uhr

NATUR-Café

Offenes Outdoor-Familiencafé
Offenes Angebot zum Immer-Wiederkommen von April bis November
Für Familien mit Kindern von 1-3 Jahren
Freitags 10:30-12:45 Uhr

Kontakt:

Astrid Simons
Koordinatorin am Standort Gut Poch
0157 88913390
willkommen@efam-aachen.de

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