FSJ in Südafrika: Multitasking, Menschen kennenlernen und Weihnachten ohne Weihnachtsgefühle

Hallo zusammen, jetzt sitze ich hier an meinem fünften Artikel und weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Irgendwie muss ich meine Arbeit, die besonderen Erlebnisse und die Menschen in Worte übersetzen.

Multitasking im Babyhaus

Doch erstmal von Anfang an. In den letzten Wochen hat sich meine Arbeit mehr und mehr auf die Babys konzentriert. Jeden Morgen stehe ich um sieben Uhr im Babyhaus, um die Babys zu füttern. Dann werden Zähne geputzt. Sehr oft bin ich morgens kurz alleine mit den Kindern. Am Anfang war das sehr stressig, denn wenn mehr als zwei Kinder schreien, muss man Prioritäten setzen. Mittlerweile bin ich aber besser im Multitasking und schaffe es zumindest halbwegs, alle Kinder in Griff zu bekommen. Wenn dann die hauptberufliche Mama kommt, gehe ich meistens mit drei oder vier Kindern spazieren. Auf der Farm, das ist der Ort, wo das Babyhaus ist, gibt es Kühe, Hühner und Schafe. Das ist ein Highlight für die Kinder. Oft helfen mir die Kinder der Farm beim Kinderwagen- schieben. Hier wohnen auch die Familien der beiden Chefs Lize und Peet, da kommt man auf zwölf Kinder. Wenn wir zurückgehen ist meistens schon Zeit für den Mittagsschlaf und ich kann eine Pause machen. Gewöhnlich gehe ich zu Peets Familie und unterhalte mich mit seiner Frau und seinen Kindern. In der Weihnachtszeit habe ich einen Adventskalender für die Kinder der Farm gemacht. Da haben wir jeden Tag etwas gebastelt, gekocht oder gespielt, was mir viel Spaß gemacht hat. Nachmittags gehe ich dann zurück zu den Babys. Ich versuche, zumindest eine kleine Aktivität für die Kleinkinder zu planen, sei es tanzen, malen oder ein Extrabuch vorlesen. In den letzten Wochen war es sehr warm, deshalb habe ich manchmal einen Pool aufgebaut, wo die Kleinen sich abkühlen können. Abends werden die Kinder gebadet und bekommen ihr Abendessen. Nach dem Abendessen ist mein Feierabend.

Menschen und Lebensweisen kennenlernen

Jeden Montag darf ich mit Peets Familie essen. Dort lerne ich typisch südafrikanische Gerichte kennen wie Worst, eine sehr fettige Wurst. Für mich ist der enge Kontakt zu meiner Gastfamilie ein großer Luxus. Ich war so schon auf einige Geburtstagsfeiern, wo ich ein paar neue Südafrikaner kennengelernt habe. Einmal haben sie mich sogar auf ein Homeschooling-Event mitgekommen, wo mit einem Vortrag Japan vorgestellt wurde und die Eltern sich abgesprochen haben, wie sie unterrichten. Neben mir sind manchmal auch andere Freiwillige da. Es ist spannend, wie schnell ein Leben international wird. Jetzt kenne ich schon Menschen in Amerika, aus Australien und aus Südafrika. Die meisten Menschen, die auf der Farm arbeiten, sind durch ihren Glauben an Gott verbunden. Das war für mich am Anfang sehr irritierend, weil die Bibel als absolute Wahrheit gesehen wird. Vorher hatte ich noch niemanden getroffen, der glaubt, das die Welt durch Gott erschaffen wurde. Ich glaube, mittlerweile haben wir aber gelernt, die unterschiedlichen Einstellungen zu akzeptieren.

Reisen und Weihnachten am Strand

Über Weihnachten und Neujahr bin ich mit anderen Freiwilligen aus Deutschland nach Kapstadt gereist. Ich habe mich sehr gefreut sie wiederzusehen und zu hören, was sie erlebt haben. Manche konnten schon von anderen Reisen erzählen und jetzt kann auch ich davon erzählen. Ich bin ganz alleine von Johannesburg aus nach Kapstadt geflogen – das war ganz schön aufregend. In Kapstadt habe ich zum Glück andere Freiwillige getroffen, und wir saßen noch lange in einem Restaurant, um uns alles Mögliche zu erzählen. Zusammen haben wir Weihnachten gefeiert, das war sehr seltsam. Hier ist Sommer, deshalb waren wir an Weihnachten am Strand. Aber besonders seltsam war es, ohne die Familie zu feiern. Gedanklich habe ich Weihnachten dieses Jahr übersprungen, weil es sich hier einfach nicht weihnachtlich anfühlt.

Mein Highlight auf der Reise war eine Elefantenauffangstelle, wo Elefanten aus aufgelösten Naturreservaten leben. Dort durften wir die Elefanten füttern und ein bisschen mit ihnen spazieren. Da habe ich erst realisiert, wie riesig die Tiere sind. In den letzten Tagen sind wir morgens häufig gewandert. Sogar durch einen Urwald mit einem so großen Baum, dass wir alle zehn Personen gebraucht hätten, um uns um ihn herumzustellen. Langsam freue ich mich, zurück zu meiner Gastfamilie zu fahren und zu den Babys, auch wenn ich die anderen vermissen werde.

Ella Pertuch absolviert ihren Freiwilligendienst in Südafrika und teilt ihre Erfahrungen mit uns. Dieser Bericht erschien in KingKalli 121 | Februar/März 2024.

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