Ella Pertuch absolviert ihren Freiwilligendienst in Südafrika und teilt ihre Erfahrungen mit uns. Dies ist der achte Bericht und Ella wird bald zurückkommen.
Hallo zusammen. Für mich sind schon die letzten Wochen hier in Südafrika angebrochen. In einer Woche kommt meine Familie mich besuchen, und zusammen werden wir die Nationalparks erkunden. Von den Big Five fehlen mir immer noch die Löwen und die Leoparden! Das heißt aber auch, dass ich von da an kaum noch auf der Farm sein werde. Für fast ein Jahr habe ich täglich fünf kleine Kinder betreut. Ich habe so viel Zeit mit ihnen verbracht, dass meine Gastfamilie schon scherzt, es seien meine Kinder. Sie sind mir aber auch ehrlich ans Herz gewachsen, und es wird mir schwerfallen, sie hierzulassen! Im letzten Monat habe ich fast täglich eine Aktivität organisiert. Meistens haben wir gemalt oder ich habe ein Buch vorgelesen. Oder wir haben einfach getanzt, das geht erstaunlicherweise auch ohne Musik! Ich bin auch richtig stolz auf die Fortschritte der Babys im letzten Monat. Zwei Kinder haben zum Beispiel Laufen gelernt. Ich habe so viel mit den beiden geübt und jeden ihrer Schritte begleitet, da ist es besonders schön, sie nun laufen zu sehen. Jetzt ist aber auch kein Ort mehr unerreichbar und ich muss ständig plötzlich jemandem hinterherrennen. Es wird auch immer mehr gesprochen. Ich verstehe zwar noch nicht alles, was die Babys mir erzählen, aber ich freue mich sehr über jedes Wort und bastele mir daraus eine Geschichte zusammen. Für Besucher bin ich meistens die Übersetzerin, die das Gebrabbel zumindest etwas verstehen kann. Oft denke ich mir aber auch einfach eine kleine Geschichte aus, die das Gebrabbel bedeuten könnte. Wenn ich es nicht verstehe, versteht es hier auch niemand anders.
Im Moment ist eine irische Freiwilligengruppe zu Besuch. Zusammen mit Lize, meiner Chefin, renoviert sie einen Kindergarten. Manchmal helfe ich dabei aus, aber meistens bleibe ich doch bei den Babys. Für die Babys ist Besuch leider vor allem Stress. Sie sind große Menschenansammlungen nicht gewohnt, und da das Babyhaus abseits liegt, haben sie nicht so viel Kontakt zu Fremden. Bei Besuch klammern sie sich dann an meine Beine oder fangen an zu weinen. Weil wir in letzter Zeit so viel unternommen haben, geht es langsam schon etwas besser. Vor ein paar Tagen haben mich andere deutsche Freiwillige besucht, und nach einer kurzen Gewöhnungszeit konnten wir sogar alle zusammen spazieren gehen.
Auch mit meiner Gastfamilie versuche ich nochmal so viel Zeit wie möglich zu verbringen, ich fühle mich bei ihr sehr wohl. Wir essen fast jeden Abend zusammen, und oft spielen wir dann noch etwas oder wir unterhalten uns. Mittlerweile gehöre ich irgendwie auch mit zur Familie, und ich bin bei allen Feiern mit eingeladen. Letztens war ich auf einer Geburtstagsfeier im Gamereserve und man konnte vom Zaun aus die wilden Tiere sehen. Eine meiner kleinen Gastschwestern hat mich überallhin gezerrt und mir alles gezeigt, sodass ich am Ende von der eigentlichen Party gar nicht viel mitbekommen habe. Mit meinen Gastgeschwistern habe ich auch noch ein paar Ausflüge gemacht. Wir waren zum Beispiel in einer Diamantenmine. Dort haben wir natürlich versucht, zumindest einen kleinen Diamanten zu finden. Leider gab es viel zu viele Sicherheitskon-trollen und es lag leider auch kein kleiner Diamant so einfach auf dem Weg rum … Schade. Zusammen haben wir auch einen Versuch gestartet, um endlich Löwen zu sehen. Dafür sind wir in den Rhino&Lion Park gefahren, das ist ein Naturpark mit besonders vielen Löwen. Leider war es doch eher ein Zoo, also wurde aus den wild lebenden Löwen nichts. Es gab aber auch ein sehr schönes Restaurant, von wo aus man Giraffen füttern konnte. Dort haben wir eine Giraffe gefüttert, die das Essen mit ihrer langen Zunge aus unseren Händen geschleckt hat.
Bis meine Eltern am Donnerstag kommen, versuche ich, noch ein paar Rezepte von meiner Gastfamilie zu lernen. Wenn ich dann zu Hause bin, kann ich allen meine neue südafrikanische Küche zeigen. Letztens hat meine Gastmutter Melktaart gebacken, das ist eine Art Käsekuchen, der war sehr lecker. Und auf einer Geburtstagsfeier gab es Roosterkook, ein gegrilltes Brötchen, mit Potkost, das ist eine Art Eintopf, der aber auf dem Feuer gekocht wird. Also optimal für unsere Pfadfinderlager.
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