Freiwilligenarbeit in der Tagesgruppe Elsassstraße

in Von und für Jugendliche

Nach dem Abitur direkt wieder Lernstress im Studium oder in einer Ausbildung? Nein, für Alina Ganser stand nach ihrem Schulabschluss fest: Sie braucht eine Pause. So hat sich die 19-Jährige nach ihrem Abitur 2018 am Ritzefeld-Gymnasium in Stolberg für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden.

Nun arbeitet sie seit dem 1. August 2018 Vollzeit in der Tagesgruppe Elsassstraße der Kinder- und Jugendhilfe Brand. Bis zum 31. Juli 2019 spielt sie jeden Tag von 9 bis 16 Uhr mit den Kindern, hilft den fest angestellten Pädagogen bei erzieherischen Maßnahmen, bereitet in der Küche das Essen zu und begleitet die Kleinen durch den (All-)Tag. Dabei hat sie gar nicht vor, später einen Beruf im sozialen Bereich auszuüben; Alina bewirbt sich momentan für duale Studiengänge im Fach Wirtschaftsrecht, wollte früher sogar Jura studieren. Den Freiwilligendienst macht sie jetzt vor allem, um einen Einblick in die Arbeitswelt zu bekommen. Zwar hat sie schon vorher in Ferienjobs an der RWTH, als Kellnerin im Sportheim oder Haushaltshilfe gearbeitet, gefehlt hat ihr jetzt aber noch einmal der geregelte Alltag mit festen Arbeitszeiten. Für Alina war auch klar, dass sie gerne mit Kindern arbeiten möchte, sie sieht das Ganze auch als mögliche Vorbereitung für den späteren Alltag mit eigenen Kindern. Außerdem kommt sie so auch mit einer anderen Zielgruppe als ihrem normalen Umfeld in Kontakt, die meist sechs bis zehn Jahre alten Kinder sind nämlich sozial und emotional nicht ganz altersgerecht entwickelt und stammen aus problematischen Verhältnissen.

Die Tagesgruppe agiert als teilstationäre Hilfe und arbeitet in ständiger Zusammenarbeit mit der Städtischen Förderschule Elsassstraße, alle Kinder sind auch Schüler der Schule. So fängt für Alina die Arbeit erst wirklich an, wenn die Kinder ab 11:40 Uhr vom Unterricht kommen. Ab dann heißt es gemeinsam essen und einen geregelten Nachmittag miteinander verbringen. Der Fokus der Schule liegt dabei besonders auf der Strukturiertheit des Alltags, da die meisten von zu Hause Regeln und Konsequenz eher wenig kennen. Insgesamt drei Hauptamtliche, eine Freiwillige (Alina) und ein Freiwilliger für drei Tage die Woche arbeiten gemeinsam als Team in der Gruppe und können den Kindern somit eine 1:3-Betreuung bieten. Dabei stehen die Beschäftigten immer im Kontakt zu den Eltern, alle drei Wochen finden Elterngespräche statt, alle drei Monate trifft man sich zum Hauptplangespräch, bei dem die Aufgaben der nächsten Wochen für die Kinder festgelegt werden. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Kind die Mitarbeiter der Einrichtung so sehr fordert, dass eine Betreuung im normalen Rahmen nicht möglich ist. Dann wird nach einem Gespräch mit den Eltern gesucht und als letzte Option ein Kinderheim empfohlen, wo man sehr intensiv auf die Kinder eingehen kann. Das könne dann schon emotional ansprechend werden, meint Alina. Zur Weiterbildung des Teams gibt es auch einige Fortbildungen mit Themen wie „Depression und Elternschaft“ und einmal monatlich eine Supervision der Einrichtung. Dann kommt ein externer Fachangestellter und gibt noch einmal Rückmeldung und gelegentlich Hilfestellung von außen. Somit hat Alina ständig die Chance, sich weiterzuentwickeln.

Alles in allem gefällt es ihr in der Tagesgruppe sehr gut, die Arbeit kann zwar schon sehr anstrengend sein, aber sie fühlt sich wohl und schätzt sich glücklich mit ihrer Einsatzstelle. Vor allem durch die kompetenten Mitarbeiter fühlt sich jeder Tag wie eine Teamleistung an, alle helfen mit und bei Fehlern gibt es direkt konstruktive Kritik und Unterstützung. Obwohl sie „nur“ als FSJlerin arbeitet, wird sie als wichtiger Teil der Aufsichtspersonen gesehen, darf sogar an den wöchentlichen Teamsitzungen teilnehmen und wird von den Kindern respektiert. Die hat sie auch schon ins Herz geschlossen und freut sich auf die restlichen Monate mit ihnen.

Der Freiwilligendienst wird organisiert und finanziert vom Bistum Aachen. In diesem Jahr vermittelte das Bistum circa 320 Freiwillige in knapp 300 Einrichtungen von Krefeld bis nach Blankenheim in der Eifel, die meisten davon aber in Aachen. Thomas Zander, pädagogischer Mitarbeiter vom Freiwilligen Sozialen Jahr und Bundesfreiwilligendienst beim Bistum Aachen, hält die Freiwilligendienste für eine gute Vorbereitung auf die Berufswelt, im Idealfall sollte das Jahr zur Berufsorientierung und Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen beitragen. Unterstützend wirkt das Bistum dabei, indem es für die Freiwilligen unter anderem Schreibcoachings für Bewerbungen anbietet. Außerdem werden die Freiwilligen in verschiedene Gruppen mit jeweils 21 bis 23 Teilnehmern eingeteilt. In diesen festen Gruppen haben sie die Chance, untereinander Kontakt aufzubauen, sich gegenseitig auszutauschen und eine Gemeinschaft zu bilden. Zusätzlich übers Jahr verteilt findet alle zwei Monate eine Kurswoche statt. Bei dieser „pädagogischen Begleitung“ können sich die Gruppen noch besser kennenlernen und Zusammenhalt entwickeln. Besonders die Vorteile der Selbstversorgung stehen hierbei im Vordergrund. Alina hat mit ihrer Gruppe bei der letzten Fahrt eine Woche in Adorf in der Eifel verbracht. Die Unterkunft war ein Haus mitten im Wald, ohne Netz und teilweise mit Neuner-Zimmern, so hatten alle die Möglichkeit, viel Zeit gemeinsam zu verbringen, miteinander zu kochen und zu einer richtigen Gemeinschaft zusammenzuwachsen. Aus dem letzten Jahrgang hätten sich sogar mittlerweile Studenten-WGs gebildet, erzählt Thomas Zander. Auch Alina unternimmt mit ihrer Gruppe noch etwas außerhalb der Seminarwochen.

Verändert hat sich die 19-Jährige durch ihr Freiwilliges Soziales Jahr schon. Sie sei sehr viel ruhiger und entspannter geworden. Vor allem Geduld spielt bei der Arbeit mit Kindern eine wichtige Rolle, sie merken jede Stimmungsschwankung und reagieren dann dementsprechend. Die Tagesgruppe brachte außerdem mehr Struktur und Organisation in Alinas Alltag und sie fühlt sich selbstständiger. Einen Freiwilligendienst (egal ob FSJ oder BFD) würde sie in jedem Fall empfehlen. Denn auch wenn man keinen sozialen Beruf anstrebt, lohnt sich diese Zeit. In dem Jahr lernt man viel über die Arbeitswelt und seine eigenen Grenzen. Und erfährt vielleicht sogar Dinge über sich selbst, die man nie zuvor erwartet hätte.

fsj-aachen.de

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