Buchtipp: Finn Flosse räumt das Meer auf

in Medien

Plastikmüll im Meer ist verheerend – sowohl für Meeresbewohner als auch für Menschen. Viele Tiere verenden, wenn sie die unverdaulichen Plastikteile aufnehmen, an denen in den Ozeanen kaum mehr ein Vorbeikommen ist; und auch unser Körper hat mit den zum Teil giftigen Partikeln zu kämpfen, die beim Verzehr von Fisch und Meeresfrüchten in unseren Organismus gelangen. Trotzdem wird immer noch tonnenweise Plastikmüll im Meer entsorgt. Mit der größten Plastikansammlung dieser Art, die im Nordpazifik in einem kontinentgroßen Wirbel zu finden ist, setzt sich Eva Plaputta in ihrem Bilderbuchdebüt „Finn Flosse räumt das Meer auf“ auseinander. Da von Ozeanwirbeln ein starker Sog ausgeht, sammelt sich in ihnen besonders viel Müll. Der Abfall schwimmt zum Teil jahrelang im Kreis, bis er sich irgendwo ablagert, gefressen wird oder an eine Küste treibt. Protagonist Finn – halb Mensch, halb Meerjunge – wird selbst nur mit knapper Not davor bewahrt, an einem verschluckten Plastikteil zu sterben. Er beschließt, sich über die Regeln der Meermenschen hinwegzusetzen und der Herkunft des Mülls auf den Grund zu gehen. Dabei trifft er auf zahlreiche Meeresbewohner, die ihre liebe Not mit unserem Abfall in ihrem Lebensraum haben. Dass dem Bilderbuch kein erklärender Sachteil beigegeben ist, sollten Vorleser als Anlass begrüßen, sich im Vorfeld ein wenig über das Umweltproblem Plastikmüll zu informieren; je nach Alter und Interessenlage der mitlesenden Kinder ist nämlich mit Fragen zu rechnen. Eva Plaputta rückt damit ein Thema in unseren Blick, das uns alle unmittelbar angeht, das aber zugleich nur für wenige von uns in unserem mitteleuropäischen Alltag präsent ist.

Die Geschichte um den kleinen Finn und die Rettung seines Riffs vor dem Plastikmüll wirkt allerdings streckenweise bemüht und bleibt, besonders was die Interaktion der Figuren angeht, nun ja, an der Oberfläche. Die Vorgeschichte – Finn wird als Zweibeiner von den Meermenschen ausgegrenzt – spielt für den Haupterzählstrang kaum mehr eine Rolle, auf eine direkte Auseinandersetzung Finns mit seinen menschlichen Verwandten wartet man vergebens und die Lösung, die Finn für das Müllproblem findet, erscheint dann doch zu einfach. Aber seine literarischen Schwächen macht das Buch durch gestalterische Qualitäten wett. Als Illustratorin beweist Eva Plaputta Fingerspitzengefühl – Finn, das Riff, die Meeresbewohner, alle Darstellungen basieren auf farbig hinterlegten Scherenschnitten. Damit gibt die Autorin einer Technik Raum, die zu Unrecht lange als altbacken verschrien war und erst in den letzten Jahren wieder mehr Freunde findet. „Finn Flosse räumt das Meer auf“ ist keines dieser „Von-denen-haben-wir-schon-drei-Bücher“. Die Schwarz-bunt-Kontraste und die klare Linienführung sind ein erfrischend deutliches Statement. Sich in den vielen Details der Plaputta’schen Unterwasserwelt zu verlieren, macht Spaß. Da die Bilder teilweise recht düster wirken, wird sich nicht jedes Kind damit anfreunden können – der ästhetische Genuss für Liebhaber besonderer Bilderbücher ist dafür aber umso größer. Bis hin zum hellblauen Buchschnitt und der Typografie, die den Inhalt auf plakative, aber amüsante Weise unterstützt, ist das Buch überzeugend durchgestaltet. Die Kooperation mit Buchgestalterin Claudia Eder erweist sich als gewinnbringend für Text und Illustrationen. Hoffentlich macht Eva Plaputta noch viele weitere außergewöhnliche Bücher, vielleicht auch in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Texter.
Eva Plaputta: Finn Flosse räumt das Meer auf Kunstanstifter, Mannheim 2015,
Hardcover mit Farbschnitt, 18 Euro.

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