Hallo zusammen, jetzt ist es wieder Zeit, euch aus Südafrika zu berichten. Mittlerweile ist schon mehr als die Hälfte des Jahres um und es fühlt sich so an, als würde ich hier schon immer leben. Nach meinem Urlaub mit anderen Freiwilligen war es seltsam, wieder auf der Farm zu sein. Dinge, die im Urlaub selbstverständlich sind, waren plötzlich schwer. Um einkaufen zu können, muss ich zum Beispiel immer warten, bis jemand anders mich mitnimmt. Meistens fahren wir eine Stunde zu einem großen Supermarkt, um auch wirklich alles zu bekommen. Wenn man da etwas vergisst, muss man eine Woche warten, bis man es kaufen kann. Im Urlaub war ich auch immer umgeben von vielen Menschen, das hat sich hier schlagartig verändert. Ich lebe wieder allein in einer kleinen Wohnung auf dem Gelände. Das heißt, man muss alleine aufstehen, kochen und so weiter. Zum Glück habe ich meine Gastfamilie(n)! Peets Familie und Lize nehmen mich eigentlich immer mit, zum Beispiel zu Geburtstagsfeiern oder Homeschooler-Events, oder sie laden mich abends zum Essen ein. Das hat mir geholfen, mich erneut in das Leben auf einer Farm einzufinden.
Auch bei den Babys hat sich ein bisschen was getan. Der Älteste ist zurück zu seiner Familie gezogen. Nachdem ich mich in den vorherigen Monaten so intensiv um ihn gekümmert habe, war der Abschied ausgesprochen schwer. Ich weiß nicht, wie es ihm in seiner Familie gehen wird, denn seine Mutter ist immer noch sehr krank. Auch die Zeit danach war schwierig. Der Älteste konnte als Einziger wirklich sprechen und alles Mögliche spielen, deshalb war es plötzlich sehr ruhig im Babyhaus. Nach und nach sind aber wieder neue Aufgaben dazugekommen, wie das „Töpfchen-Training“ der Älteren, laufen lernen, sprechen lernen und vieles mehr. Zwei Wochen später kam dann ein Anruf: Ein kleines Mädchen, drei Monate alt, wurde im Krankenhaus abgegeben und wir sollten es abholen. Sehr zu meinem Erstaunen war das Baby, ein Frühchen, äußerst winzig und selbst zu klein für die Kleidung, die wir mitgebracht hatten. Zum Glück wächst es unglaublich schnell und passt jetzt fast schon in normale Kleidung. Die anderen Babys waren sich zuerst nicht sicher, was sie von dem kleinen Neuankömmling halten sollten. Eins hatte Angst, ein zweites hat einmal versucht, es zu schlagen, sodass man ein besonderes Auge auf die neue Situation haben musste. Inzwischen lieben sie ihre neue „Schwester“ aber sehr und würden gerne schon viel mehr mit ihr spielen.
Am Valentinstag stand auf der Farm ein besonderes Event an. Von einem der umliegenden Kindergärten wurden die Kinder auf die Farm gefahren und durften hier basteln, malen und spielen. Lize hatte sich ein Programm überlegt, das wir passend zum Valentinstag durchgeführt haben. Meine Aufgabe war es, mit den Kindern Kekse zu dekorieren. Keins der Kinder konnte Englisch sprechen, aber irgendwie haben wir es mit Händen und Füßen geschafft, uns zu unterhalten und eine lustige Kommunikation zu erfinden. Ich fand es sehr schön, zu sehen, wie sich die Kinder darüber gefreut haben.
So viel erst mal zu meinen letzten Wochen und ich freue mich, euch bald wieder berichten zu können.
Ella Pertuch absolviert ihren Freiwilligendienst in Südafrika und teilt ihre Erfahrungen mit uns. Dies ist der fünfte Bericht. Er ist auch im Printmagazin KingKalli 122 April/Mai 2024 erschienen.
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