Jetzt kann ich euch zum ersten Mal aus Südafrika berichten, Mitte September bin ich endlich losgeflogen. Von Frankfurt ging es nach einem schweren Abschied von meiner Familie mit einem Nachtflug nach Johannesburg. Dort mussten wir – es waren noch Freiwillige dabei, die zu anderen Orten fahren – erst noch lange an der Zollkontrolle warten, bevor wir von Richard, einem der Mentoren, abgeholt und in die Inyala Lodge gefahren wurden. Erschöpft und voller Vorfreude haben wir unsere Zimmer bezogen und uns erstmal umgeguckt. Schon die Farbe der Welt hier ist anders! Selbst in der Stadt ist alles rot oder orange, und auch wenn es langsam grün wird, bleibt zumindest der Boden rot. Abends bin ich zum ersten Mal Peet begegnet, einem der Leiter meiner Einsatzstelle Butterfly, und konnte ihn so ein bisschen besser kennenlernen. Wir haben dann verschiedene Kurse zur Vorbereitung besucht. Skeptisch war ich vor allem gegenüber einem Workshop zu psychischer Stärke. Wir sollten uns überlegen, welche Eigenschaften wir von Bäumen übernehmen können, wie das Weiterwachsen auch bei Schwierigkeiten. Allen Zweifeln zum Trotz hat das Ganze großen Spaß gemacht, da immer, wenn jemand was gesagt hat, mit „Love“ geantwortet wurde. Darüber konnte ich mich Tage später noch freuen!
Um gefährliche Tiere besser kennenzulernen, haben wir sogar einen Schlangenworkshop absolviert, wo ich mich getraut habe, eine Schlange auf den Arm zu nehmen. Außerdem haben wir einen „Gamedrive“ gemacht. Hierbei setzt man sich in ein Auto, fährt durch die Gegend und versucht, so viele wilde Tiere wie möglich zu entdecken. Wir haben vor allem Zebras und Gnus gefunden. Nach vier Tagen in der Lodge bin ich dann nach Hammanskraal gefahren und von dort weiter über einen holprigen Feldweg durch ein Naturgebiet mit Elefanten und Zebras bis zum Butterfly, meiner Einsatzstelle. Die Einsatzstelle ist der Ort, wo ich im nächsten Jahr arbeiten werde. Das Butterfly ist eine Organisation, die sich für das Wohl der Kinder in der Umgebung einsetzt. Dabei gibt es ein Babyhaus, eine Art Kinderheim für Kleinkinder und Babys, Trainings für Kindergärtner und Lehrer und Camps für Kinder. Aber auch die Kindergärten und Afterschool Center werden vom Butterfly unterstützt. Auf der Farm wurde ich sehr freundlich begrüßt und direkt zum Abendessen eingeladen. Beim Essen bei Peet habe ich auch all seine neun Kinder kennengelernt. Zum Glück sprechen alle, sogar die kleinen Kinder, gut Englisch und sogar ein paar Brocken Deutsch. Vom Eingang der Farm geht man noch ein bisschen bis zu meiner Unterkunft, und da ich noch mein ganzes Gepäck dabeihatte, hat Peets ältester Sohn Mathias mich das letzte kleine Stück gefahren. Dort habe ich endlich Lize, die zweite Leiterin, getroffen, die mir die Küche, das Bad und mein Zimmer gezeigt hat. Nachdem ich mich kurz eingerichtet hatte, bin ich sofort neugierig zum Babyhaus nebenan gelaufen. Dort wohnen im Moment sechs kleine Kinder im Alter von zwei Monaten bis drei Jahren. Morgens stehe ich jetzt immer um sechs Uhr auf, damit ich ab sieben bei den Babys bin. Es kümmern sich abwechselnd fünf Frauen um die Kinder und ich helfe überall, wo ich gebraucht werde. Meistens schaukle ich den Ältesten in der Schaukel an, füttere eines der Babys oder übe mit einem der anderen Kinder laufen. Seitdem ich da bin, habe ich gefühlt auch immer mindestens eines der Babys auf dem Arm.
Nachmittags gehe ich entweder zurück ins Babyhaus oder in ein Afterschool Center, wo 30 Kinder bei den Hausaufgaben betreut werden und wir zusammen spielen, ähnlich wie hier in einer OGS. Aber auch wenn etwas anderes ansteht, springe ich ein, zum Beispiel wenn Zimmer für mehr Freiwillige fertig gemacht werden müssen. Es gibt immer ein Projekt, wo ich mithelfen oder was ich vorbereiten kann. Aber fürs Erste stoppe ich hier einmal und freue mich, bald wieder zu berichten. Im Moment plane ich noch einige neue Projekte und natürlich meinen Urlaub über Weihnachten und Neujahr.
Autor: Ella Pertuch
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