Wer an eine Mutter-Kind-Kur denkt, stellt sich erst mal vor, im Sonnenuntergang am Meer entlangzuschlendern. Julia war mit ihren drei Kindern in Wegberg. Dass manche Mütter schon mehrfach dort waren, ließ Gutes hoffen. Was man von einer Kur so erwarten kann und dass sie dann natürlich viel zu schnell vorbei ist, schildert sie hier.
Ein Erfahrungsbericht
Damit hatte ich nicht gerechnet: Vom Antrag der Hausärztin für die Kur bis zu einem festen Platz ging es tatsächlich sehr schnell, obwohl ich ständig von langen Wartelisten gehört hatte. Mit dem positiven Bescheid der Krankenkasse erhielt ich auch drei Vorschläge für Kliniken. Als ich mir diese näher ansah, stellte sich schnell heraus, dass zwei davon nicht infrage kamen, da sie keine unter Dreijährigen aufnehmen und meine zweijährige Tochter natürlich mitkommen sollte. Nach einem Telefonat war ich mit der Krankenkasse so verblieben, dass ich mich selbst auf die Suche nach einer Klinik mache. Da tatsächlich die meisten Kliniken keine Kinder unter drei Jahren aufnehmen, war die Auswahl schnell eingeschränkt. Natürlich hätte ich einen Platz am Meer sehr schön gefunden, aber gerade solche Plätze sind im Sommer sicherlich sehr gefragt, also fragte ich bei der ersten Klinik nach, die eine bekannte Suchmaschine mir ausgab, und die war in Wegberg. Direkt nach dem ersten Telefonat, bei dem ich schon einen guten Eindruck hatte, bekamen meine drei Kinder und ich eine Zusage.
Jugendherbergscharme, aber zwei Zimmer
Als wir in der sehr ländlichen Gegend ankamen, wurden wir nett empfangen, es wurde ein Foto von uns für die Akte gemacht und ein kurzes Infogespräch mit Schlüsselübergabe zusammen mit einer anderen Familie geführt. Dabei bekam ich einen Beutel der Klinik, bepackt mit Kugel-schreiber, dem Programm der nächsten drei Wochen und einer Übersicht über die Häuser der Klinik samt Patientenzimmern, Ärzten, Fitnessraum, Speisesaal, Bäderabteilung und Schwimmbad. Am gleichen Tag standen außerdem eine ärztliche Untersuchung an, um unter anderem Blutdruck und Gewicht zu checken, sowie ein Informationsgespräch im Kinderhaus, in dem die Kinder unter der Woche zwischen 08:00 und 15:30 Uhr betreut werden konnten. Und natürlich auch das Beziehen der Zimmer.
Die Zimmer waren einfach eingerichtet und hatten etwas von Jugendherbergscharme. Ich war aber ganz froh, dass wir zwei separate Zimmer mit Verbindungstür hatten; einen Raum für mich mit Bett, weißem Sessel am Fenster, Schreibtisch und deckenhohem Schrank. Auf dem Linoleumboden lag der gleiche Spielteppich, den wir auch zuhause haben, und ich war froh, dass wir zumindest ein Spielzeugauto eingepackt hatten. In dem Zimmer für die Kinder standen drei Betten, an jeder Wandseite eines, und an der vierten Wand eine kleine hölzerne Kommode. Die Wände zierten Bilder von Janoschszenen. Nach dem Auspacken blätterte ich durch die zuvor erhaltene Mappe mit dem Programm und versuchte, mir einen Überblick über die Pflichttermine (Therapiegespräch, drei Massagen) und die anderen Angebote aus den Bereichen Sport, Austausch, Entspannung und Kreatives zu verschaffen. Der erste Tag war also vor allem geprägt durch eine Flut an Informationen.

Frühstück und Mittagessen ohne Aufspringen und verschüttete Getränke
Am nächsten Tag ging es dann richtig los. Um 08:00 Uhr lieferte ich ebenso wie die anderen Mütter die Kinder im Kinderhaus ab, was ohne Probleme klappte, und ging von dort zum Frühstück. Frühstück und Mittagessen wurden während der Woche ohne die Kinder eingenommen (außer man wollte es anders). Auch wenn ich meine Kinder vermisste, war es irgendwie ganz schön, mal in Ruhe essen zu können und nicht ständig aufspringen zu müssen, um den Kindern etwas zu essen zu holen, verschüttete Getränke aufzuwischen oder hinter ihnen herzulaufen, um sie zu ermahnen, an ihren Plätzen zu bleiben. Denn so lief es dann meist beim Abendessen.
Ich genoss also das Frühstück und auch das gute und abwechslungsreiche Mittagessen. Ich konnte mich, ohne dass jemand dazwischenredet, mit den beiden anderen Mamas unterhalten, die mit am Tisch saßen. Die Tische waren jeweils zwei Familien zugewiesen, und das sollte so eingehalten werden, wenn die Kinder bei den Mahlzeiten mit dabei waren. Beim Essen ohne Kinder durften sich die Mütter frei verteilen. Eine der Mütter beim Frühstück hatte ich beim Abendessen zuvor kennengelernt, da sie und ihre Tochter dem gleichen Tisch zugewiesen waren, und die andere, als sie ihr Gepäck vom Auto zum Gelände brachte, da auch wir noch etwas aus dem Auto holen mussten und hinter ihr parkten. Beide hatten wie ich vierjährige Töchter, und die Mädchen verstanden sich im Laufe der Kur sehr gut.

Im Wald: Wildschweine und Wichtel
Ein fester Termin, der heute auf dem Plan stand, war die Begrüßung. Der Chef des Hauses hieß die Mütter willkommen und erzählte, wie die Kur ablief. Bei der Vorstel-lungsrunde erzählten die Mütter, wie sie heißen und von wo sie angereist sind, und nannten Namen und Alter ihrer Kinder. Dass zwei Mütter bereits zum zweiten Mal eine Kur in genau dieser Klinik machten, ließ auf eine gute Zeit hoffen. Bei der Begrüßung erfuhr ich außerdem mehr zum Hintergrund des Kliniknamens „Haus Waldquelle“. Die Klinik verfügt über einen kleinen, durch Zäune abgegrenzten Wald, in dem man aber auch Zecken und Wildschweinen begegnen kann. Wildschweine haben wir zum Glück nicht gesehen, aber die erste Zecke fing sich meine Tochter tatsächlich ein, als ich später gemeinsam mit den Kindern den Wald erkundete. Schon allein das Aufhalten im Wald sorgte für Erholung. Die Kinder entdeckten mehrere Parcours, die der Hausmeister gebaut hatte. Dort balancierten sie über Balken und versuchten, von einem Holzpfahl zum nächsten zu gelangen. In der Mitte des Waldes stand eine kleine Hütte, die zum Picknicken einlud. Von dort konnte man eine kleine Wichtelhöhle am unteren Rand eines Baumstamms sehen. Vermutlich wurde sie von Kindern aus einer der vorherigen Kuren gebaut. Auf einem Schild standen ihre Namen, und es wurde darum gebeten, die Wichtelhöhle nicht kaputt zu machen. Mein Sohn wollte direkt wissen, ob dort wirklich Wichtel wohnen, und stellte sich vor, wie in der faustgroßen Höhle eine kleine Wichtelfamilie glücklich zusammensitzt. Den Wald erkundeten wir später noch genauer beim Waldbingo, das für Familien an einem Samstag angeboten wurde. Mit einem bebilderten Zettel ausgestattet machten wir uns gemeinsam auf die Suche nach bestimmten Blättern, Spinnweben oder Käfern, um diese auf dem Papier durchzustreichen. Dabei fanden wir zwar nicht alles, was abgebildet war, sahen aber unter anderem kleine Frösche, die durch das Laub hüpften. Weitere Mutter-Kind-Angebote waren Filmabende, Bewegungsstunden, Spaziergänge (für kleinere Kinder konnte man Buggys ausleihen) oder Bastelangebote wie das Gestalten eines Familienwappens, das die Stärken der Familienmitglieder verdeutlichen sollte, das Herstellen eigener Knete, Arbeiten mit Modelliermasse oder das Gestalten von Wunschgläsern. Auch ein organisierter Ausflug in den Wildpark Gangelt stand auf dem Programm. An den meisten dieser Angebote nahmen wir teil, und es war schön, mit den Kindern etwas zu schaffen und Zeit zusammen zu verbringen. Bei meiner vierjährigen Tochter kam die Kinderdisco besonders gut an. Sie wurde aufgrund der Hitze spontan von der Turnhalle nach draußen in den Schatten verlegt, und meine Tochter war eine der Letzten, die sich zu den bekannten Kinderliedern auf der „Tanzfläche“ bewegte.
Viele (Sport-)Angebote für Groß und Klein
Bewegung kam auch im Kinderhaus nicht zu kurz. Eines Morgens dröhnte laute Musik vom Kinderhaus herüber. Es stellte sich heraus, dass die Kinder zu „Wackelkontakt“ oder APT Frühsport machten, bevor die dafür zuständige Dame die Sportangebote für die Mütter leitete. Diese reichten von Pilates, Aquafit, Fuß- und Venengymnastik, Rückenfit und Faszientraining bis hin zu Bodystyling, Hi Intense oder Nordic Walking. Die meisten davon probierte ich aus und sie taten mir gut, auch wenn das Faszientraining teilweise eine schmerzhafte Angelegenheit war. Nur an Hi Intense, eine Art Zirkeltraining, habe ich mich als Unsportliche mit kaum Kondition nicht getraut. Auch das Nordic Walking hab ich zumindest einmal mitgemacht mit dem Ergebnis, dass es mir nicht so richtig lag. Mit einer anderen Mutter bildete ich das Schlusslicht, und die Gruppe musste öfter ihr Tempo drosseln, damit wir den Anschluss nicht verlieren. Da war dann eher Aquafit mein Ding. Hier genoss ich die auch teilweise anstrengenden Bewegungen im Wasser, ohne ins Schwitzen zu kommen.
Das Schwimmbad, in dem die Aquafitness stattfand, konnte zu bestimmten Zeiten auch von Frauen oder am Nachmittag von den Familien genutzt werden, sofern mindestens zwei Erwachsene anwesend waren. Meine Kinder haben es sehr genossen, zusammen mit anderen Kindern im Wasser zu sein und gemeinsam mit deren Wasserbällen und Spritzspielzeugen zu spielen. Falls wir nicht schwimmen gehen konnten, weil die Plätze für das kleine Schwimmbad begrenzt waren, waren die Kinder kaum vom Spielplatz wegzubekommen, der zum Kinderhaus gehörte und außerhalb der Betreuungszeiten genutzt werden durfte. Hier gab es auch Tischtennisplatten. Ein Tischtennisset ebenso wie Bälle und Puzzle oder Spiele für Regentage konnte man sich ausleihen. Mein Sohn sammelte hier seine ersten Tischtenniserfahrungen und schlug gerne mit mir oder anderen Kindern ein paar Bälle hin und her. Meine Töchter wollten gerne Fahrrad fahren. Fahrräder konnte man sich bei der Klinik ausleihen, bei einigen handelte es sich schon um etwas ältere Modelle. Davon hatte mein Sohn eines erwischt, weshalb er weniger fürs Fahrradfahren zu begeistern war. Für Mütter gab es die Möglichkeit, gegen Gebühr auch moderne Räder zu leihen. Ich gab mich mit einem älteren Modell zufrieden, mit dem ich aber problemlos die 25 Kilometer lange Fahrradtour, die ebenfalls als Aktivität angeboten wurde, meistern konnte. Die Tour führte vor allem durch Wälder über die holländische Grenze. Die flache Strecke ließ sich gut fahren und das Highlight war der Stopp an einem Bauernhof mit besonderem Flair, bei dem man sich auch hinsetzen und etwas trinken oder Eis essen sowie nette Souvenirs im Hofladen kaufen konnte.
Neben den Sportangeboten habe ich die Entspannungsangebote wie Sauna, Yoga, progressive Muskelentspannung oder Atemtherapie gerne wahrgenommen, auch wenn einige manchmal zum Eindösen verleitet haben.
Außer sonntags gab es auch an den Abenden Programm. Dazu gehörten Mutter-Kind-Angebote wie Filmabende, Karaoke (für Kinder ab 8) oder ein Gottesdienst, viele Angebote waren aber auch nur für Mütter gedacht. Um die Kinder sicher zu wissen, konnte man ein Babyphone mit Empfang auf dem gesamten Gelände ausleihen und sich in die Liste für eine Kindersitterin eintragen, die zusätzlich an den Türen der Kinder horchten oder wenn gewünscht auch ins Zimmer gingen.
Nicht immer konnte ich an den Angeboten teilnehmen, da es oft Herausforderungen mit sich brachte, drei Kinder in einem Zimmer (zuhause schlafen sie jeweils im eigenen Reich) zur Ruhe, geschweige denn zum Schlafen zu bringen. Also stieß ich manchmal verspätet hinzu, lernte aber auch hier für mich neue Dinge kennen wie Dotpainting (das Schaffen von Mustern mit Punkten mithilfe entsprechender Werkzeuge, der sogenannten Dotpens) oder Qigong, eine Mischung aus Meditation, Atemtechnik und fließenden Bewegungen zur Energieversorgung des Körpers. Ich nahm mir vor, das auch zuhause hin und wieder umzusetzen.
Was von der Erholung bleibt
Auch wenn es anfangs etwas viel war und man sich erst einmal zurechtfinden musste, ging es am Ende doch sehr schnell vorbei. Nach drei Wochen war es Zeit, sich von den anderen Müttern und Kindern (die An- und Abreise erfolgte für alle am jeweils am gleichen Tag) zu verabschieden. Auf der einen Seite freuten wir uns natürlich auf zuhause und darauf, den Papa wieder regelmäßig zu sehen, auf der anderen hieß es, dass der normale Alltag mit seinen unterschiedlichen Herausforderungen wie Arbeit und Haushalt wieder begann. Im Auto warteten ja bereits die Koffer mit haufenweise dreckiger Wäsche…
Wem steht eine Kur zu?
Eine Kur steht Müttern mit gesundheitlichen Beschwerden körperlicher Art (wie Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Störungen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, starke Erschöpfung, Schlafstörungen) oder psychischer Art (wie Unruhe, Angstzustände oder Depression) zu. Auch für alleinerziehende Mütter, Mütter in Trennungs- und Scheidungssituationen, Mütter mit Kindern mit Behinderung oder trauernde Mütter ist eine Kur geeignet.
Und was ist mit den Kindern?
Kinder bis circa 12 Jahre können als Begleitpersonen mitfahren, Ausnahmen gibt es für Kinder bis 14 Jahre. Für Kinder mit Behinderung gibt es keine Altersgrenze. Die Kinder werden vor Ort betreut, während die Mütter den meist auf sie zugeschnittenen Angeboten nachgehen.
Wie kann man eine Kur beantragen?
Beratungsstellen des Müttergenesungswerks bei der AWO, der Caritas, der Diakonie, dem DRK oder dem Paritätischen helfen bei der Antragstellung. Es ist aber auch möglich, zusammen mit dem Hausarzt einen Antrag auszufüllen. Der Antrag wird dann bei der Krankenkasse eingereicht.
Was sind die Kosten?
Die Kur wird weitestgehend von der Krankenkasse übernommen, bei gesetzlich Versicherten fällt der gesetzlich festgelegte Eigenanteil von 10 Euro pro Kalendertag an (wie bei einem Krankenhausaufenthalt). Eine teilweise Befreiung der Zuzahlung bei niedrigen Einkommen oder chronischer Krankheit ist möglich und muss bei der Krankenkasse beantragt werden. Bei Privatversicherten wird nur ein kleiner Teil des Kuraufenthalts bezahlt. Auch die Fahrtkosten, insbesondere bei Anreise mit dem Zug, können bei entsprechender Beantragung größtenteils von der Krankenkasse übernommen werden.
Infos gibt es zum Beispiel hier:
muettergenesungswerk.de/kur-fuer-mich/mutter-kind-kur
Der Beitrag ist Ende November 2025 in unserer KingKalli-Printausgabe erschienen.
Text & Fotos: Julia V.
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