Kein „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aber dafür ganz viel Action, Akrobatik und Musik. Drunter und drüber ging es bei der Premiere vom Stück „Das Dschungelbuch“ nach Motiven der Erzählung von Rudyard Kipling in einer Fassung von Roland Hüve.
Das Foyer im Theater Aachen platze fast aus allen Nähten bei der Menge an (kleinen) Zuschauern. Besonders viele Schulklassen in Begleitung der Lehrer waren da, die es sich erstmal auf den Gängen bequem machten, bis sie dann endlich in den Saal durften und das Stück anfing. Im Saal selbst herrschte dann eine unfassbare Lautstärke. Viel zu aufgeregt war das Publikum, um still und geduldig auf den Plätzen zu warten, für einige war es ja auch das allererste mal im Theater. Doch dann ging es schließlich los.
Die Geschichte ist allseits bekannt – das Menschenkind Mogli wird von der Wölfin Raksha im Dschungel gefunden, in ihr Rudel aufgenommen und wie ihr eigenes Kind großgezogen. Bei seinem Alltag im Regenwald stehen ihm besonders der weise Panther Baghira und der träge Bär Balu zur Seite. Doch nicht alle freuen sich über Moglis Anwesenheit – der Tiger Shir Khan wollte ihn schon als Baby aus dem Wald vertreiben und jetzt, wo Mogli 10 Jahre alt ist, kämpft er umso mehr dafür, dass der Junge das Rudel endlich verlässt. Wo soll Mogli also hin? Er merkt ja auch, dass er anders ist als die Tiere, aber ein richtiger Mensch ist er ja auch nicht – oder doch?
Eine wirkliche Kraftleistung legte das Ensemble an diesem Tag hin. Besonders Mogli (gespielt von Tobis Kulka, dem 24-jährigen Absolventen der Theaterschule Aachen) kam ordentlich ins Schwitzen bei den vielen akrobatischen Leistungen. Doch auch den anderen 11 Darstellern wurde es ganz schön warm auf der Bühne – kein Wunder eben, wenn manche bis zu drei Rollen gleichzeitig stemmen müssen und man ein ganzes Stück (knapp zwei Stunden) in dicken Kostümen bewältigt.

Doch besonders diese Kostüme trugen dazu bei, wirklich in die Welt des Dschungels eintauchen zu können. Abgesehen von der beeindruckenden Kulisse, bei der es neben einer sich verändernden Leinwand, Nebel und Blätterdächern auch Lianen die von der Decke schwingen, zu entdecken gab, waren vor allem die Kleider der Schauspieler ein Hingucker. Kreativ umgesetzt wird da die Winterpelzmütze ganz schnell zum Fell eines Affenkopfes und der in die Luft ragende Rüssel vom Elefant wird einfach mit einem Stock gehalten und bewegt. Insbesondere die Schlange Kaa wirkte gewaltig. Als riesiges, dickes Rohr in Schlangenhautoptik hing sie von den Ästen und ihr großer Kopf mit elektrisch hypnotisierenden Augen fixierte geradezu das Publikum.
Durch Dschungelgeräusche wie Regentropfen, Donner oder Blätterrascheln aus den Lautsprechern wurde die Welt des Waldes noch authentischer, sogar die Tierlaute wurden untermalt, sodass das Brüllen des Tigers noch furchteinflößender erschien.
Da sah man schon den ein oder anderen ängstlich zusammenzucken; insgesamt ist das Stück ab sechs Jahren aber sehr familienfreundlich und bis auf wenige Anspielungen (Schlange zu Mogli: „Ich schau dir in die Augen, Kleiner!“) eher für die Jüngeren ausgelegt.
Das wurde vor allem beim Enthusiasmus des Publikums deutlich. Da konnten einem die Darsteller schon fast leidtun, wenn sie durch die ganzen Zurufe der Kinder gar nicht zu Wort kommen, dabei wollen die Kleinen dem Panther doch nur mitteilen, dass der Bär Balu direkt hinter ihm steht und ihn gleich erschrecken will. So musste man eben kurz improvisieren und versuchen, statt mit dem eigentlichen Text im Skript, mit der Antwort „Hab ich doch schon gesehen!“ die Meute zu beruhigen. Auch der hinterlistige Tiger bekam die Meinung der Zuschauer über ihn schnell zu spüren, beim Streit zwischen ihm und Mogli wurde er lauthals ausgebuht und der kleine Junge angefeuert. Das Publikum war dann ganz schnell Teil des Stücks, besonders wenn Balu den Kindern Süßigkeiten wie Kamelle in die Reihen warf.
Über die fast zwei Stunden war ständig etwas los auf der Bühne – es wurde getanzt, gesungen, geklettert, gesprungen und gekämpft, das sogar in einer epischen Slow Motion Choreographie.
Zum Schluss gab es tosenden Applaus. Begeistert rief das Publikum solange nach einer Zugabe, bis die Darsteller erneut auf die Bühne kamen und noch einmal das Lied von Balu sangen.
Alle wurden eingeladen mitzumachen und so schloss sich letztendlich der Vorhang vor hunderten von hüpfenden und lachenden Kindern.
Ausgelassen aber auch etwas erschöpft von den zwei Stunden Unterhaltung kramten die Klassen in den Gängen dann noch ihre Rucksäcke zusammen, bis sie im Foyer vor dem Ausgang noch mit roten Luftballons von den Darstellern endgültig von diesem kleinen Ausflug in den Dschungel verabschiedet wurden.
Infos & Karten: Das Dschungelbuch im Theater Aachen
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