Mit Mountainbike im Stadtgarten wie durch unberechenbares, wildes Gelände brettern – das ist ab Sonntag, dem 12. Mai 2019 in Würselen möglich. Mitten im Zentrum des Stadtgartens ist ein sogenannter Dirtpark entstanden, ähnlich wie eine Skateranlage, aber mit natürlichem Erdboden statt Beton, gebaut von nur zwei Leuten. Eingeweiht wird die Anlage am Sonntag im Rahmen des Familientages der StädteRegion.
Der 17-jährige Niklas Dohmen und sein Vater Dirk Dohmen sind seit September mehrere Tage die Woche bei der Grünfläche direkt hinter der kleinen asphaltierten Halfpipe zu finden und schuften für eine neue Anlage. Das ganze Projekt ist eine Eigeninitiative der beiden, sie arbeiten freiwillig neben ihren Jobs am Bau und eine längere Pause gab es nur während der extremen Wintermonate.
Die Idee dazu hatte Niklas schon vor einigen Jahren, nachdem er 2014 mit dem BMX- und Mountainbike-Sport anfing, wo ihm nach kurzer Zeit aber schon auffiel, wie wenige Möglichkeiten es für das richtige Trainieren in der Würselener Umgebung gibt. Zu viele Mängel weist die Betonanlage im Stadtgarten auf, weder für ausreichende Sicherheit, noch für eine wirkliche sportliche Herausforderung ist hier gesorgt. Und so fiel Niklas Blick auf den ungenutzten Wiesenhügel ein paar Meter dahinter.
Bei einem unverbindlichen Austausch mit Frau Willeke von der Abteilung Kinder- und Jugendförderung der Stadt Würselen wurde das Konzept des Parks dann vorgestellt, zwei Wochen später folgte ein Treffen mit dem Bauamt und kurz darauf erhielten der Vater und Sohn die Genehmigung und einen großen Teil von Bauerde von der Stadt. Einzige Bedingung beim Bau: kein Beton benutzen; ansonsten haben die Beiden freie Hand.
Da Erde allein nicht ausreichte, machte sich das kleine Team noch auf die Suche nach weiteren Sponsoren. Hilfe in Form von Materialzuschuss erhielten sie dann unter anderem von der Firma bio-chem sowie der Allianz-Versicherung in Würselen und körperliche Unterstützung kam von einem Mitarbeiter der Mobilen Jugendarbeit und gelegentlich von Passanten, die auf ihrem Weg durch den Stadtgarten spontan ihren Einsatz anboten.
Niklas und Dirk sind jedes Mal erleichtert und dankbar für Beteiligung von außerhalb, auch wenn sie sehen, wie gut der Park jetzt schon ankommt. Das Interesse ist da, freut sich Niklas und zeigt auf fremde Reifenspuren die gestern noch nicht da waren. Die Lage spricht eben für sich, meint auch sein Vater, denn der Stadtgarten und somit auch die Anlage sind jederzeit für jeden zugänglich, durch die zentrale Lage also erreichbar für alle aus Haaren und Würselen. Durch den weichen, aber unebenen Erdboden ist ein Dirtpark ebenfalls weniger gefährlich, aber auch nicht so vorhersehbar wie eine übliche Skate- oder Fahrradanlage. Somit ist für jeden Nutzer was dabei – egal ob kleine Kinder mit Laufrad, erfahrene Jugendliche oder Einsteiger im Erwachsenenalter, denn man kann immer selbst entscheiden, wie anspruchsvoll und rasant gefahren werden soll.
Wichtig ist nur ein stabiles Rad mit Luftreifen (etwas breiter und mehr Profil als gewöhnliche Räder) und die Einhaltung der Regeln wie Helmpflicht, korrekte Müllentsorgung usw.
Des Weiteren ist das Fahren auf dem Gelände bei Regenwetter untersagt; zu viele Risiken stellen die nassen Holzrampen und der feuchte Erdboden dar, nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die empfindliche Bahn selbst. Somit kann Niklas leider bei unserem Termin nicht auf seinem Rad zeigen, wie genau die einzelnen Strecken geplant sind, sondern deutet nur grob an, wieviele Wegmöglichkeiten man nutzen kann.
Bis zur offiziellen Eröffnung am 12.05. ist momentan noch einiges zu tun, die beiden sind aber zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig wird. Am Sonntag findet nämlich nicht nur ein Familienfest von 12:30 bis 17:00 Uhr statt, auch der Bürgermeister vom Städteregionsrat wird anwesend sein. Außerdem gibt es einen Fahrrad-Contest mit Urkunden und eventuell kleinen Gewinnen, anmelden kann sich jeder unter der Emailadresse dirtparkwuerselen@gmail.com.
Für die Kleinen bietet das Team noch einen Fahrrad-Workshop an, wo gelernt wird, wie man eine Kette ölt oder Reifen wechselt und zwei BMX-Räder stehen zur Ausleihe bereit.
Nach der Eröffnung sind Niklas und Dirk Dohmen aber noch längst nicht zufrieden. Mehr Wege, weitere Spungschanzen und Ausbesserungen sollen den Park demnächst noch unterhaltsamer machen und vermutlich wird sich das Gelände ständig verändern. Denn ein Dirtpark, erzählt Niklas, ist mit all den Einflüssen der Wetterbedingungen und Abnutzung, nie ganz fertig.
UPDATE: Der Park existiert an dieser Stelle nicht mehr, da die Stadt ihn als zu gefährlich befunden hat.
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