Die Welt retten mit KingKalli 6: Jülicher beschützen ihre Kastanienallee

Die Jülicher Kastanienallee liegt vielen Anwohnern, Fahrradfahrern und Spaziergängern am Herzen. Deswegen war auch der Schock auf die Nachricht, dass die Bäume der geliebten Allee aufgrund von Mottenbefall mittelfristig der Säge zum Opfer fallen könnten, groß. Besorgte Bürger gründeten nach dieser Schreckensnachricht eine Bürgerinitiative, die seitdem jedes Jahr eine Laubsammelaktion zur Rettung der Kastanien organisiert.

Bewaffnet mit Rechen, Laubbläsern und Besen sagen die Teilnehmer der Miniermotte den Kampf an. Die kleinen braunen Motten befallen seit Jahren die Kastanien am Rurdamm. Nachdem sie geschlüpft sind, fressen ihre Raupen die Blätter des Baums. Um die Plagegeister loszuwerden, wirft die Kastanie ihre Blätter mit den Raupen und Puppen schon im Sommer ab. Die verpuppten Raupen überwintern im warmen Laub des Baums. Wenn sie samt dem Laub am Boden nicht entfernt werden, schwärmen die Motten im Frühjahr, direkt nachdem sie geschlüpft sind, zurück in die Baumkrone, um dort erneut ihre Eier auf den Kastanienblättern abzulegen. Dadurch dass der Baum zu früh seine Blätter abwirft, wird er geschwächt und anfälliger für Krankheiten.
Indem man die Blätter im Herbst aufsammelt und verbrennt, kann man die Bäume vor den Motten schützen oder zumindest den Befall im Folgejahr verzögern und reduzieren. Den Kreislauf der Miniermotte zu unterbrechen ist der Antrieb der Blattsammler. Aus diesem Grund harken sie alljährlich im November die 2,5 Kilometer der Kastanienallee ab. Bei der diesjährigen Laubsammelaktion waren ca. 60 wild entschlossene, hochmotivierte große und kleine Helfer dabei. Jana Vollmer hat sich umgehört, was ihre ganz persönlichen Beweggründe waren.

„Egal, ob es hilft oder nicht: Mitmachen ist Gesetz!“
Herr Apphun ist direkter Anwohner. Die Kastanienallee sei einfach schön, und um diesen Anblick von seinem Fenster aus weiterhin genießen zu können, unterstützt er die Aktion tatkräftig. Er sammelt jetzt schon zum sechsten Mal in Folge Laub, um die Kastanien zu retten. Ob die Aktionen nun auf Dauer den Erhalt der Bäume garantieren können oder nicht, „Mitmachen ist Gesetz“ und versteht sich von selbst.

„Ich freue mich jedes Jahr auf die Kartoffelsuppe.“
Auch von Anfang an bei der Aktion dabei ist der örtliche Pfadfinderstamm Franz von Sales – Jülich. Vertreten sind an diesem Samstag alle Altersgruppen: sowohl die kleinsten Wölflinge als auch die älteren Ranger. Unterhalten habe ich mich mit Timo, Fabian, Sophia, Finn, Charlotte, Megan und Kimon. Sie alle wissen genau Bescheid über die Miniermotte und die Probleme, die sie verursacht. Zu den Laubsammelaktionen bringen sie auch ihre Eltern und Familien mit, denn obwohl die Arbeit anstrengend ist, freuen sie sich schon das ganze Jahr darauf. Auch die leckere Kartoffelsuppe, die am Ende für alle Helfer zur Verfügung steht, scheint die Vorfreude zu befeuern.

„Die Kastanienallee war immer da und gehört zu Jülich dazu.“
Die Kastanienallee ist ein Teil von Jülich. So sieht das zumindest Ingrid Dank. Sie ist in Jülich geboren und aufgewachsen und möchte die Allee nicht missen. Man müsse alles, was nötig ist, tun, um sie zu schützen, meint sie. Ihr ist nicht nur der Erhalt der Natur, sondern auch der Heimatstadt wichtig. Ihre Freundin Jutta Schultheiß, ebenfalls Jülicherin, ist zum ersten Mal dabei. Sie hat von der Aktion schon mehrfach in der Presse gelesen und hat es dieses Jahr nun endlich geschafft, dabei zu sein. Seit sie Rentnerin ist, hat sie auch mehr Zeit.

„Kleine Handlungen der Bürger sind erforderlich, um etwas gegen den Klimawandel zu tun.“
Christine Klein ist Mitglied bei den Grünen und hat von der Aktion über den E-Mail-Verteiler der Partei erfahren. Sie findet, dass Bürger auch mit kleinen Aktionen zum Klimaschutz beitragen können. Die Beteiligung von Bürgern an solchen Aktionen hat eine starke Öffentlichkeitswirkung, die hoffentlich zu einem Umdenken in der Politik führt, sagt sie. Deswegen hat sie auch gleich ihre Freundin Ruth Gehrman aus Koslar mitgebracht, die die Allee als Radfahrerin sehr zu schätzen weiß. Zu zweit macht die Arbeit schließlich doppelt so viel Spaß!

„Es gibt nichts Besseres, was man an diesem Samstag tun kann.“
Das gibt Dr. Burkard Neuß als Antwort auf die Frage, ob er an einem Samstag nichts Besseres zu tun habe. Der Radfahrer aus Jülich findet die Kastanienallee einfach schön und möchte unbedingt, dass sie erhalten bleibt. Als Neu-Rentner möchte er seine frei gewordene Zeit und Energie sinnvoll nutzen.

Er hat sich mit Norbert Weisbrod und Herrn Dahmen zusammengetan. Herr Weisbrod ist Kleingärtner und somit an allem interessiert, das mit Natur zu tun hat. Herr Dahmen hingegen ist extra aus Aachen angereist. Sein Vater, Mitbegründer der BI Kastanienallee, die diese Aktion organisiert, ist erkrankt und kann in diesem Jahr nicht dabei sein. Einer muss die Familie doch vertreten, findet Herr Dahmen. Außerdem ist er in Jülich aufgewachsen und hängt an dem Ort seiner Kindheit.
So sieht das auch Philipp Knörzer, der direkt seine ganze Familie zum Helfen mitgebracht hat. Die beiden Kleinen packen kräftig mit an. Die Laubsammelaktion sei eine tolle Familienaktivität an der frischen Luft. Die Familie ist erst vor kurzem hierhergezogen und fände es schade, wenn die Kastanien alle gefällt werden müssten. Das würde die Lebensqualität für Familien sehr schmälern.

„Ich mache das auch aus 
pädagogischen Gründen.“
Wie viele andere Eltern hat Katja Gausmann auch ihre fünf Jahre alte Tochter mitgebracht. Die beiden nutzen die Kastanienallee häufig und gerne für Spaziergänge. Es wäre also schade, wenn sie nicht mehr da wäre. Sie findet, dass man der Allgemeinheit etwas zurückgeben müsse. Und das könne man zum Beispiel, indem man sich an der Aktion beteiligt. Außerdem tue sie es aus pädagogischen Gründen: Ihre Tochter soll lernen, dass man sich für Sachen, die einem am Herzen liegen, einsetzen muss. Auch ihre Freundin Simone Müller-Boos und ihr elfjähriger Sohn, der ganz fleißig Müll sammelt, nehmen an der Aktion teil. Sie sagt, sie habe einfach Lust auf die Aktion gehabt. Man könne sich draußen betätigen, habe Bewegung und tue dabei auch noch etwas Gutes. Beide Freundinnen sind zum ersten Mal dabei, haben ganz offensichtlich viel Spaß und wollen im nächsten Jahr mit ihren Kindern wiederkommen.

Die Laubsammelaktion war, wie schon in den Jahren zuvor, ein voller Erfolg. Die Allee konnte so schnell wie noch nie vom Laub befreit werden. Das war nicht zuletzt der Mithilfe und den technischen Optimierungen durch den Bauhof der Stadt Jülich zu verdanken, der die Bürger alljährlich bei der Arbeit unterstützt. Und die Kartoffelsuppe schmeckte danach genauso gut wie jedes Jahr, zur Freude von Timo und seinen Pfadfinder-Freunden! Alle Helfer hoffen jetzt, dass ihre Anstrengungen sich gelohnt haben und die Allee Jülich noch lange Zeit erhalten bleibt.

Der einzige Nachteil der Aufräumaktion: Im Laub spielen ist auf der Kastanienallee nun bis zum nächsten Herbst nicht mehr möglich.

Ein Beitrag von Von Jana Volmer

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