Die Neuen einarbeiten, reisen und zurück nach Aachen – FSJ-Erfahrungsbericht

in Von und für Jugendliche

Hallo zusammen. Kurz bevor ich nach Hause gefahren bin, hat mich meine Familie in Südafrika besucht, und wir sind zusammen drei Wochen durch das Land gereist. Besonders schön fand ich den Kruger-Nationalpark, wo wir die Big Five gesehen haben. Also einen Löwen, einen Leoparden, einen Elefanten, einen Büffel und ein Nashorn. Es war sehr schön, meiner Familie mein Südafrika zu zeigen! Danach war ich noch zwei Wochen auf der Farm. Dort war ich direkt wieder mittendrin. Tagsüber habe ich mich um die Babys gekümmert, und abends war ich bei meiner Gastfamilie essen, um die Zeit mit ihr auszukosten. Zwei Tage nach meiner Rückkehr wurde der Geburtstag von Peet gefeiert. Ein letztes Mal gab es ein echtes Braai, und wir haben lange im Halbkreis vor dem Feuer gesessen. Diesmal gab es die südafrikanische Version von Hotdogs – Boerenworst im Brötchen. An meinen letzten Tagen in Südafrika fand ein großes Familientreffen meiner Gastfamilie statt. Alle waren sehr aufgeregt, weil Cousins aus den Niederlanden zu Besuch kamen. Es war besonders spannend, auch die europäischen Familienmitglieder ein bisschen kennenzulernen. Besonders weil sie immer wieder versucht haben, Deutsch zu sprechen, was sehr lustig klang.

Zusätzlich kam eine Gruppe Freiwilliger aus Irland, mit denen ich abends die ein oder andere Runde Uno gespielt habe. Zusammen mit meiner Chefin habe ich dann einen Plan erarbeitet, wie die Babys die neuen Freiwilligen entspannter kennenlernen können, und wir haben ihn mit den irischen Freiwilligen ausprobiert. Dazu habe ich mich zunächst mit den älteren Kleinkindern in den Sandkasten gesetzt und mit ihnen Türme gebaut und kleine Bagger gefahren. Die irischen Freiwilligen haben in der Zeit mit den kleineren Babys gespielt. Im Verlauf des Tages gewöhnten sich alle aneinander und konnten zusammen spielen. Ich war so stolz, wie großartig sich die Großen entwickelt haben und wie schnell sie inzwischen entspannt mit neuen Menschen sind. Vor ein paar Monaten noch wären sie keinen Zentimeter von meiner Seite gewichen.

Dann hieß es für mich aber, meinen eigenen Abschied vorzubereiten. Jedes der Kinder hat von mir ein Stück seiner Geschichte geschenkt bekommen. Über das Jahr habe ich besondere Dinge, die passiert sind, gesammelt und in kleine Büchlein geschrieben. Zusammen mit Fotos habe ich alles in Südafrika hinterlegt, sodass die Kinder ein kleines Erinnerungspaket mitnehmen können, wenn sie die Farm verlassen. Am Ende kam vielleicht mehr aus Zufall ein Hobbyfotograf, der ein Foto mit mir und allen Kindern gemacht hat. So habe ich jetzt ein besonders schönes Foto von den Babys und mir, das ich als Andenken mitnehmen kann.

Zum Abschied gab es eine letzte kleine Feier, wo meine südafrikanischen Freunde und natürlich meine Gastfamilie eingeladen waren. Ich habe von ihnen ein Büchlein geschenkt bekommen, in dem jeder eine kleine Botschaft hinterlassen konnte. Das hat mich wahnsinnig gefreut, und ich bin mir sicher, dass ich da noch ganz oft reinschauen werde. Es kam nochmal richtige Feierlaune auf, auch weil ich die Farm erst ein paar Tage später verlassen habe. Erst als es wirklich losging und der Koffer gepackt vor der Tür stand, ist mir klargeworden, dass ich meine Leute auf der Farm eine sehr, sehr lange Zeit nicht sehen werde. Beim Abschied haben wir die ein oder andere Träne vergossen.

Ja und dann ging es nach Deutschland zurück. Meine Familie und Freundinnen haben mich am Bahnhof mit Ballons abgeholt. Noch ganz überwältigt von der langen Reise konnte ich gar nicht fassen, wieder in Aachen zu sein. Inzwischen bin ich fast einen Monat zurück, und so ganz bin ich noch nicht angekommen. Erst langsam wird mir klar, wie besonders dieses Jahr war und was für einen bleibenden Eindruck ich mit meiner Arbeit im Waisenhaus hinterlassen habe. Zum Glück sind die neuen Freiwilligen schon da, und sie haben vieles von dem, was ich mir überlegt hatte, übernommen. „Meine“ kleinen Babys vermisse ich trotzdem sehr, und ich hoffe, bald einmal wieder in meine neue zweite Heimat reisen zu können und auch meine Gastfamilie wiederzusehen.

Ella Pertuch hat ihren Freiwilligendienst in Südafrika absolviert und hat ihre Erfahrungen mit uns geteilt. Jetzt ist sie wieder in Aachen.

Der Beitrag ist in KingKalli 125 erschienen (Oktober/November 2024).

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