Die Digitalisierung der Aachener Schulen ist in vollem Gange

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Distanzunterricht Aachen | Foto: iStock, da-kuk

Die Corona-Krise hat im Bereich Bildung deutlich gemacht: Digitalisierungskonzepte müssen in Schulen in den Fokus gerückt werden. Nur mit funktionierenden technischen Strukturen kann der Distanzunterricht erfolgreich durchgeführt werden. Schon ab Montag wird das ab Klasse acht wieder notwendig sein. Um vorbereitet zu sein, hat die Stadt nicht nur begonnen, digitale Endgeräte anzuschaffen, sondern sie will den Aachener Schulen Anfang nächsten Jahres auch ein datensicheres Videokonferenz-Tool zur Verfügung stellen. Was bisher geschah und was geplant ist, wurde auf einer Pressekonferenz am 8. Dezember vorgestellt.

Die Pressekonferenz beginnt mit einer positiven Nachricht: Man habe mittlerweile viel geschafft, um die Schulen im Bereich der Digitalisierung zu unterstützen, sowohl in Bezug auf die Anschaffung benötigter Hardware als auch im Bereich Software. Ein wichtiges Etappenziel sei erreicht worden, so Bildungsdezernentin Susanne Schwier, nämlich dass für Schüler und Schülerinnen, die zu Hause kein Laptop oder Tablet zur Verfügung haben, insgesamt 3.600 iPads angeschafft worden seien. Die Verteilung der Leihgeräte basiert auf einer dezidierten Matrix, die sich am Prinzip sozialer Verteilungsgerechtigkeit orientiert.

Man habe mittlerweile auch Mittel für die Anschaffung von digitalen Endgeräten für Lehrkräfte bewilligt bekommen. Das Land stellt 957.500 Euro zur Verfügung, womit 1.800 iPads für das Lehrpersonal der Aachener Schulen bestellt worden seien. Der Markt sei momentan sehr angespannt, daher wisse man noch nicht, wann die Geräte ausgeliefert würden. Dass Schüler und Schülerinnen die gleichen Geräte wie die Lehrkräfte nutzen, stelle sicher, dass es keine Kompatibilitätsprobleme beim Distanzunterricht gebe.

Unstimmigkeit in der Verantwortungsübernahme zwischen Kommune und Bundesland

Auch wenn die Kosten für die Lehrergeräte vom Land getragen werden, bleiben die Aufgabe der Beschaffung der Geräte sowie die Kosten des Supports der Geräte – circa 171.000 Euro – bei der Kommune hängen. „Auf einmal werden die Kommunen in die Pflicht genommen, den Support für die Geräte des Landespersonals zu bieten. Das hat es so noch nie gegeben“, merkt Bildungsdezernentin Susanne Schwier kritisch an. Selbstverständlich müsse das Thema der digitalen Infrastruktur in den Schulen auf allen Ebenen in den Blick genommen werden, aber bei einer Verschiebung der Verantwortlichkeiten müsse auch der kommunale Etat neu gedacht werden. Am Ende bleibt immer die Frage: Wer zahlt?

IT-Hausmeister in Grundschulen

Ohne ein funktionierendes Netz kann auch keine Digitalstrategie implementiert werden. Der Breitbandausbau schreite aber voran und es seien mittlerweile alle Schulen bis auf die Katholische Grundschule Kornelimünster, bei der es Schwierigkeiten bei Tiefbauarbeiten gab, an das Glasfasernetz angebunden. Auch sei der Ausbau des WLANS weit vorangeschritten.

Als Unterstützung für die Grundschulen sollen zwei IT-Hausmeister eingesetzt werden. Diese sind als First-Level-Support gedacht, das heißt, sie kümmern sich als erste Anlaufstelle bei technischen Fragen um die Funktionstüchtigkeit der Geräte. Bisher habe das immer – wenn vorhanden – der oder die Medienbeauftragte der Schulen gemacht, allerdings seien die wachsenden Anforderungen so nicht mehr zu bewältigen, zumal dieses Aufgabenfeld immer noch zusätzlich zu den anderen Aufgaben geleistet und nicht extra vergütet wird. Zu klären ist noch, wie die Schulen auf dieses Personal zugreifen können, sprich, wann und wie genau man die beiden Kräfte einsetzt. Es müsse erprobt werden, wie das Angebot bei den Schulen ankommt und ob man es gegebenenfalls noch ausweite, so Heinrich Brötz, Leiter des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule.

Die Suche nach einen datensicherem Video-Tool: Aachen kommt mit einer eigenen Lösung dem Land zuvor

Die zentrale Aufgabe, mit der sich die Kommune momentan im Bereich Digitalisierung und Schule auseinandersetzt, ist die der Suche nach einem geeigneten, datensicheren Videokonferenzsystem. Die Nutzung von Videotools im schulischen Bereich ist hinsichtlich des Datenschutzes hochkomplex, von der Nutzung von datenunsicheren Anwendungen wie Zoom oder Microsoft Teams wird abgeraten. Es gehe nicht um die technische Machbarkeit, sondern um die Suche nach einer datenschutzkonformen Lösung, so Heinrich Brötz.

Insgesamt vollziehe sich im Bereich der Bildung ein Paradigmenwechsel, meint Ulla Griepentrog, Vorsitzende des Ausschusses für Schule und Bildung. „Das Klassenzimmer war immer ein geschützter Raum, jetzt wird er öffentlich“, führt sie aus. Das bedeutet, dass man zum Schutz der Privatsphäre der Kinder und Jugendlichen nach einer Softwarelösung suchen muss, die in puncto Datenschutz unbedenklich ist.

Das Land wollte eine solche Lösung in Form einer entsprechenden Plattform zur Verfügung stellen, bis jetzt ist aber unklar, wann diese Plattform gebrauchsfertig sein wird. Die Stadt Aachen will hierauf nicht länger warten und geht daher ihren eigenen Weg. Die Lösung sieht Heinrich Brötz in einem Videotool der Plattform Edmond, welches nach Klärung letzter Datenschutzfragen den Schulen Anfang des kommenden Jahres zur Verfügung gestellt werden soll. Der Leiter des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule ist optimistisch, hiermit eine passende Anwendungslösung gefunden zu haben.

Jetzt wird das virtuelle Klassenzimmer in Aachen wieder Alltagsrealität – die Strategien können direkt erprobt werden.

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